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Virus-Pandemie : Asiens Notenbanken stützen die Aktienmärkte

Tokios Börse Bild: dpa

Die Zentralbanken in Japan und Australien pumpen Liquidität in die Märkte. Den Aktienkursen in Asien hilft das – zumindest mal mehr, mal weniger.

          3 Min.

          Nach der amerikanischen Federal Reserve haben am Freitag auch asiatische Zentralbanken Liquidität in die Märkte gegeben, um die Unruhe zu dämpfen. Aktienkurse schwankten stark, nachdem am Vortag die Wall Street mit einem Minus des Dow Jones um 10 Prozent den dunkelsten Tag nach dem schwarzen Montag 1987 erlebt hatte. Doch die Geldgaben der Zentralbanken zeigten Wirkung und der Kursrutsch schwächte sich ab.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          In Tokio ging der Nikkei-225-Index mit minus 6 Prozent aus dem Handel, nachdem er zeitweise 10 Prozent verloren hatte. Die Bank von Japan hatte zuvor in zwei außerordentlichen Marktoperationen angekündigt, japanische Staatsanleihen zu kaufen und so den Banken 1,7 Billionen Yen (14,4 Milliarden Euro) Liquidität zuzuführen.

          In Australien schloss der ASX-200-Index 4,4 Prozent höher, nachdem er zuvor um 8 Prozent gesunken war. Auch hier trug die Zentralbank zum Umschwung bei, indem sie 8,8 Milliarden australische Dollar (4,9 Milliarden Euro) in das Finanzsystem pumpte. In Südkorea verlor der Kospi-Index zweitweise 8 Prozent und löste so eine kurze Handelspause aus. Letztlich schloss der Aktienmarkt 3,4 Prozent im Minus.

          Gemeinsam Maßnahmen ergreifen

          In Seoul trafen sich Vertreter des Finanzministeriums mit der Zentralbank und signalisierten eine enge Zusammenarbeit. Konkrete Beschlüsse wurden aber nicht bekannt gegeben. Eine angedeutete Notsitzung des geldpolitischen Ausschusses der Bank von Korea fand nicht statt. Die Finanzdienstleistungsaufsicht verkündete am Nachmittag, dass von Montag an für vorerst sechs Monate spekulative Leerverkäufe (short selling) für alle gehandelten Aktien verboten würden.

          Die wirtschafts- und finanzpolitischen Akteure in Japan, das Finanzministerium, die Bank von Japan und die Finanzdienstleistungsaufsicht, kamen zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Der Vize-Finanzminister für internationale Angelegenheiten, Yoshiki Takeuchi, erklärte danach, die Regierung und die Zentralbank beobachteten die Märkte und die wirtschaftlichen Trends sehr genau. Wenn notwendig werde man gemeinsam Maßnahmen ergreifen.

          Für zwei Wochen Geld leihen

          Der japanische Yen wurde wenig verändert um 105 Yen je Dollar gehandelt. Finanzminister Taro Aso erklärte vor Journalisten, trotz der starken Schwankungen am Aktienmarkt gebe es keine Notwendigkeit, sich über den Wechselkurs zu sorgen. Die Lage sei völlig anders als während der globalen Finanzkrise nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers vor einem Jahrzehnt. Die Märkte bräuchten ein wenig Zeit, um nach Lockerungsschritten der Zentralbanken ihre Ruhe wiederzufinden.

          Die Bank von Japan kündigte mit regulären und außerordentlichen Marktoperationen an, insgesamt 2,2 Billionen Yen (18,6 Milliarden Euro) an Liquidität in das Finanzsystem zu geben. Dazu gehören Ankäufe japanischer Staatsanleihen für 700 Milliarden Yen. Zudem will die Zentralbank den Geschäftsbanken für zwei Wochen 1,5 Billionen Yen (12,7 Milliarden Euro) Geld leihen. Die Zentralbank sicherte in einer Erklärung zu, reichlich Liquidität bereitstellen zu wollen. Die Bank von Japan schon in der kommenden Woche regulär über die Geldpolitik. Erwartet wird, dass sie die Verkäufe von handelbaren Fondsanteilen (ETF) ausweiten wird.

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