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„Freiwilliger Abschied“ : Vorsicht vor der Abfindung!

Eine Abfindung kommt als Geschenk daher, die Peitsche dahinter ist oft nicht leicht zu sehen. Bild: Thomas Fuchs

Eine Abfindung zum Abschied ist kein Trost – auch wenn diese im ersten Moment üppig erscheint. Unser Finanzexperte mahnt: Sie ist eine Beruhigungspille auf der Fahrt in die finanzielle Hölle.

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          Trude Hesterberg und andere Künstlerinnen singen, dass es sich nicht lohnt, beim Auseinandergehen zu weinen, weil an der nächsten Ecke schon ein anderer Partner steht. Das sehe ich als Mann, soviel Gleichberechtigung muss erlaubt sein, keinen Deut anders. Was für die erloschene Liebe gilt, sollte aber nicht auf die Wirtschaft übertragen werden. Hier wird es finster, wenn die Kündigung ins Haus flattert, und wer älter als 55 Jahre ist, kann sich auch in Berlin recken und strecken, wie er will. Er gehört in beruflicher Hinsicht zum alten Eisen, und er wird, wenn kein Wunder geschieht, keine Anstellung mehr finden. Da sind auch Abfindungen kein Trost. Sie sind eher eine Beruhigungspille auf der Fahrt in die finanzielle Hölle. Wenn Sie das nicht glauben, können Sie sich ja mal die folgenden Zahlen ansehen.

          Volker Looman
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Ein geschiedener Ingenieur ist 56 Jahre jung und seit 15 Jahren in der schwäbischen Autoindustrie tätig. Er verdient 10.000 Euro im Monat, was nicht ganz schlecht ist, wie es im Südwesten dieser Republik heißt, doch nun hat sich das Gewitter entladen, das seit Monaten über der Firma hing. Der Vorstand des Unternehmens hat beschlossen, die Belegschaft um 10 Prozent abzubauen, und der Sozialplan nebst den Abfindungen liegt auf dem Tisch. Die Rechnung des Arbeitgebers ist einfach. Er multipliziert – in Anlehnung an Paragraph 1a des Kündigungsschutzgesetzes – den halben Bruttolohn des Ingenieurs mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit, so dass eine Abfindung von brutto 75.000 Euro herauskommt.

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