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Vor der EZB-Sitzung : Kurzzeitige Ausschläge der Inflation

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat jetzt einen neuen Kommunikationschef. Christine Graeff, die frühere Sprecherin vom Mario Draghi, ist nicht mehr dabei. Bild: AFP

Am Donnerstag ist Zinssitzung bei der EZB. Neue Krisen-Milliarden sind nicht zu erwarten – aber Hinweise auf den digitalen Euro. Außerdem dürfte die Notenbank die Menschen auf eine vorübergehend etwas steigende Inflation vorbereiten.

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          Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte auf ihrer Zinssitzung an diesem Donnerstag noch keine weiteren größeren geldpolitische Schritte beschließen. Allerdings könnte sie nach Einschätzung von Beobachtern die Menschen darauf vorbereiten, dass es jetzt im neuen Jahr vorübergehend etwas höhere Inflationsraten geben könnte. Zudem halten Beobachter es für möglich, dass EZB-Präsidentin Christin Lagarde sich zu den Tests des digitalen Euro äußern wird.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Lagarde dürfte Fragen nach der Möglichkeit steigender Inflationsraten ähnlich beantworten, wie es Isabel Schnabel dieser Tage in einem Interview getan hat“, sagte Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin. Sie werde darauf hinweisen, dass ein vorübergehenden Inflationsanstieg in diesem Jahr noch keinen inflationären Prozess darstelle, auf den Europas Geldpolitik unverzüglich reagieren müsse.

          Neukalibrierung der Kommunikation

          Nachdem die EZB im Dezember ihre geldpolitische Haltung „neu kalibriert“ habe, sei sie nun dabei, ihre Kommunikation „neu zu kalibrieren“, schreibt Frederik Ducrozet von der Bank Pictet in einer noch unveröffentlichten Studie. Erstmals wird der neue Kommunikationschef der Notenbank,Wolfgang Proissl, als Nachfolger für Christine Graeff am Donnerstag an der Zins-Pressekonferenz teilnehmen.

          In den kommenden Monaten dürften die Inflationsrate und die Rate der Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel in der Eurozone stark schwanken, schreibt Ökonom Ducrozet. Am 3. Februar würden die nächsten Schätzungen vorgestellt. Die Kerninflation dürfte aufgrund einer Kombination vorübergehender Faktoren spürbar ansteigen, wie der Wiederanhebung der deutschen Mehrwertsteuer, einer Änderung von Gewichten im Harmonisierten Verbraucherpreisindex und einer weiteren Verzögerung der Winterschlussverkäufe in einigen Ländern. „Der EZB-Stab dürfte die Bedeutung kurzfristiger Spitzen der relativen Preise für die Geldpolitik daher weiter herunterspielen“, meint Ducrozet.

          „PEPP ist bestens munitioniert“

          Friedrich Heinemann vom Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW sagte, auch er erwarte jetzt noch keine weiteren Schritte. „Das Krisenprogramm PEPP ist bestens munitioniert, der Wirtschaftsausblick hat sich nicht wesentlich verdüstert.“ Auch der Anstieg der Risikoprämien für italienische Staatsanleihen angesichts der momentanen Zerfallserscheinungen der italienischen Regierung sei bislang nur minimal: „Hier besteht für die EZB kein Grund zur Ausweitung der Anleihekäufe über das gegenwärtige Tempo hinaus.“

          In den kommenden Monaten dürften sich die Währungshüter intensiv mit der Überarbeitung der geldpolitischen Strategie auseinandersetzen, sagte Jan Holthusen von der DZ Bank. „Wir rechnen hierbei mit einer Flexibilisierung des Inflationsziels – das alles ist aber kein Thema für diese Woche.“ Auch Michael Schubert von der Commerzbank erwartet für Donnerstag vor allem „rückblickendes Schulterklopfen“ der EZB mit Blick auf die Aufstockung des Krisenprogramms PEPP im Dezember.

          Ein anderes Thema könnten die Pläne für einen „digitalen Euro“ sein. So habe das öffentliche Konsultationsverfahren zu diesem Thema am 12. Januar geendet. „Auf einer Panel-Diskussion im November hat Lagarde angekündigt, dass im Januar aufbauend auf den Ergebnissen der Konsultation eine Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen werde“, sagte Schubert. „Allerdings ist nicht ganz klar, was dabei jetzt bereits entschieden werden soll.“ Schließlich kündige die EZB auf ihrer Internetseite an, erst Mitte 2021 zu entscheiden, ob sie das E-Euro-Projekt starte.

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