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Immobilienkonzern : Evergrande-Krise sorgt für deutliche Verluste an der Wall Street

  • Aktualisiert am

Die Krise um den chinesischen Immobilienriesen Evergrande hat die Kurse an der Wall Street absacken lassen. Bild: Reuters

Angesichts der drohenden Verwerfungen in der chinesischen Immobilienbranche sackten die Kurse in New York vorübergehen auf den tiefsten Kurs seit Juni.

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          Die Schieflage des chinesischen Immobilien-Entwicklers Evergrande und Sorgen um die weitere Entwicklung der Konjunktur haben die US-Börsen zum Wochenauftakt deutlich belastet. Der Leitindex Dow Jones verlor 1,8 Prozent auf 33.970 Punkte. Die technologielastige Nasdaq gab 2,2 Prozent auf 14.713 Stellen nach, der breit gefasste S&P 500 1,7 Prozent auf 4357 Zähler. Mit Spannung warten Investoren auf die Sitzung der US-Notenbank Fed am Mittwoch, von der sie ein Signal für ein Zurückfahren der milliardenschweren Anleihekäufe erwarten.

          Die Furcht vor einem nachlassenden Tempo bei der Erholung der Wirtschaft setzte vor allem Bankaktien zu. Der entsprechende Branchenindex gab zwischenzeitlich rund vier Prozent nach. Dazu trug auch die Schieflage des hoch verschuldeten China Evergrande bei, die die Nachfrage nach US-Staatsanleihen anheizte und im Gegenzug die Renditen drückte. Papiere der US-Banken Morgan Stanley, JPMorgan und Bank of America gaben je rund drei Prozent nach. „Der potentielle Zahlungsausfall des chinesischen Bauträgers könnte weitreichende und unerwartete Folgen haben“, sagte Danni Hewson, Finanzanalyst bei AJ Bell. „Das ist der X-Faktor, der das Potential hat, das die Wellen eines Zusammenbruchs auf andere Sektoren überschwappen könnten.“

          Steuer-Diskussionen drücken Kauflaune

          Der S&P 500 steuert auf ein Ende seiner seit sieben Monaten anhaltenden Gewinnstrecke zu. Von dem Anfang September erreichten Rekordhoch ist er nun deutlich entfernt. Der Grund für den Ausverkauf liege aber nicht in erster Linie bei Evergrande, auch wenn die Situation gravierend sei, betonte Jamie Cox, Geschäftsführer bei der Harris Financial Group. „Vielmehr haben die Pattsituation im US-Kongress in Bezug auf die Schuldenobergrenze, die Sorgen um politische Veränderungen oder Fehler in der Geldpolitik und eine ganze Reihe von vorgeschlagenen Steuererhöhungen die Stimmung der Anleger getrübt.“

          Die Probleme würden immer weiter zunehmen, sagte Sam Stovall, Chef-Investmentstratege der Analysegesellschaft CFRA Research. „Die hartnäckig steigende Zahl der Covid-Delta-Fälle, die Bedrohung durch ein Tapering der Fed, die Möglichkeit eines langsamer als erwarteten Wirtschaftswachstums – und nun die Sorge, dass der Ausfall chinesischer Immobilienentwickler einen Kaskadeneffekt im Finanzbereich auslösen könnte.“

          Nervosität steigt

          Auch an den europäischen Handelsplätzen hinterließen die Evergrande-Turbulenzen Spuren. Der EuroStoxx50 ging 2,1 Prozent niedriger bei 4044 Zählern aus dem Handel. Der Dax büßte bei seinem ersten Auftritt mit 40 Werten 2,3 Prozent auf 15.132 Punkte ein. Die Indizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, stiegen in der Spitze um jeweils rund 24 Prozent. Der US-Volatilitätsindex stieg sogar um rund ein Drittel und erreichte damit den höchsten Stand seit mehr als vier Monaten.

          Zu den größten Kursverlierern gehörten an der Wall Street Technologie-Aktien wie Microsoft, die Google-Mutter Alphabet, Amazon, Apple, Facebook und Tesla. Die Anteilsscheine gaben zwischen 1,5 und vier Prozent nach.

          Unter Druck standen auch Autobauer wie GM und Ford, die bis zu 5,4 Prozent verloren. Die US-Verkehrsbehörde untersucht 30 Millionen US-Fahrzeuge wegen potentiell defekter Airbags. Die Untersuchung betrifft fast zwei Dutzend Autobauer, darunter auch BMW, Porsche und Daimler.

          Papiere der US-Airlines United, Delta und American stiegen um bis zu drei Prozent. Hintergrund ist die Ankündigung der Aufhebung von US-Einreiseverboten für geimpfte Fluggäste aus 33 Ländern, darunter Deutschland.

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