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Vermögensberater Volker Looman : „Die meisten wissen gar nicht, dass sie Millionäre sind“

Inken Schönauer (F.A.Z.) und Volker Looman beim Wirtschafts-Panel „Harte Zeiten für ihr Geld - Finanzanalyse in Zeiten des Nullzins“ beim Kongress „Zwischen den Zeilen“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Frankfurter Kap Europa am 26.09.2019. Bild: Frank Röth

Eigentlich berät Volker Looman wohlhabende Menschen im Umgang mit ihrem Vermögen. Häufig genug sei er aber auch Paarberater und Seelsorger, sagt er auf dem F.A.Z.-Kongress.

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          Immer montags freut sich die ganze Wirtschaftsredaktion der F.A.Z. darauf, was sich Volker Looman diesmal wieder ausgedacht hat für seine Kolumne. Es geht darin meistens um kleine Millionäre und große Streitereien zwischen Ehepartnern und mancher in der Redaktion fragt sich angesichts der Summen, ob er wirklich den richtigen Job ausgewählt hat.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch nicht nur die Redaktion hat Freude an den Looman-Texten. Das zeigen die Klickzahlen auf der Webseite. Das zeigt auch die Resonanz auf dem F.A.Z.-Kongress in Frankfurt am Donnerstag. Der Saal ist gut gefüllt, die Leute sind sichtlich unterhalten, wenn er von seiner Arbeit berichtet. Interviewt wird er von der Leiterin des F.A.Z.-Finanzressorts Inken Schönauer.

          Looman erzählt von einem Arzt, einem Zahnarzt, wie so häufig in seinen Kolumnen. „Ich weiß nicht, wie viel ich habe“, habe dieser ihm am Anfang gestanden. Daraufhin hätten sie in 15 Minuten eine Vermögensbilanz erstellt. Er zählt die wichtigsten Posten auf: Bargeld, Aktien, Anleihen, Immobilien, Altersvorsorge. Looman rechnet laut vor, zinst die Altersvorsorge ab, am Ende kommt er auf 3,5 Millionen Euro. 90 Prozent der Deutschen hätten keinen Überblick über ihren Wohlstand. „Die meisten wissen gar nicht, dass sie Millionäre sind“, schlussfolgert er.

          Lauscht man Looman, liest man seine Texte, ist man sich nie ganz sicher, wie konstruiert seine Beispiele sind. Allzu ähnlich sind sie, allzu stereotyp ist der Zahnarzt, der Millionär ist, ohne es zu wissen. Doch Looman beteuert, es gebe all diese Fälle wirklich. Er verfremde sie nur ein wenig: „Ich ändere den Beruf und mache aus einem Münchner einen Ostfriesen“, sagt er.

          Gibt es ein Recht auf Zinsen?

          Eigentlich haben Finanzthemen den Ruf, eher trocken zu sein. Doch Looman schafft es, sie nahbar und unterhaltsam zu machen. Doch manchmal wird es auch ernst. Zum Beispiel als er gleich zu Anfang erzählt, was ihn getrieben habe, Vermögensberater zu werden. Seine Mutter habe immer gejammert, weil die einst wohlhabende Familie ihren Wohlstand verloren hätten. „Als ich ein Jahr alt war, sind wir aus Dresden geflohen“, sagt er. „Wir wurden dort enteignet“. Das sei ein Trauma seiner Familie gewesen, doch dennoch sei Geld ein Tabuthema geblieben. Davon halte er wenig, man solle über Geld reden.

          Ernster ist es auch, wenn er dem Publikum rät, die Niedrigzinsen zu akzeptieren. „Wo steht denn geschrieben, dass wir ein Recht auf Zinsen haben?“, fragt er rhetorisch in den Raum. Oder wenn er über große Vermögensberatungen wie MLP oder die Deutsche Vermögensberatung und deren Geschäftsmodell spricht: „Ich bin bei Beratungen auf Provisionsbasis skeptisch.“ Er arbeite deshalb nur auf Honorarbasis. Sonst seien der Berater und der Kunde nicht im gleichen Lager. Auch von anderen Vermögensberatern hält er wenig: „Meine besten Kundenlieferanten sind die Berater der Deutschen Bank“, scherzt er in Richtung Christan Sewing, der einige Minuten vor ihm auf dem F.A.Z.-Kongress gesprochen hatte.

          Und die Berater der Sparkassen legten den Fokus falsch, vor allem bei Berufseinsteigern: „Es geht nicht um die Rente“, schimpft er. Entscheidend sei, Vermögen aufzubauen. Kredite für Investments lehnt er ab. Auch die Zinsen seien nicht wichtig. „Die Sparrate zählt“, sagt. Berufseinsteiger sollten fünf bis sechs Jahre sparen, bis sie genug Geld hätten, beispielsweise für ein Eigenheim. „Sie dürfen das Geld halt nicht für Partys verjuxen“, rät er. „Bis Mitte, Ende 40 muss das Eigenheim aber schuldenfrei sein“. Denn eigentlich sei auch das nur Wohnen auf Zeit. „Mit Mitte 60 trennen sich die meisten dann doch wieder vom Eigenheim“, weil die Kinder aus dem Haus seien und sie denen hinterherzögen. Häuser seien also ein Gebrauchsgegenstand.

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