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Versicherungen : Eine hohe Stornoquote hat auch Vorteile

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Bild: F.A.Z.

Kündigungen von Lebensversicherung kann die Auszahlung für verbleibende Versicherte erhöhen. Mit einer Entspannung bei der Stornoquote wird nicht gerechnet. Der Zweitmarkt zum Verkauf der Policen wird allerdings kaum genutzt.

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          Die hohe Stornoquote eines Lebensversicherers bedeutet nicht zwangsläufig Nachteile für die verbleibenden Versicherten bei diesem Anbieter. Zwar signalisieren überdurchschnittlich viele vorzeitige Kündigungen eine fragwürdige Beratungsqualität. Aber Versicherte, die in den betroffenen Gesellschaften bis zum Laufzeitende durchhalten, können von diesen Stornos durchaus finanziell profitieren.

          Zurückzuführen ist dieser Effekt auf die Regelung, daß bei einer vorzeitigen Vertragskündigung die Ansprüche des Versicherten auf die für den Schlußgewinn vorgesehenen Erträge verfallen. Der Schlußgewinn ist ein Bestandteil der Überschußbeteiligung und wird zum Laufzeitende ausgezahlt. Er ist sozusagen ein Treuebonus für das Durchhalten und beträgt normalerweise zwischen 20 und 25 Prozent der Summe der jährlich gutgeschriebenen Gewinnanteile.

          Der überwiegende Teil der verfallenen Ansprüche kommt dabei nicht der Gesellschaft, sondern der verbliebenen Versicherungsgemeinschaft zugute und wird dort aufgeteilt. Da sich in diesem Jahr die vorzeitigen Vertragskündigungen weiter auf dem überdurchschnittlichen Niveau von 2003 bewegen dürften, ist der sogenannte Stornogewinn eine beachtenswerte Besonderheit.

          Erfahrungen aus der Vergangenheit

          Allerdings ist es schwer, auf diesem Effekt eine Strategie aufzubauen. Dafür müßte eine Stornoquote langfristig prognostizierbar sein, was für die fraglichen Zeiträume unmöglich ist. Doch immerhin gibt es Erfahrungen aus der Vergangenheit, bei welchen Anbietern die Wahrscheinlichkeit einer überdurchschnittlichen Stornoquote hoch ist. Als Beispiele hierfür werden regelmäßig die Hamburg-Mannheimer, Aachener und Münchener sowie der Deutsche Ring genannt. Auch 2003 waren sie mit einem Storno im Gesamtbestand zwischen 6,4 und 8,4 Prozent im oberen Drittel zu finden.

          Unbestritten ist allerdings, daß die vorzeitige Vertragskündigung dem betreffenden Versicherten nur Nachteile bringt. Die Rückkaufswerte liegen zumeist weit unter der zu erwartenden Ablaufsumme - selbst wenn das Vertragsende unmittelbar bevorsteht. Dies ist nicht nur auf dem Verfall der Schlußgewinnanteile zurückzuführen. So werden etwa Stornogebühren fällig. Darüber hinaus haben die Versicherten in den ersten Jahren der Vertragslaufzeit hohe Abschlußkosten gezahlt, die nicht erstattet werden. Bei Verträgen mit einer Laufzeit von weniger als zwölf Jahren zum Zeitpunkt der Kündigung muß zudem die Kapitalertragsteuern nachgezahlt werden.

          Keine Entspannung bei der Stornoquote

          Wenig genutzt wird in Deutschland die Möglichkeit, die Police auf dem Zweitmarkt zu verkaufen. Dort kann normalerweise ein deutlich höherer Preis erzielt werden als bei der Rückgabe der Police an den Versicherer. Der Käufer zahlt dann die Beiträge weiter bis zur Endfälligkeit und verdient sein Geld mit der Spanne zwischen dem Einkaufspreis und der Auszahlungssumme inklusive Schlußgewinn. In Großbritannien sind Versicherer gesetzlich verpflichtet, ihre Kunden bei einer Stornoabsicht über die Verkaufsmöglichkeit auf dem Zweitmarkt zu informieren. Eine ähnliche Regelung strebt der hierzulande führende Anbieter Cashlife aus München auch für Deutschland an. Nach einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des Allensbacher Instituts für Demoskopie würden 82 Prozent der Lebensversicherten eine solche Informationspflicht begrüßen.

          Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) setzt bei seiner Berechnung der Stornoquote den vorzeitigen Abgang an Beitragszahlungen und den mittleren laufenden Jahresbeitrag ins Verhältnis. Für dieses Jahr rechnet der Verband mit einer leichten Erhöhung der Stornoquote auf 5,6 Prozent, nach 5,5 Prozent im vergangenen Jahr. Trotz des zunehmenden Verkaufs von Lebensversicherungen in den vergangenen Wochen deutet sich also keine Entspannung bei der Stornoquote an.

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