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Kolumne: „Frag den Mohr“ : Wann bin ich Millionär?

Die schwerste aller Fragen? Willst du mich heiraten? Bild: dpa

Reicht schon ein Reihenhaus in München? Oder muss es das dicke Aktiendepot sein? Viele wissen gar nicht, dass sie Millionär sind.

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          Ich wär’ so gerne Millionär, sangen die Prinzen vor 30 Jahren. Wer wird Millionär? Fragt Günther Jauch seit 21 Jahren. Doch wer ist eigentlich Millionär? Manche Betroffene merken es nicht einmal selbst. Einfach haben es nur all jene, die beim Blick aufs Konto eine mindestens siebenstellige Zahl auf der Habenseite entdecken (und nicht vergessen, laufende Kredite davon abzuziehen).

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Relativ einfach zu erkennen ist dies auch, wenn der Depotauszug einen Millionenwert ausweist. Auf diese Daten der Bundesbank beziehen sich meist die Reichtumsberichte in der Finanzbranche. Rund 400.000 Millionäre wies die Boston Consulting Group im jüngsten Bericht aus. Der Wert schwankt allerdings mit den Börsen. Wer vor einem Jahr dank Wirecard-Aktien Millionär war, kann heute schon eine arme Wurst sein. Auch viele der größten Vermögen auf der Welt bemessen sich in Unternehmenswerten. Die können flüchtig sein, siehe Schickedanz, Braun oder Schlecker.

          Zählen wir zu den Depots und Konten noch die Immobilien hinzu, steigt die Zahl der Millionäre rasch. Fast 1,5 Millionen Personen weist die Credit Suisse in ihrem jüngsten World Wealth Report für Deutschland aus. Die Zahlen sind mit enormer Unsicherheit behaftet. Denn was ist eine Immobilie wert? Wenn Sie das in Ihrem Fall herausfinden wollen, hilft nur der Verkauf. Eine allerdings unpraktikable Möglichkeit der Vermögensermittlung, will man nicht sowieso umziehen. Das ist auch der Grund, der gegen eine Vermögensteuer ins Feld geführt wird: die komplexe Ermittlung von Vermögenswerten wie Immobilien. Es muss mit groben Schätzungen hantiert werden. Also sind Sie immerhin vielleicht Millionär!

          Einen wichtigen Aspekt hatten wir noch nicht: das Einkommen. Auch jenseits der Einkommensmillionäre läppert sich das über die Jahre. Wer hochrechnet, kann sich zumindest als Millionär in spe fühlen. Am besten fällt die Rechnung für Pensionäre aus, mit oft überdurchschnittlich hohen und verlässlichen Zuflüssen. Aber die wollen von den Reichtumsstatistiken, die sie an der Spitze sehen, immer nichts wissen.

          Und wenn Sie (noch) kein Millionär sind, ist das auch kein Grund zum grämen. Die Glücksforschung bestätigt immer wieder, dass Glück und Reichtum nicht eng zusammenhängen, manchmal Geld sogar Unglück bringt und die Lebenszufriedenheit sich zu einem Gutteil aus anderen Quellen speist.

          Haben Sie Fragen rund um das Thema Geld?

          Gerne an unseren Redakteur Daniel Mohr unter fragdenmohr@faz.de

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