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Versicherer : Übernahmeangebote treiben die Kurse

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Bild: F.A.Z.

Die Übernahmewelle mischt nun auch die Assekuranz auf. Sehr zur Freude der Aktionäre. Denn die Belebung war schon länger fällig. Nun versprechen Fusionen weitere Kostensenkungen.

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          Die Übernahmewelle mischt nun auch die Assekuranz auf. Das Angebot der britischen Aviva für den Lebensversicherer Prudential hat die Spekulationen auf weitere Übernahmen angeheizt. Sehr zur Freude der Aktionäre: Prudential-Aktien legten am Montag um mehr als 12 Prozent zu. Weil der amerikanische Versicherer St.Pauls sein Interesse an Zurich Financial dementierte, gewannen die Aktien des Schweizer Unternehmens am Montag nur noch leicht. Sie hielten aber die Kursgewinne vom Freitag, als die Titel um 5 Prozent nach oben gesprungen waren. Seit Jahresbeginn ist der europäische Branchenindex um 11 Prozent gestiegen, stärker als der Gesamtmarkt.

          Die Belebung war schon länger fällig, urteilen Analysten. Für große Werte wie Allianz oder Axa sind ihre optimistischen Einschätzungen nahezu einstimmig. Bei der Allianz steht 34 Kaufempfehlungen nur eine Verkaufsempfehlung gegenüber. Neunmal lautet das Anlageurteil „halten“. Ihre Zuversicht begründen die Analysten für Versichereraktien häufig mit deren niedriger Bewertung. Aktionäre zahlen für europäische Aktien im Durchschnitt das Dreizehn- bis Vierzehnfache des für 2006 erwarteten Unternehmensgewinns. Bei den Versicherern liegt dieser Durchschnitt bei nur zwölf. Einzelne Werte wie Münchener Rück oder Hannover Rück sind sogar für deutlich weniger als das Zehnfache des Jahresgewinns zu haben.

          Mangel an geeigneten Übernahmekandidaten

          „Wir schätzen die Unterbewertung der europäischen Versicherer auf etwa zehn bis 15 Prozent im Vergleich zum Gesamtmarkt“, sagt Stefan Kalb, Analyst bei der Privatbank Sal. Oppenheim. Die Spekulation auf Übernahmen könnte das ändern, zumal Allianz, Generali und Axa dabei sind, die Minderheitsaktionäre ihrer ausländischen Tochtergesellschaften herauszudrängen. Allerdings tun sich Analysten damit schwer, weitere Übernahmekandidaten zu nennen. Die Schweizer Winterthur soll nun an die Börse gebracht werden und nicht an einen einzelnen Käufer gehen. Die französische Axa wird immer wieder mit der italienischen Generali in Verbindung gebracht. Doch allein wegen des politischen Widerstands gilt diese Elefantenehe derzeit als unwahrscheinlich.

          Kaufwillige gebe es genügend, sagt Kalb, allen voran der Axa-Konzern, der international noch nicht so breit aufgestellt sei wie zum Beispiel die Allianz. Es mangele aber an geeigneten Übernahmekandidaten, denn die meisten seien schon in festen Händen. Ein gutes Beispiel dafür ist Deutschland: Zwei Drittel des Marktes stehen für Übernahmen nicht zur Verfügung, weil die Versicherer als Vereine auf Gegenseitigkeit organisiert sind oder den Sparkassen gehören. Ähnlich ist das Bild auch in anderen europäischen Ländern.

          „Eine Reihe von Größenvorteilen für Versicherer“

          Dabei wären weitere Zusammenschlüsse durchaus sinnvoll. „Es gibt eine Reihe von Größenvorteilen für Versicherer“, sagt Thomas Noack, Analyst bei der WestLB. Unmittelbar wirksam wird die zusätzliche Streuung der Risiken. Das reduziert unter anderem den Bedarf an Rückversicherung und wird von den Ratingagenturen wohlwollend bewertet. In der Vermögensanlage können Aufwendungen gespart werden. Kostenvorteile in der Informationstechnik seien bei grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen schwieriger zu erzielen. Aber auch daran werde zum Beispiel bei der Generali gearbeitet.

          Die Reduzierung der Kosten hat neben den verringerten Schäden dazu geführt, daß die großen europäischen Versicherungskonzerne derzeit glänzend dastehen. Allianz, Axa und Generali haben in den vergangenen Wochen für das vergangene Geschäftsjahr hohe Gewinne gemeldet. Die Allianz senkte die kombinierte Schaden-Kosten-Quote in der Sachversicherung auf rund 94 Prozent. Allein die Prämien reichen also, um die Aufwendungen für Kosten und Schäden zu begleichen. Hinzu kommen die Erträge aus den Kapitalanlagen. Trotz der guten Ertragslage nutzen die Versicherer ihren Spielraum, um durch Restrukturierungen die Kosten weiter zu senken.

          Das ist aus Sicht der Aktionäre auch notwendig. Denn Versicherer-Aktien sind nur schwer als Wachstumshoffnung zu verkaufen. Die Schaden-Versicherung wächst in Europa - mit Ausnahme einiger Märkte mit geringer Durchdringung - im langsamen Tempo der Gesamtwirtschaft. Aussichten auf höhere Wachstumsraten gibt es am ehesten in der Lebensversicherung. „Die Versicherer profitieren von der wachsenden Bedeutung der privaten Altersvorsorge“, sagt Thomas Noack.

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