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Studie : Versicherungsmakler sind keine Spitzenverdiener

Ein „Großer“ in der Versicherungsbranche: Kleine Plastikfiguren vor einem Allianz-Logo Bild: dpa

Eine Umfrage räumt mit vorherrschenden Klischees in der Versicherungsbranche auf – vor allem beim Verdienst. In einem Fall werden gängige Vorurteile aber bestätigt.

          Die Zeiten der üppigen Belohnungsreisen in der Versicherungswirtschaft sind vorbei. Und auch die Verdienste im Versicherungsvertrieb haben herzlich wenig mit dem Klischee öffentlicher Reizfiguren wie Carsten Maschmeyer (AWD-Gründer) oder Mehmet Göker (Chef des insolventen MEG-Vertriebs) zu tun. Das zeigt eine Auswertung des Fachmagazins „Versicherungsjournal“. In einer Online-Umfrage hatte es 988 Teilnehmer dazu gebracht, detailliert ihre Verdienstsituation offenzulegen. Wegen der freiwilligen Teilnahme ist die Umfrage zwar nicht repräsentativ. Zum Beispiel sind Frauen etwas unterrepräsentiert, außerdem liegt das Durchschnittsalter der Befragten etwas unter dem Bevölkerungsmittel. Dennoch lassen sich spannende Erkenntnisse ableiten.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          So ist auffällig, dass die Beschäftigten im Versicherungsvertrieb – übrigens sowohl aus dem Innen- als auch aus dem Außendienst – mit 56.812 Euro (mit Sonderzahlungen) im Mittel mehr verdienen als das durchschnittliche Bruttojahreseinkommen in der Bevölkerung von 41.455 Euro. Doch dieser ermittelte Verdienst liegt unter dem vom Statistischen Bundesamt angegebenen Branchenverdienst von 67.527 Euro. Auch wenn das Amt den Durchschnitt verwendet und die Studie den Median (50 Prozent der Teilnehmer verdienen mehr als diesen Wert), lässt sich daraus ableiten: Im Vertrieb wird innerhalb der Branche offensichtlich eher unterdurchschnittlich verdient.

          Den herkömmlichen Erwartungen dürfte auch die Einkommensverteilung nach verschiedenen Vertriebsformen widersprechen. So zeigt sich in der Umfrage, dass Mitarbeiter eines Versicherungsmaklers mit 43.959 Euro im Median den geringsten Verdienst haben. Ausschließlich für einen Versicherer tätige Versicherungsvertreter verdienen rund 260 Euro im Jahr mehr. Vertreter, die für mehrere Versicherer aktiv sind (sogenannte Mehrfachagenten), kommen dagegen schon auf einen Verdienst von gut 6600 Euro mehr im Jahr. Und Angestellte von Versicherungsunternehmen verdienen sogar noch einmal 10.000 Euro mehr.

          In größeren Betrieben wird mehr verdient

          Damit korrespondiert die Übersicht über den Verdienst nach Betriebsgrößen: In Unternehmen mit weniger als 1000 Mitarbeitern liegt der Median bei 50.876 Euro, in größeren Unternehmen bei rund 10.400 Euro mehr. Die deutsche Maklerschaft ist sehr klein- bis mittelständisch geprägt. Es gibt nur eine Handvoll Großbetriebe. Viele Versicherungsmakler sind sogar Einzelkämpfer und haben angesichts wachsender Regulierungsanforderungen auch mit erhöhtem Verwaltungsaufwand zu kämpfen. Dennoch gibt es keinen engeren Zusammenhang zwischen der Arbeitszufriedenheit und der Betriebsgröße. Zwar sind Angestellte kleiner Unternehmen unzufriedener mit ihren über das Gehalt hinausgehenden Zusatzleistungen, bei den anderen abgefragten Kriterien (Gehalt, Arbeitsbedingungen, Aufstiegsmöglichkeiten, Betriebsklima) gab es dagegen keine Auffälligkeiten.

          Voll im bekannten Klischee dagegen liegen die Versicherungsvertriebler bei den Unterschieden zwischen den Geschlechtern. In der Gehaltsgruppe oberhalb von 80.000 Euro sortierten sich zwar 25 Prozent der befragten Männer ein, aber nur 7 Prozent der befragten Frauen. In absoluten Zahlen fällt der Unterschied wegen der unterdurchschnittlichen Teilnahme von Frauen noch stärker auf. Außerdem tragen in der Umfrage Männer doppelt so oft wie Frauen Personalverantwortung für andere Mitarbeiter.

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