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Versicherer : Immobilienkrise trifft Kleinanleger nicht direkt

  • -Aktualisiert am

Schlimmste Rezession seit 16 Jahren: In Amerika verkaufen sich Häuser schlecht Bild: picture-alliance/ dpa

Der amerikanische Immobilienmarkt belastet auch deutsche Anleger. Versicherer und Fonds sind aber vom Werteverfall der mit Immobilienkrediten besicherten Verbriefungen kaum betroffen. Denn sie haben meistens kaum oder gar nicht in diese Papiere investiert.

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          Die Verwerfungen auf dem amerikanischen Immobilienmarkt ziehen zwar seit Wochen auch deutsche Kleinanleger in Mitleidenschaft, weil die Kurse von Aktien und anderen riskanten Anlageformen weltweit fallen. Aber die unmittelbaren Auswirkungen - der Werteverfall der mit schwachen Immobilienkrediten besicherten Verbriefungen - treffen sie nur am Rande. Die meisten Lebensversicherer und Investmentfonds sind nach eigenen Angaben gar nicht oder in geringem Umfang engagiert. Allerdings sind die Kreditrisiken mitunter so verpackt, dass sie nicht sofort als solche zu erkennen sind.

          Deutsche Lebensversicherer dürfen bis zu 7,5 Prozent ihres gebundenen Vermögens in Verbriefungen von Forderungen aller Art investieren. Doch die wenigsten schöpfen diese Grenzen auch nur annähernd aus. Und die Versicherer, die es in nennenswertem Umfang tun, haben offenbar - wenn überhaupt - nur einen sehr geringen Anteil in Titel investiert, die mit dem amerikanischen Immobilienmarkt zusammenhängen.

          Kaum von amerikanischen Immobilien abhängig

          Bei der Ergo-Gruppe, zu der die Versicherer Victoria und Hamburg-Mannheimer gehören, gehe es um einen angelegten Betrag von etwa 2 Millionen Euro, was gemessen an den Kapitalanlagen von mehr als 100 Milliarden Euro „fast nichts“ sei, heißt es im Umfeld des Unternehmens. Die Axa Leben hat nach Angaben eines Sprechers weniger als ein Prozent in entsprechenden Wertpapieren angelegt, davon entfielen 90 Prozent auf sehr gut (AA) oder erstklassig (AAA) bewertete Verbriefungen. Vorstände der Lebensversicherer Alte Leipziger und Debeka sagten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass sie Verbriefungen, die mit bonitätsschwachen amerikanischen Immobilienkrediten besichert sind, gar nicht gekauft hätten.

          Eine Umfrage der Aufsichtsbehörde Bafin habe ergeben, dass die deutschen Versicherer nur unbedeutend engagiert sind, sagte ein Sprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, die in der Vorwoche auch die deutschen Banken unter die Lupe genommen hatte. Die Krise des amerikanischen Hypothekenmarkts habe nur geringen Einfluss auf die hiesige Assekuranz. Befragt wurden einige Dutzend Unternehmen, von denen bekannt ist, dass sie im Vergleich zum Branchendurchschnitt relativ viele ABS-Anlagen und Anteile an Hedge-Fonds besitzen. Selbst in dieser Gruppe habe mehr als die Hälfte der Unternehmen geantwortet, sie hätten keine Risiken, die mit dem amerikanischen Immobilienmarkt zusammenhängen.

          Andere betonten, dass sie nur Titel mit erstklassigen Bonitäten gekauft hätten beziehungsweise solche mit Staatsgarantien. „Bisher haben wir nur eine Momentaufnahme, aber nach derzeitigem Kenntnisstand sind die Risiken in der Relation zu den gesamten Kapitalanlagen für die deutschen Versicherer unbedeutend“, sagte ein Bafin-Sprecher.

          Spuren in der Wertentwicklung

          Anleger in Investmentfonds sind nicht vollständig gegen die Kursabschläge von verbrieften amerikanischen Hypothekenkrediten mit schwacher Bonität (Subprime Mortgages) gefeit. In Branchenkreisen heißt es, dass in dem einen oder anderen geldmarktnahen Fonds sowie in den beliebten sogenannten Total- oder Absolute-Return-Fonds, die unabhängig von der Marktlage einen positiven Ertrag für ihre Anleger anstreben, entsprechende Wertpapiere liegen könnten. Allerdings seien sie im Normalfall Beimischung mit einem Portfolioanteil von weniger als 5 Prozent, so dass sich die Auswirkungen auf die Wertentwicklung eines Fonds insgesamt in Grenzen halten sollten.

          Eine genaue Übersicht über die Gewichtung von Subprime-Verbriefungen in einzelnen Fonds ist schwierig. Als Anlageklasse werden sie nicht gesondert ausgewiesen. Vielfach verbergen sie sich hinter Phantasienamen wie beispielsweise „Countrywide Lending“ oder „Green Bay Funding“. Anleger sollten jedoch misstrauisch werden, wenn es in den vergangenen fünf Handelstagen zu einem ungewöhnlich hohen Rückgang des Fondsanteilspreises kam. Dies könnte ein Hinweis auf einen nennenswert hohen Anteil von amerikanischen Subprime-Verbriefungen im Portfolio sein, der über den Status einer Beimischung hinausgeht.

          Der größte deutsche Anbieter von Publikumsfonds, DWS Investments, betont, nicht direkt in dem Marktsegment investiert zu sein. Bei dem auf verbriefte Forderungen spezialisierten Investmentfonds FT ABS-Plus des Anbieters Frankfurt Trust liegt der Anteil der Subprime-Titel nach Angaben des Anbieters unter 7 Prozent. „Die direkte Auswirkung der amerikanischen Subprime-Krise dürfte deshalb äußerst milde ausfallen“, sagt Fondsmanager Rainer Gogel. Nichtsdestotrotz hätten sich die enormen Marktbewegungen der vergangenen Tage auch auf andere Marktsegmente übertragen und deshalb Spuren in der Wertentwicklung hinterlassen. Seit Ende Juni gab der Fonds um 0,5 Prozent nach.

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