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Zahlen fürs Ersparte : Vierte Bank verlangt Negativzinsen vom ersten Euro an

Was bleibt vom Ersparten übrig? Immer mehr Banken verlangen Negativzinsen. Bild: dpa

Viele Banken verlangen mittlerweile ein sogenanntes Verwahrentgelt, wenn Kunden große Einlagen bei ihnen parken. Es gibt aber auch schon einige Institute mit Negativzinsen ohne Freibetrag.

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          Das Internetportal Verivox berichtet, ihm sei im Internet eine weitere Bank aufgefallen, die vom ersten Euro an Negativzinsen von Privatkunden erhebe: Es handele sich um die Bank „Raiffeisen – meine Bank“ aus Hilpoltstein in Bayern. Laut Preisaushang verlange die Bank sogar von einem Betrag von 0,01 Euro an ein Verwahrentgelt von 0,5 Prozent. Nach der Verivox-Statistik handelt es sich um eine von vier Banken, die Negativzinsen von Privatkunden verlangten, ohne ihnen einen Freibetrag einzuräumen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Insgesamt zähle Verivox mittlerweile 131 Banken und Sparkassen mit Negativzinsen für Privatkunden im Preisaushang. Davon gewährten insgesamt 30 Institute deutlich weniger als 100.000 Euro Freibetrag, vier verlangten, wie erwähnt, sogar vom ersten Euro an Negativzinsen. Drei andere Banken gingen sogar noch über den Zinssatz hinaus, den die Europäischen Zentralbank (EZB) von Banken für deren Einlagen verlange. Dieser Zinssatz liegt mittlerweile bei 0,5 Prozent. Die genannten drei Banken verlangten von ihren Kunden aber sogar 0,6 Prozent.  

          Freibeträge werden kleiner

          Verivox berichtet von 13 Banken, die mittlerweile eine Kontoführungsgebühr für das sonst üblicherweise unentgeltliche Tagesgeldkonto verlangten. „Dadurch entstehen faktisch Negativzinsen, auch wenn sie nicht als solche ausgewiesen werden“, sagte ein Verivox-Sprecher. Zehn Banken hätten zwischenzeitlich Negativzinsen in ihrem Preisaushang ausgewiesen gehabt, diese aber wohl wieder zurückgezogen. 23 Banken erheben Presseberichten zufolge Negativzinsen, veröffentlichen aber entweder keinen Preisaushang im Internet oder weisen dort keine Negativzinsen aus.

          Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH, sagte: „Immer mehr Banken berechnen ihren Privatkunden Negativzinsen. Dieser Trend ist ungebrochen. Immer häufiger sind auch Sparer mit durchschnittlichen Guthaben von Negativzinsen betroffen. Aktuell weisen 131 Banken und Sparkassen Negativzinsen für Privatkunden in ihren Preisverzeichnissen aus. Schon fast jede vierte davon (23 Prozent) räumt Sparern deutlich weniger als 100.000 Euro Freibetrag ein. Bei vier Banken zahlen Kunden ab dem ersten Euro Negativzinsen.“

          Seit Jahresanfang 100 weitere Banken

          Andere Statistiken kommen sogar auf noch höhere Zahlen von Banken mit Negativzinsen. Wie das Internetportal Biallo berichtet, finden sich in dessen Statistik bis Ende August mittlerweile sogar 260 Banken mit Negativzinsen, davon 165 im Privatkundenbereich. Seit Jahresanfang seien etwa 100 dazugekommen. Im Juli 2019 seien es 30 gewesen. Biallo deckt mit seiner Datenbank einen relativ großen Teil des deutschen Bankensektors ab, zu dem mehr als 1700 Banken gehören. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kritisierte in einem Interview unlängst diese unsichere Datenlage und die sich widersprechenden Zahlen und schlug ein offizielles, einsehbares Register vor.

          EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel sagte jüngst in einer Rede, auf Einlagen von Unternehmen würden tatsächlich in größerem Umfang Negativzinsen gezahlt, bei Privatkunden sei dieser Anteil europaweit betrachtet aber „sehr gering“. Die Bundesbank hatte sich das letzte Mal in einem Monatsbericht Ende vergangenen Jahres mit dem Thema befasst. Sie berichtete damals, für ihre Zinsstatistik hätten immerhin 23 Prozent der Banken und Sparkassen in Deutschland einen „negativen volumengewichteten Durchschnittszinssatz“ für Einlagen privater Haushalte gemeldet. Das entspreche einem Anteil von 25 Prozent am Gesamtvolumen der Sichteinlagen privater Haushalte. Eingeschlossen bei dieser Zahl waren allerdings auch „private Organisationen ohne Erwerbszweck“.

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