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Nur wenige Gründungen : War es das schon mit dem Fintech-Boom?

Wirecard ist ein bekanntes deutsches Fintech. Bild: dpa

In Deutschland werden kaum noch Fintechs gegründet. Analysten meinen, die Branche wird erwachsen. Doch das Terrain wird auch ungemütlicher.

          War es das schon mit dem Fintech-Boom? In Deutschland wurden im ersten Halbjahr 2018 nur noch sechs neue Start-ups gegründet, die mit technischen Neuerungen auf die Finanzbranche abzielten. Im gesamten vergangenen Jahr waren es noch 22 Neugründungen gewesen. Da einige Start-ups auch wieder ihre Segel streichen mussten, ist die Gesamtzahl der Fintechs in Deutschland im laufenden Jahr nur um 2 auf nun 303 Unternehmen gewachsen.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das hat die Unternehmensberatung EY für ihre Studie „Germany Fintech Landscape“ nachgezählt, die der F.A.Z. exklusiv vorliegt. EY-Partner Christopher Schmitz spricht von einem „Erwachsenwerden“ der Branche: „Nach der hohen Zahl der Neugründungen der vergangenen Jahre konzentrieren sich die Unternehmen jetzt auf die Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle und die Internationalisierung.“

          Druck erhielten sie von zwei Seiten, sagt Schmitz: aus dem Inland von traditionellen Finanzinstituten, die lange abgewartet haben, aber inzwischen immer stärker selbst auf neue Technologien setzen. Aus dem Ausland drängen außerdem Wettbewerber auf den deutschen Markt, der wegen der schieren Größe und der Wirtschaftskraft attraktiv ist. Etwa ein Drittel der Fintechs haben nach EY-Schätzung haben schon den Schritt ins Ausland gewagt. Zugleich seien 84 Fintechs mit Sitz im Ausland in Deutschland aktiv. „Das Interesse deutscher Fintechs über die Landesgrenze hinaus zu expandieren, hat definitiv zugenommen“, sagt Partner Jan-Erik Behrens.

          Die Investitionen in junge Technologieunternehmen aus der Finanzbranche betrugen laut EY in den ersten neun Monaten des Jahres 477 Millionen Euro und sollten zum Jahresende auf 636 Millionen Euro anwachsen. Das sei eine Steigerung um 12 Prozent gegenüber 2017. Zwar gebe es etwas weniger aber dafür größere Transaktionen von im Schnitt 9,7 Millionen Euro. Vor allem die schon im Markt etablierten Fintechs lockten Investoren an: Die größten Finanzierungsrunden sicherten sich die reine Smartphonebank N26 mit 130 Millionen Euro sowie der Zins-Marktplatz Deposit Solutions mit 88 Millionen Euro. Die deutschen Fintechs verteilen sich vor allem auf die Städte Berlin (81), Frankfurt/Rhein-Main-Region (74) und München (48).

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