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Laxer Umgang mit WhatsApp : Deutsche-Bank-Vorstand bietet Bonusteilverzicht an

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing am 27. Januar 2022 auf der Jahresbilanzkonferenz Bild: dpa

Der Vorstand will damit signalisieren, die Verantwortung für eine kulturelle Fehlentwicklung im Konzern zu übernehmen. Ein Eingeständnis soll der Verzicht nicht sein.

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          Die zehn Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank haben angeboten, dass ihr Bonus um 75.000 Euro gekürzt wird. Damit reagieren sie darauf, dass die Bankaufseher den Umgang im Deutsche-Bank-Konzern mit Chats auf Diensthandys in Messenger-Diensten wie WhatsApp kritisiert haben.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, der selbst wegen der Verwendung von WhatsApp in die Schlagzeilen geriet, ist der Verzicht überschaubar: Seine Bezüge stiegen im vergangenen Jahr um 20 Prozent auf 8,8 Millionen Euro. Der gesamte Vorstand verdiente 2021 rund 66,5 Millionen Euro an Grundgehalt und Boni verteilt auf elf Köpfe, weil es im Jahresverlauf einen personellen Wechsel gegeben hatte.

          Wie ein Kenner der Bank gegenüber der F.A.Z. betont, gibt der Vorstand mit dem Angebot eines Gehaltsverzichts auf ab 2023 auszahlungsbereite Boni kein individuelles Fehlverhalten zu. Vielmehr soll der Gehaltsverzicht als ein Signal verstanden werden, dass die Vorstandsmitglieder die Verantwortung für eine „kulturelle Fehlentwicklung“ in der Deutschen Bank und damit einen zu laxen Umgang der Mitarbeiter mit ihren Diensthandys übernehmen. Ein Sprecher der Deutschen Bank lehnte einen Kommentar dazu ab. Als erste hatte die britische Zeitung „Financial Times“ berichtet.

          Amerikas Aufseher werden strenger

          Offenbar ist gerade amerikanischen Bankaufsehern ein Dorn im Auge, dass Chats über WhatsApp nicht wie von ihnen verlangt über Jahre aufbewahrt und gespeichert werden können. Deshalb hatte die Deutsche Bank schon vor einigen Jahren für die Diensthandys ihrer Mitarbeiter einen alternativen Messangerdienst namens Symphony eingeführt. Da vor allem die amerikanischen Aufseher gegenüber allen Großbanken vor kurzem nochmals strenger wurden, wird in der Deutschen Bank gerade auf den Geräten von 1750 Mitarbeitern mit Kundenkontakt in die USA eine neu Messanger-App namens Movius implementiert. Die Deutsche Bank warnte zudem ihre Mitarbeiter, sie dürften auch auf ihren privaten Smartphones Nachrichten mit Geschäftsbezug nicht löschen.

          Die Schwierigkeiten hat die Deutsche Bank nicht allein: Auch andere große Banken wie Goldman Sachs Group und HSBC sind von den amerikanischen Aufsehern wegen der Kommunikation ihrer Mitarbeiter schon verschärft geprüft worden. Die HSBC entließ in London einen Wertpapierhändler, nachdem die Bank nach einer Untersuchung von Handy-Chats problematische Nachrichten entdeckt hatte.

          In der Deutschen Bank fällt allerdings auf, dass selbst Vorstandsmitglieder offensichtlich nicht konsequent ausschließlich die von der Aufsicht akzeptierten Kommunikationskanäle nutzen. So meldete die Agentur Bloomberg, sogar Vorstandschef Christian Sewing selbst habe in der Vergangenheit WhatsApp angeblich zur firmenbezogenen Kommunikation genutzt. Bloomberg berief sich auf Chats Sewings mit dem deutschen Geschäftsmann Daniel Wruck, dessen Rolle in der Tat bei Geschäften mit der Deutschen Bank und ihrer Fondsgesellschaft DWS von deutschen Behörden untersucht wurde. Bei der Kommunikation zwischen Sewing und Wruck über WhatsApp sollen nach Informationen der F.A.Z. allerdings keine geschäftspolitischen Informationen ausgetauscht worden sein.

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