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Im Fall von Börsenrückzug : VW hatte offenbar Interesse an Tesla-Einstieg

Teslas Aktienkurs befindet sich nach der Kehrtwende von Elon Musk auf Talfahrt. Bild: EPA

Die Anleger scheinen von Elon Musks Rückzug enttäuscht. Jetzt wird bekannt, dass im Falle eines Börsenabgangs offenbar auch der deutsche Autokonzern bereit gestanden hätte.

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          Nach der Entscheidung des Elektroautoherstellers Tesla, an der Börse verbleiben zu wollen, stand die Aktie des Unternehmens am Montag abermals unter Druck. Im Handelsverlauf fiel der Kurs um fast 3 Prozent auf rund 315 Dollar. Das liegt deutlich unter dem Preis der Aktie, bevor die Episode um einen möglichen Börsenrückzug begann.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Als der Vorstandsvorsitzende Elon Musk die Idee am 7. August mit einem Eintrag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter publik machte, kostete die Tesla-Aktie rund 342 Dollar. Musk brachte damals einen Betrag von 420 Dollar je Aktie für die Transaktion ins Spiel, womit er zunächst einen gewaltigen Kursschub auslöste. Nachdem sich die Zweifel an einer Realisierung des Plans mehrten, verlor die Aktie aber wieder deutlich an Wert.

          Am späten Freitagabend hatte Musk einen abrupten Rückzieher gemacht und angekündigt, Tesla nun doch nicht mehr von der Börse nehmen zu wollen. Er begründete die Entscheidung im Wesentlichen mit Widerstand aus dem Aktionärskreis und gab außerdem zu, dass das Vorhaben zeitaufwendiger und auch eine größere Ablenkung wäre als zunächst gedacht. Er sagte aber, er glaube noch immer, dass „mehr als genug Finanzierungsmittel“ für eine solche Transaktion zur Verfügung stünden.

          Investoren wollten 30 Milliarden Dollar bereitstellen

          Genau daran hatte es erhebliche Zweifel gegeben. Musk hatte bei seiner ursprünglichen Ankündigung gesagt, die Finanzierung eines Börsenrückzugs sei „gesichert“, musste dann aber bald zugeben, keine festen Zusagen gehabt zu haben. Er konnte lediglich auf vielversprechende Gespräche mit dem saudi-arabischen Staatsfonds PIF verweisen.

          Tesla

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          Er arbeitete dann nach eigenen Angaben mit den Banken Goldman Sachs und Morgan Stanley sowie der Beteiligungsgesellschaft Silver Lake zusammen, um Optionen für die Realisierung eines Börsenrückzugs auszuloten. Wie das „Wall Street Journal“ am Montag berichtete, haben diese Banken auch tatsächlich potentielle Investoren aufgetrieben, die zugestimmt hätten, bis zu 30 Milliarden Dollar bereitzustellen.

          Unter diesen möglichen Geldgebern soll auch der deutsche Volkswagen-Konzern gewesen sein. Allerdings sei ein Einstieg rivalisierender Autohersteller nicht im Sinne von Musk gewesen. Zudem hätten die potentiellen Investoren erhebliche Mitspracherechte gefordert. VW wollte den Bericht nicht kommentieren.

          Der Analyst Ben Kallo vom Vermögensverwalter Robert W. Baird erwartet, dass die Tesla-Aktie wegen der Turbulenzen um einen Börsenrückzug kurzfristig unter Druck bleiben wird. Auf mittlere Sicht rechnet er aber mit einem Kursanstieg, wenn sich das Augenmerk der Finanzmärkte wieder stärker auf das eigentliche Geschäft von Tesla richte, das nach seiner Auffassung unterbewertet sein könnte.

          Kallo hat ein Kursziel von 411 Dollar für die Aktie. Nicht jeder ist so optimistisch. Die Analysten der Bank JP Morgan Chase haben ihr Kursziel für Tesla in der vergangenen Woche, als ihnen ein Börsenrückzug immer weniger wahrscheinlich erschien, von 308 auf 195 Dollar nach unten korrigiert.

          Musk verspricht Gewinne

          Auch nach der Entscheidung, nun doch an der Börse zu bleiben, wird der Vorstoß von Musk das Unternehmen wohl noch weiter beschäftigen. Die Börsenaufsicht SEC hat Medienberichten zufolge Untersuchungen eingeleitet, in denen sie die Aussage des Tesla-Chefs zu der angeblich gesicherten Finanzierung überprüft. Daneben haben Investoren Klage gegen Tesla eingereicht.

          Das Unternehmen kämpft zudem auch in seinem Geschäft mit großen Herausforderungen. Es muss die Produktion für sein „Model 3“ hochfahren, das bislang billigste Modell aus dem Portfolio, mit dem sich Tesla als Massenhersteller etablieren will. Dieses Auto soll dem Unternehmen auch zu Gewinnen verhelfen. Tesla war bislang chronisch defizitär und hat noch für das zweite Quartal einen Nettoverlust von 743 Millionen Dollar ausgewiesen. Musk hat aber versprochen, vom laufenden Quartal an werde es Gewinne geben.

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