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Grüne Finanzen : Vor allem Reiche legen nachhaltig an

Fotovoltaikanlage auf dem Bosch-Parkhaus am Flughafen Stuttgart: Dass Erneuerbare Energien nachhaltig sind, daran besteht kein Zweifel. Bild: dpa

Doch in der Gesamtbevölkerung misstrauen immer noch viele den angeblich umweltfreundlichen Anlagemöglichkeiten. Das zeigt eine Umfrage der Privatbank Warburg.

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          Insbesondere die Hochvermögenden setzen in Deutschland auf nachhaltige Finanzanlagen. Auch insgesamt nimmt die Akzeptanz für Investments, die sich an Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung orientieren, zu. Gleichwohl zeigt eine der F.A.Z. vorliegende Umfrage der Hamburger Privatbank M. M. Warburg & Co noch große Zweifel in der Bevölkerung an nachhaltigen Finanzprodukten auf. Unter den 514 Hochvermögenden mit einem Anlagevermögen von mehr als einer Million Euro, die im Dezember vom Berliner Marktforschungsinstitut Civey befragt wurden, gaben 30,8 Prozent an, sicher nicht in diese Anlageprodukte zu investieren.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          In der Gesamtbevölkerung, deren Umfrage auf 2553 Teilnehmern beruht, sind sich 31,8 Prozent sicher, nie nachhaltig anzulegen. Fast 30 Prozent wissen es noch nicht. Unter den Vermögenden sind es zwar nur 16 Prozent, die sich noch nicht festlegen können. Aber unsicher sind auch die 16 Prozent, die vielleicht in nachhaltigen Produkten anlegen wollen. Dieser Anteil fällt in der Gesamtbevölkerung ähnlich hoch aus. Dass die EU-Kommission nun Atomkraft als Übergangstechnologie und damit als geeignet für nachhaltige Finanzprodukte eingestuft hat, kann in dieser Gruppe, die sich in Zukunft grüne Investments vorstellen konnte, wieder eine größere Zurückhaltung hervorrufen.

          Wie aus der Warburg-Umfrage hervorgeht, nennen die Teilnehmer, die bislang noch nicht in nachhaltige Produkte investiert haben, am häufigsten Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit. Unter den skeptischen Reichen sind es 34,3 Prozent und unter den Zweiflern in der Gesamtbevölkerung sogar fast 40 Prozent. In diesen Gruppen fallen auch die Anteile derjenigen hoch aus, die nachhaltige Angebote von Banken, Versicherern oder Fondsgesellschaften für undurchsichtig halten: 27,2 Prozent (Hochvermögende) und 30 Prozent (Gesamtbevölkerung).

          Greenwashing bereitet Sorgen

          „Diese Vorbehalte sollten Anbieter von Investmentlösungen, Anlageberater und Vermögensverwalter unbedingt ernst nehmen“, warnt Daniel Hupfer, Leiter Portfoliomanagement bei Warburg. Zum Teil ließen sich die Bedenken aus der Komplexität des Themas erklären. Zum einen sei es nicht trivial, die Nachhaltigkeit von Unternehmen oder Projekten branchen- und länderübergreifend objektiv zu messen. Zum anderen verweist Hupfer auch auf Sorgen bezüglich des Greenwashings, also dass als nachhaltig beworbene Produkte tatsächlich nicht dem Klima- und Umweltschutz dienten.

          Trotzdem investieren immer mehr Deutsche in nachhaltige Produkte. Unter den Reichen sind es 30,9 Prozent, acht Prozentpunkte mehr als in der Umfrage im April und Mai. In der Gesamtbevölkerung erhöhte sich der Anteil nachhaltiger Anleger von 14,7 auf 16,1 Prozent.

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