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Neulinge an der Wall Street : Neue Aktien sollen billiger werden

  • -Aktualisiert am

Gefeuert: Ein Mitarbeiter von Wework verlässt das Hauptquartier des Unternehmens in New York Bild: Reuters

Amerikanische Investmentbanken ziehen nun die Konsequenzen aus Börsenflops wie dem Debakel des Bürovermieters Wework – und senken die Preise für Aktien von Börsenneulingen.

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          Investmentbanken an der Wall Street drücken nach einigen hochkarätigen Misserfolgen in diesem Jahr die Preise für Börsengänge. Nach Angaben des Informationsdienstes Dealogic lagen die Ausgabepreise für Aktien von Börsenneulingen im vierten Quartal überwiegend im unteren Bereich der vorher avisierten Preisspanne.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Investoren fordern offenbar günstigere Konditionen, nachdem einige hochbewertete Unternehmen wie die Fahrdienstvermittler Uber oder Lyft seit ihren Erstemissionen im ersten Halbjahr mehr als ein Drittel ihres Börsenwertes eingebüßt haben. Der Aktienkurs des Dental-Start-ups Smile Direct Club ist seit dem Debüt im September um fast zwei Drittel gefallen. Der Aktienkurs von Peloton, ein Anbieter von Heimtrainern, war nach dem Börsenstart Anfang Oktober zunächst deutlich gefallen, hat aber mittlerweile wieder das Anfangsniveau erreicht. Nachdem die Aktien von Peloton nur auf schwache Nachfrage gestoßen waren, hatte die Hollywood-Talentagentur Endeavor ihren geplanten Börsengang abgesagt.

          Als größter Flop gilt allerdings der Büroraum-Vermittler Wework, der seinen ursprünglich für Oktober geplanten Börsengang erst auf unbestimmte Zeit verschob und schließlich ganz absagte. Vorausgegangen war ein Führungswechsel und wachsende Kritik von Investoren am Geschäftsmodell und den Geschäftspraktiken. Das verlustmachende Unternehmen wurde zuletzt nur noch mit 8 Milliarden Dollar bewertet – nach 47 Milliarden Dollar im Januar.

          „Der Widerstand der Anleger zahlt sich aus“, kommentierte Neil Campling, Analyst beim Wertpapierhaus Mirabaud. Investoren verhielten sich weiterhin „vorsichtig“ und achteten „sensibel“ auf die Bewertungen.

          Uber Technologies

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          Investmentbanker loten im Vorfeld eines Börsengängen das Investoreninteresse aus und setzen eine Bandbreite für den Preis fest. Am Abend vor dem ersten Handelstag wird dann ein konkreter Ausgabepreis festgelegt, zu dem Investoren die Aktien erhalten. Bei drei Vierteln der Börsengänge lag der Ausgabekurs nach Angaben von Dealogic in der unteren Hälfte der Spanne. In den ersten neun Monaten waren es im Durchschnitt etwas weniger als ein Drittel gewesen.

          Der Markt für Börsengänge ist ein wichtiger Indikator für die allgemeine Stimmung an der Börse. Hohe Nachfrage nach jungen Unternehmen deutet auf eine erhöhte Risikobereitschaft von Investoren, da deren Kurse zwar hohes Wachstumspotential versprechen, aber gleichzeitig sehr schwankungsanfällig sind.

          Trotz der hochkarätigen Fehlschläge präsentiert sich der Markt für Börsengänge bislang aber insgesamt robust. Nach Angaben des Wertpapierhauses Renaissance Capital haben in diesem Jahr insgesamt 151 junge Unternehmen Aktien im Wert von mehr als 43 Milliarden Dollar an den amerikanischen Börsen emittiert. Die Zahl der Debütanten liegt knapp ein Fünftel unter dem Wert des Vorjahres. Die Summe des aufgenommenen Kapitals liegt allerdings nur knapp unter der des vergangenen Jahres.

          Nachdem die Aktienkurse von Börsenneulingen, gemessen am Renaissance IPO Index, im dritten Quartal um 11 Prozent gefallen waren, haben sich die Kurse zuletzt wieder erholt. Der Index liegt derzeit um 31 Prozent im Plus und ist damit um rund 7 Prozentpunkte stärker gestiegen als der breitgefasste Aktienindex S&P 500, der den Trend bereits etablierter amerikanischer Aktiengesellschaften abbildet.

          „Das Fenster für Börsengänge schließt sich für hochbewertete Untennehmen, die ungeachtet der Kosten auf Wachstum setzen und mit exzessiven Ausgabepreisen an die Börse streben“, analysiert Kathleen Smith, die Geschäftsführerin von Renaissance Capital. Investoren reagierten zurückhaltend, weil sie in der aktuellen Marktlage nicht zu viel bezahlen wollten. „Das nennt man Preisfindung, und es ist ein Reinigungsprozess, der für die Zukunft bessere Zeiten verspricht“, sagt Smith.

          Unternehmen, die bereits profitabel sind, stoßen aber nach wie vor auf starke Nachfrage. Der Aktienkurs des Softwareanbieters Zoom Video hatte sich seit dem Börsengang im April verdoppelt, wenngleich er in den vergangenen Monaten wieder erheblich an Wert eingebüßt hat.

          Die Nachfrage nach Börsenneulingen hängt immer auch von der allgemeinen Börsenverfassung ab, die zuletzt stark von den Entwicklungen im Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China geprägt war. Fortschritte bei den Handelsgesprächen und die Hoffnung auf eine Einigung beflügelten zuletzt die Aktienkurse, weil damit die Gefahr einer Rezession schwindet. Die Notenbank Fed hatte zudem die Leitzinsen gesenkt, um den negativen Folgen des Handelsstreits entgegenzuwirken. Niedrige Zinsen stützen die Aktienmärkte, weil sich Unternehmen damit günstiger finanzieren können. Zudem werden Anleihen als Anlagealternative zu Aktien weniger attraktiv.

          Die Bilanzsaison für das dritte Quartal fiel nicht so schlecht aus wie befürchtet, aber der S&P 500 ist nach Kursgewinnen von rund 24 Prozent in diesem Jahr auch überdurchschnittlich hoch bewertet. Auf Basis der für das kommende Jahr erwarteten Gewinne kommt der Index nach Angaben des Informationsdienstes Factset auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwas mehr als 17 – gegenüber einem Durchschnitt von knapp 15 in den vergangenen zehn Jahren.

          Angesichts der im Aktienkurs abgebildeten Gewinnerwartungen steigt die Rückschlagsgefahr, falls Unternehmen in sie gesetzte Erwartungen enttäuschen. Das wurde in der vergangen Woche am Beispiel einiger Einzelhandelsaktien deutlich, die ihre Gewinnziele reduziert hatten. Für Börsenneulinge, die noch gar keine Gewinne machen, gilt das in besonderem Maße.

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