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Vor Ende des Tankrabatts : Einzelne Tankstellen laufen leer

Schnell noch tanken, bevor es noch teurer wird? Bild: dpa

Viele Autofahrer wollen vor dem Ende des Tankrabatts noch mal schnell volltanken. Doch an einzelnen Tankstellen gibt es zeitweise keinen Sprit mehr: in Süddeutschland, an der niederländischen Grenze – und jetzt offenbar auch in Frankfurt.

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          In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag endet in Deutschland der Tankrabatt; die befristet abgesenkte Energiesteuer auf Kraftstoff wird dann wieder angehoben. Allein dadurch wird Diesel rechnerisch um rund 17 Cent je Liter teurer, Super E10 sogar um 35 Cent.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Ölunternehmen hatten gewarnt, es sei nicht auszuschließen, dass jetzt vor der Wiederanhebung der Steuer so viele Autofahrer schnell noch tanken wollten, dass an einzelnen Tankstellen der Sprit ausgehen könnte.

          Jetzt klagen erste Autofahrer über Erfahrungen in diese Richtung. Ein Banker aus Frankfurt berichtet, er habe am Montagabend an zwei Esso-Tankstellen im Frankfurter Westen tanken wollen. An der einen habe es ein Absperrband gegeben, an der anderen habe an den Zapfsäulen für Benzin gestanden, dass es das gerade nicht gebe.

          In Süddeutschland und an der niederländischen Grenze

          In Einzelfällen kommt so etwas je nach Tankstelle auch sonst mal vor. Das ist also nicht völlig außergewöhnlich. Im Moment aber scheint die Lage insgesamt etwas angespannt zu sein.

          Jürgen Ziegner, der Geschäftsführer des Zentralverband des Tankstellengewerbes, sagte, zuletzt seien solche Fälle vereinzelt in Süddeutschland aufgetreten, dort vor allem wegen logistischer Schwierigkeiten. Zudem habe es an der niederländischen Grenze leer gelaufene Tankstellen gegeben, weil Autofahrer aus den Niederlanden über die Grenze kämen, um vor dem Ende des Tankrabatts in Deutschland hier noch mal zu tanken.

          Eine Sprecherin der  deutschen EG Group, die etwa 960 Esso-Stationen in Deutschland betreibt, sagte: „Wie sehen einen Nachfrageanstieg um 30 Prozent in einer Situation der Versorgungsknappheit –  wir bemühen uns, dafür Sorge zu tragen, dass ausreichend Kraftstoffe an allen von uns betriebenen Esso-Stationen verfügbar sind.“ Dennoch komme es vor, dass einzelne Stationen „trockenfallen“: „Wir bedauern dies sehr.“ Grund für die Versorgungsknappheit und die angespannte Marktsituation seien insbesondere das Rheinniedrigwasser sowie die erhöhte Kraftstoff-Nachfrage vor dem Auslaufen des Tankrabatts: „Gleichzeitig haben unsere Logistikpartner mit coronabedingten Krankheitsausfällen und Personalknappheit zu kämpfen.“ Man tue jedoch alles, um die Versorgung der Stationen aufrechtzuerhalten. Ähnlich äußerte sich der Ölverband Fuels und Energie. 

          Logistische Herausforderung

          Der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Adrian Willig, hatte zuletzt auf einer Pressekonferenz von einer „logistischen Herausforderung“ gesprochen. Er wollte nicht ausschließen, dass „in Einzelfällen“ auch Tankstellen leerlaufen könnten. Es gebe gerade verschiedene Herausforderungen für die Versorgungssicherheit, führte Willig aus. So habe das Niedrigwasser des Rheins die Transportkosten vervielfacht, zugleich gebe es Engpässe auf der Schiene und auch bei Tanklasterfahrern. Raffinerien hätten geplante und ungeplante Stillstände. Außerdem mache sich beim Diesel bemerkbar, dass Unternehmen Heizöl kauften, um Erdgas zu ersetzen; Heizöl und Diesel aber hingen in der Produktion eng zusammen. Und zu all dem komme jetzt die zu erwartende höhere Nachfrage wegen des Tankrabatt-Endes hinzu.

          Spritpreise steigen weiter

          Im Bundesdurchschnitt sind die Kraftstoffpreise weiter gestiegen. Am Montag kostete ein Liter Diesel im Tagesdurchschnitt 2,077 Euro je Liter und Super E10 1,78 Euro je Liter. Beides waren zumindest für den August neue Höchststände. Es ist strittig, ob das schon eine vorweggenommene Preiserhöhung wegen des Endes des Tankrabatts ist. Der ADAC meint das. Der Mineralölwirtschaftsverband sagt, das habe andere Gründe, der Preisanstieg wegen des Endes des Tankrabatts komme erst noch.

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