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Geheimnisvolle Analysten : Wer steckt hinter Viceroy, dem Börsenschreck?

Börse in Johannesburg Bild: dpa

Das unbekannte Unternehmen Viceroy sorgt mit seinen Analysen für Kursstürze in Johannesburg. Die Spur der geheimnisvollen Analysten führt nach London.

          Ein Wort reicht, um an der Börse von Johannesburg (JSE) neuerdings Schrecken zu verbreiten: Viceroy. Kaum macht ein Gerücht die Runde, das Analysehaus bereite einen Bericht über ein Unternehmen vor, schon stürzt dessen Aktienkurs in die Tiefe. So erging es unlängst dem Pharmakonzern Aspen, dessen Kurs plötzlich um mehr als 10 Prozent verlor – ohne ersichtlichen Grund. „Wir sind uns keiner kursrelevanten Informationen bewusst, die an Aktionäre weitergegeben werden müssten“, teilte ein ratloser Vorstandschef mit und verlangte eine Untersuchung möglicher Marktmanipulationen durch die Börse. Kurze Zeit später fielen mehrere Immobilien-Aktien dem mysteriösen Viceroy-Fluch zum Opfer. Händler witzeln, wenn es so weitergehe, müsse „to viceroy“ bald als fester Begriff ins Börsenlexikon aufgenommen werden.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Seinen Anfang nahm die Viceroy-Saga mit dem spektakulären Kurssturz des Möbelkonzerns Steinhoff Ende vergangenen Jahres. Analysten und Journalisten grübelten damals noch über die Hintergründe und ärgerten sich über das Informationsgebaren des Managements. Da tauchte eine umfangreiche Studie des bis dahin weitgehend unbekannten Analysehauses auf mit dem Titel „Steinhoff’s Skeletons“ (Die Leichen im Keller von Steinhoff). Sie war gespickt mit erstaunlich detaillierten Angaben über heimliche Geldverschiebungen und versteckte Tochtergesellschaften, die dazu dienten, die Geschäftszahlen in ein besseres Licht zu setzen. Rückblickend glauben heute viele, dass die Studie den Wertverlust des Konzerns von 90 Prozent noch beschleunigt hatte. Vermutungen zufolge setzten Viceroy und seine Kunden gezielt auf Kursverluste und verdienten mit Leerverkäufen an der Börse ihr Geld. Doch niemand wusste, wer oder was Viceroy genau ist – bis zu dieser Woche.

          Schweigen aus London

          Das südafrikanische Online-Medium Moneyweb und das Finanzblatt „Australian Financial Review“ trumpften am Donnerstag mit der kleinen Sensation auf: Keine erfahrenen Banker im New Yorker Finanzdistrikt zeichneten für die Studie verantwortlich, wie zu erwarten gewesen wäre. Hinter Viceroy stecke hingegen „ein früherer Sozialarbeiter aus Großbritannien und zwei Jungs aus Australien“. Geführt werde das Unternehmen von dem 44 Jahre alten Briten John Fraser Perring, einem Mann mit Brille und leicht ergrautem Vollbart. Zum Finanzmarkt gelangte er, als seine Karriere als Sozialarbeiter ein eher unrühmliches Ende nahm. Seine Kompagnons Gabriel Bernarde und Aidan Lau sind 23 Jahre alt, arbeiten von Melbourne aus und kennen sich aus der Highschool. Das Trio aufzuspüren war nicht einfach. Ein Reporterteam analysierte zunächst die Metadaten von PDF-Berichten auf der Viceroy-Internetseite und fand darin versteckt den Namen „Bernarde“. Recherchen in den sozialen Medien und zahlreiche weitere Hinweise lieferten ein Puzzle-Teil nach dem anderen.

          Am Ende fügten sie sich zu einem in London ansässigen Unternehmen namens Ganadabi Limited zusammen, mit Perring, Bernarde und Lau als Direktoren. Mit etwas Phantasie lässt sich der Firmenname aus Teilen ihrer Namen konstruieren. Viceroy war also nur eine Maske, und sie ist jetzt gefallen. Glücklich sind die drei nicht darüber. Ein Mitteilungsbedürfnis verspüren sie auch nicht. So bleiben die großen Fragen – wie sind sie an die Steinhoff-Informationen gelangt, handelt es sich um eigene Recherchen und woran arbeiten sie derzeit? – ungeklärt. Nicht nur an der Johannesburger Börse sieht man nun weiterhin zitternd dem Tag entgegen, an dem Viceroy, der Börsenschreck, wieder zuschlägt und einige Kurse zumindest kurzfristig in die Tiefe reißt.

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