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Kolumne: „Frag den Mohr“ : Wer haftet für kaputte Ware?

Lieferung kaputt, Ärger groß: Der Verkäufer muss nachbessern Bild: Stefan Finger

Oft merkt man erst nach dem Auspacken eines Pakets, dass die Ware unvollständig oder defekt ist. Das ist nicht schlimm, denn der Verbraucherschutz ist großzügig.

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          Es ist ja immer in hohem Maße ärgerlich, wenn man der Großtante zu Weihnachten eine selbstgravierte Blumenvase zusendet und dann kommt sie kaputt an. Wer haftet? Der Versender hat für eine fachgerechte Verpackung zu sorgen. Wer darüber unsicher ist, sollte entsprechende Fachliteratur konsultieren, um die optimalen Luftpolsterkissen etc. zu finden. Nur dann greift eine mögliche Versandversicherung.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer regelmäßig privat Waren zum Beispiel über Ebay kauft, sollte wissen, dass das Transportrisiko hier der Käufer trägt, sofern die Ware ordnungsgemäß verpackt wurde. Individuelle Vereinbarungen über Versicherungen und andere Regelungen sind möglich.

          Kauft eine Privatperson eine Ware von einem Unternehmen, liegt das Risiko indes beim Verkäufer. Er hat für die unbeschädigte und vollständige Zusendung zu sorgen. Das Paket muss dabei nicht sofort an der Bordsteinkante ausgepackt und im Detail geprüft werden. Dafür hat der Käufer lange Zeit. Es gilt die Gewährleistungspflicht der Paragraphen 437 und 438 BGB, wonach der Verkäufer bei Neuwaren zwei Jahre und bei Gebrauchtwaren ein Jahr für Mängel haftet. Private Verkäufer können eine solche Gewährleistung ausschließen. Gewerbliche Verkäufer sind daran jedoch zwingend gebunden.

          Allerdings sollte der Kunde die Frist nicht ausreizen. Nur in den ersten sechs Monaten nach Zugang der Ware liegt die Beweislast beim Verkäufer. Er muss nachweisen, dass die Ware heil angekommen ist. Nach sechs Monaten kehrt sich die Beweislast um. Dann muss der Käufer nachweisen, dass zum Beispiel die Vase schon bei der Lieferung kaputt war und nicht erst bei einem Ehestreit an der Wand landete (unsachgemäßer Gebrauch). Der Kunde ist dann auf die Kulanz des Verkäufers angewiesen.

          Ansprüche macht der Kunde immer beim Verkäufer der Ware geltend, nicht beim Transportunternehmen. Eine Garantie, dass das Produkt eine bestimmte Zeit funktioniert, ist etwas anderes. Die kann der Hersteller freiwillig geben. Eine Garantie, dass eine selbstgravierte Vase gefällt, gibt es allerdings nicht.

          Haben Sie Fragen rund um das Thema Geld? Gerne an unseren Redakteur Daniel Mohr unter fragdenmohr@faz.de

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