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Video : Albaner fordern Nato-Einsatz

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Sturm auf das Parlament Bild:

Vertreter der Albaner-Rebellen drohen, in die Hauptstadt Skopje einzumarschieren

          Nach den gewaltsamen Massenprotesten slawischer Mazedonier in Skopje haben die Albaner am Dienstag eine rasche Nato-Intervention in Mazedonien verlangt. Führer der größten albanischen Parteien in Mazedonien betonten, nur ein „schnellstmögliches“ Eingreifen der Nato könne einen Bürgerkrieg noch verhindern. Zugleich drohten Vertreter der albanischen Nationalen Befreiungsarmee (UCK) mit einem „Einmarsch“ in der Hauptstadt Skopje, sollte die mazedonische Regierung weiterhin einen Dialog mit den Albanern ablehnen.

          Mazedonien stehe an der Schwelle eines Bürgerkrieges, und nur eine Nato-Intervention könne dies stoppen, sagte Iljaz Halimi, der stellvertretender Vorsitzender der Demokratischen Albanerpartei (DPA). Zahir Bekteshi von der Partei des demokratischen Fortschritts (PPD) sagte, durch den Angriff auf das Parlament seien die staatlichen Institutionen Mazedoniens „gelähmt“ und deswegen sei eine „umgehende“ internationale Intervention notwendig.

          Rebellenführer Drin Korabi von der UCK sagte, die Demonstrationen in Skopje zeigten, dass die Regierung einen „Bürgerkrieg mit den Albanern“ wolle. Sollte es keinen Dialog der Regierung mit den Rebellen geben, würden die UCK-Truppen nicht nur in Skopje, sondern auch in Kumanovo und anderen Städte einmarschieren. Nach Angaben eines anderen Rebellenführers sollen zwei UCK-Bataillone schon in Skopje auf Befehle warten.

          „Es gibt keine militärische Option“

          Der neue EU-Sonderbeauftragte für Mazedonien, Francois Leotard, wird nach den Worten der amtierenden EU- Ratsvorsitzenden Anna Lindh schon „sehr bald“ nach Skopje reisen. Die schwedische Außenministerin versicherte weiter, die EU werde in Mazedonien präsent bleiben. Die jüngsten Ereignisse in Skopje zeigten, wie ernst die Lage sei. „Das ist nicht nur ein mazedonischer Konflikt, er hat auch größte internationale Bedeutung“, sagte Lindh in Luxemburg. Es gebe keinen anderen Weg als einen Gewaltverzicht und den Dialog zwischen den Volksgruppen, so Lindh. Die EU unterstütze Präsident Boris Trajkovski und die Regierung in Skopje.

          Robertson: Sieg der Vernunft

          Etwa 80 amerikanische Soldaten der Koswovo-Friedenstruppe Kfor begleiteten am Dienstag in 13 Bussen etwa 350 bis 450 albanische Rebellen, die aus der Ortschaft Aracinovo gebracht werden sollten. Die Rebellen hätten während des Abtransports ihre Waffen an die Kfor übergeben und sollten sie später in der Rebellenhochburg Lipkovo nahe Kumanovo zurückbekommen. Die Nato begrüßte den Abzug der albanischen Rebellen aus Aracinovo als „ermutigenden Schritt“ für eine Lösung des Konflikts. Generalsekretär George Robertson erklärte in Brüssel, der Rückzug sei ein „Sieg der Vernunft“. Jetzt müsse die Möglichkeit für eine politische Lösung des Konflikts genutzt werden.

          Die Nato hatte in der vergangenen Woche einen Grundsatzbeschluss zur Entsendung von mehreren tausend Soldaten zur Entwaffnung der Rebellen gefasst; ein endgültiger Einsatzbeschluss steht aber noch aus.

          60.000 Flüchtlinge

          Am Vorabend hatten rund 15.000 Zivilisten und Polizisten vor dem Parlament in Skopje gegen den von der Nato ausgehandelten Abzug der Albaner-Rebellen aus deren Hochburg Aracinovo protestiert und den Rücktritt Trajkovskis gefordert. Einige stürmten das Parlament und schossen aus Sturmgewehren in die Luft. „Gebt uns Waffen!“ riefen einige Demonstranten. Die Menschen warfen Steine und riefen: „Albaner in die Gaskammer!", „Verräter“ und „Gebt uns Waffen". Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erklärte, die Spannungen zwischen den Volksgruppen nähmen dramatisch zu. Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) haben seit Mai rund 60.000 Menschen Mazedonien in Richtung Kosovo verlassen. Weitere 6000 Menschen seien in das südliche Serbien geflüchtet.

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