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Versicherungen : Spekulieren auf Restposten der Versicherer

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Ein Angebot der Allianz SE an die restlichen Aktionäre der Töchter AGF und Allianz Leben hat generelle Spekulationen auf Börsen-Restposten der Versicherer ausgelöst. Ein allgemeiner Trend, Restaktien aufzukaufen, ist angeblich aber nicht zu erkennen.

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          Das Kaufangebot der Allianz an die Minderheitsaktionäre der Allianz Leben hat die Spekulation für andere Börsen-Restposten der Versicherer belebt. Parallel zur Aktie der Allianz Leben ist auch der Kurs der Ergo-Versicherung um 15 Prozent gesprungen. Börsennotierungen, wenn auch mit zum Teil winzigem Streubesitz, haben außerdem die Mannheimer, Axa Konzern AG, DBV, AMB und der Industrieversicherer Gerling, der derzeit im Reich der Talanx aufgeht.

          In der Ergo sind die Erstversicherer der Münchener Rück zusammengefasst. Anleger, die auf diesen Wert setzten, bewegen sich in einem sehr engen Markt. Denn der nach der Swiss Re weltweit zweitgrößte Rückversicherer hält 94,69 Prozent der Anteile, weitere 5 Prozent gehören der Hypo-Vereinsbank. Bei einer möglichen Komplettübernahme geht es also - abgesehen von der Position der HVB - um 0,31 Prozent der Anteile. Von einem Anteil von 95 Prozent an kann der Mehrheitsaktionär nach deutschem Recht die anderen Eigentümer abfinden. „Derzeit gibt es keinen Handlungszwang für den Erwerb weiterer Ergo-Aktien und für die Überschreitung der Grenze von 95 Prozent“, sagte eine Sprecherin der Münchener Rück der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          „Angebot erzeugt keinen Trend“

          Auslöser für die Spekulation war in der vergangenen Woche das Angebot der Allianz SE an die restlichen Aktionäre der Tochtergesellschaften AGF und Allianz Leben. In beiden Fällen ist der Allianz-Konzern schon Mehrheitseigentümer. An der Allianz Leben hält sie 91 Prozent und bietet den restlichen Aktionären 750 Euro je Aktie. Der Kurs sprang nach der Veröffentlichung des Angebots zeitweise auf 800 Euro und liegt derzeit bei rund 780 Euro. Einige der 10.500 Aktionäre spekulieren darauf, dass die Allianz nachbessert, obwohl der Vorstand beteuert, dass es kein höheres Angebot geben wird.

          Die zweitgrößte Position bei der Allianz Leben hält die Fondsgesellschaft Cominvest mit einem halben Prozent. Ein weiteres halbes Prozent liegt laut Thomson Financial bei acht weiteren Kapitalanlagegesellschaften. „Durch das Angebot der Allianz entsteht kein Trend, die Restaktien der Versicherer aufzukaufen“, sagt Thomas Noack, Analyst der West-LB. Es gebe auch Vorteile, wenn Anteile noch von Minderheitsaktionären gehalten werden. So könne zum Beispiel die Pflicht zur Zahlung von Grunderwerbsteuer vermieden werden. Die zusätzliche Publizität sei zwar kostspielig, könne aber in einigen Fällen auch erwünscht sein.

          Vorteile bei Übernahme von AMB Generali

          „Da können schon noch andere kommen, die Restaktien kaufen wollen“, sagt Stefan Kalb, Analyst bei Sal. Oppenheim. Die Münchener Rück sei mit Ergo aber kein gutes Beispiel. Für den Rückversicherer sei die Distanz zum eigenen Erstversicherer erwünscht, weil andere Erstversicherer Kunden der Münchener Rück und zugleich Konkurrenten der Ergo sind.

          Viel größer sind nach Einschätzung Kalbs die Vorteile einer kompletten Übernahme von AMB Generali. Denn die europäische Plattform des Generali-Konzerns entfalte ihre Vorteile erst vollständig, wenn der Besitz an den Tochtergesellschaften vollständig sei und es keine Reibungsverluste mehr gebe. Die italienische Generali hat deshalb im vergangenen Jahr versucht, die Minderheitsaktionäre der AMB vom Verkauf zu überzeugen. Die Generali erhöhte ihren Anteil aber nur von gut 70 auf rund 85 Prozent. Viele Anleger ließen das Angebot von 98 Euro je Aktie verstreichen und spekulierten auf eine höhere Abfindung. Das hat sich bisher nur bedingt ausgezahlt. Der Kurs ist zwar auf 112 Euro gestiegen. Doch im selben Zeitraum hat der Deutsche Aktienindex etwas stärker zugelegt.

          Klage gegen Auskauf bei der Axa Konzern AG

          Gleich zwei Restposten in Deutschland hat die französische Axa. An der Axa Konzern AG, hervorgegangen aus Colonia und Nordstern, hält sie 96,8 Prozent. Es läuft ein Verfahren zum Auskauf der Minderheitsaktionäre (Squeeze-out) mit einer Abfindung von 134,54 Euro je Aktie, gegen das einige Aktionäre klagen. Die nächste Verhandlung ist am 18. Mai vor dem Landgericht Köln. Der Markt spekuliert bei einem Kurs von 146 Euro auf einen Nachschlag. Die Axa hat mit dem Kauf der Schweizer Winterthur auch 96,7 Prozent der DBV erhalten. In diesem Fall hat sie bei der Aufsichtsbehörde Bafin beantragt, von der Verpflichtung zu einem Übernahmeangebot an die Minderheitsaktionäre befreit zu werden.

          Zum Streit um das Squeeze-out ist es auch bei Gerling gekommen. Die Versicherungsgruppe Talanx, einst Haftpflichtverband der Deutschen Industrie, hatte den Kölner Konkurrenten im vergangenen Jahr übernommen. Seitdem gehören Talanx indirekt 95,48 Prozent der Anteile an der börsennotierten Gerling-Konzern Allgemeine Versicherungs-AG. Die Barabfindung wurde auf Grundlage eines Wertgutachtens auf 5,47 Euro festgelegt. Darüber, ob das ausreicht, wird ein Spruchkammerverfahren entscheiden. Außerdem gibt es einige Anfechtungsklagen, für die es im April die nächste mündliche Verhandlung geben wird. Die Aktie wird derzeit mit 7,10 Euro gehandelt.

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