https://www.faz.net/-gv6-793bs

Vermögensverwaltung : Ist Volatilität gleich Risiko?

Dividendenrendite von fast 4 Prozent durch Aktien des Chemiekonzerns BASF Bild: dpa

Viele Investoren bevorzugen niedrig verzinste Anleihen, die möglichen Kursschwankungen von Aktien sind ihnen zu riskant. Die traditionellen Messziffern für das Risiko sind hierbei nicht abwegig – aber eben nicht vollständig.

          2 Min.

          Eine Aktie der BASF bietet auf der Basis des aktuellen Kurses und der für das kommende Jahr erwarteten Ausschüttung eine Dividendenrendite von knapp 4 Prozent. Eine zehnjährige Bundesanleihe verspricht aktuell eine Rendite von rund 1,35 Prozent. Etwas mehr ist mit einer Anleihe der BASF mit Fälligkeit Ende 2012 zu holen, deren aktuelle Rendite sich mit 1,94 Prozent berechnet. Dagegen sieht es mit Kurzläufern düster aus: Zweijährige Bundespapiere rentieren nahe null, eine BASF-Anleihe mit zwei Jahren Restlaufzeit rentiert mit 0,53 Prozent.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Gleichwohl werden viele Anleger - große wie kleine - die niedrig verzinsliche Anleihe der Aktie vorziehen. Die Begründung lautet: Die Rendite der Anleihe ist niedrig, aber so gut wie sicher. Ein Aktienkurs kann sehr stark schwanken, wie gerade die vergangenen 20 Jahre gezeigt haben. Was nützt die schönste Dividende, wenn die Aktie teuer gekauft wird, der Kurs dann in den Keller fällt und dort eventuell - die Deutsche Telekom lässt grüßen - für lange Zeit verharrt?

          Furcht vor neuen Fehlentscheidungen

          Die Ansicht, das Risiko einer Kapitalanlage lasse sich durch das Ausmaß der Schwankungen („Volatilität“) von Kursen aus der Vergangenheit bemessen, ist unter Fachleuten weit verbreitet. Diese Vorstellung prägt die Anlagepolitik in vielen Häusern und die von Regulierern ins Auge gefassten Vorschriften für Anleger. So wird im Zuge der geplanten europäischen Regeln für Versicherer die Anlage in Aktien weniger attraktiv gemacht. Aber es sind nicht nur die Regulierer, die Anleger von Aktienanlagen abhalten.

          Viele große Investoren, und dies gilt gerade für Versicherer, trauen sich wegen schlechter Erfahrungen aus der Vergangenheit und der Furcht vor neuen Fehlentscheidungen nicht mehr richtig an Aktien heran. Aber der Jammer über niedrige Anleiherenditen alleine beschreibt noch keine Anlagepolitik, und das Potential für attraktive Anlagen in Immobilien und Infrastruktur erscheint nicht grenzenlos. Die Aktienquoten deutscher Versicherer dürften derzeit durchschnittlich bei rund 4 Prozent liegen. Die Aktienquoten amerikanischer Pensionskassen liegen bei durchschnittlich etwas mehr als 50 Prozent.

          60 Prozent Aktien, 35 Prozent Anleihen und fünf Prozent Liquidität
          60 Prozent Aktien, 35 Prozent Anleihen und fünf Prozent Liquidität : Bild: F.A.Z.

          Die traditionellen Messziffern für das Risiko sind nicht abwegig. Aber sie sind nicht vollständig. In den vergangenen rund 30 Jahren kannten die Anleiherenditen in den führenden westlichen Industrienationen bei meist nicht allzu hohen Schwankungen nur eine Richtung: Sie sind deutlich gefallen. Im Jahre 1981 rentierte eine zehnjährige amerikanische Staatsanleihe mit rund 15 Prozent. Heute beträgt die Rendite 1,90 Prozent. Hier lockten über einen sehr langen Zeitraum Kursgewinne.

          Die langfristige Hausse am Anleihemarkt ist schon oft totgesagt worden. Bisher geschah dies zu Unrecht: Sogar im bisherigen Jahresverlauf waren mit vielen Staatsanleihen wegen sinkender Renditen noch Kursgewinne zu erzielen. Aber sehr viel tiefer können die Renditen nicht mehr fallen. Schon heute bringen viele dieser Papiere keine reale Rendite mehr, auch wenn sie unter Berücksichtigung traditioneller Risikomaßstäbe unbedenklich aussehen.

          Es existieren jedoch Risiken, die sich aus einer Betrachtung der vergangenen Jahrzehnte nicht aus Statistiken ablesen lassen. Die vergangenen Jahrzehnte waren im Westen eine Zeit rückläufiger Inflationsraten. Auch wenn eine deutliche Beschleunigung der Inflationsrate in absehbarer Zeit nicht zwingend erscheint, sollte eine langfristige Anlagestrategie nicht alleine auf der Annahme dauerhaft sehr niedriger Inflationsraten beruhen.  In den vergangenen Jahrzehnten besaßen Staatsanleihen westlicher Nationen nach verbreiteter Ansicht kein Ausfallrisiko.

          Auf einer solchen Annahme sollte heute keine langfristige Anlagestrategie beruhen, auch wenn Staatsbankrotte und Umschuldungen in größerer Zahl nicht eintreten müssen. Diese gesamtwirtschaftlichen Risiken sprechen für eine großzügigere Streuung. Man muss keine so hohe Aktienquote fahren wie das Bankhaus Metzler in dem in der Grafik dargestellten Musterportfolio. Man kann durchaus auch als Privatanleger im Unterschied zu den Prinzipien von Metzler Derivate zur Absicherung von Aktienbeständen nutzen. Aber Aktien oder Aktienfonds braucht man schon.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Stefan Löfven am Montag , 21. Juni, in Stockholm

          Nach dem Misstrauensvotum : Wie es in Schweden weitergeht

          Ein unwahrscheinliches Bündnis spricht dem schwedischen Ministerpräsidenten Stefan Löfven das Misstrauen aus. Der muss nun den nächsten Schritt machen. Er hat eine Woche Zeit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.