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Vermögensverwalter : „Renditeversprechen sind unseriös“

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Vom reinen Performance-Denken hält Lutz Gebser wenig. Für den VuV-Vorstand ist Vermögensberatung mehr als nur Rendite und Prozente.

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          Wie lässt sich die Performance von Vermögensverwaltern berechnen?

          Es gibt keinen einheitlichen Standard und es ist auch schwer zu errechnen. Firstfive versucht einen vergleichenden Standard zu finden. Ob er sich durchsetzt, wissen wir nicht. Es ist immer das Gleiche, Erfolge aus der Vergangenheit lassen sich nicht in die Zukunft projezieren. Und wenn ich in der Vergangenheit einiges richtig gemacht habe, dann kann ich in der Zukunft vieles falsch machen. Ich bin jetzt schon seit 1963 im Geschäft, also knapp 40 Jahre. Da habe ich vieles richtig und vieles falsch gemacht und bin noch immer lange nicht an dem Punkt, alles richtig zu machen. Wie messe ich eine Frisur? Die Geschmäcker ändern sich ständig und die Köpfe sind so verschieden wie die Depots. Vielleicht misst es sich an der Zufriedenheit der Kunden, dass es nicht nur Performance ist was zählt. Es zählt auch, dass man erklärt bekommt, was hinter dem Depot steht. Der gute Vermögensverwalter vermittelt dem Kunden ein gewisses Verhältnis zu seinem Geld. Er sagt ihm auch, wenn er zu sparsam ist, sich mal von einem Teil trennen sollte. Oder weist darauf hin, dass der Kunde zu riskant und leichtsinnig agiert. Aufgabe ist es auch, den Kunden mit seinem Geld zu versöhnen. Es hat aber auch etwas mit Aufklärung und Entertainment zu tun.

          Welche Performance darf man sich von einem guten Vermögensverwalter erhoffen?

          Die Performance des Vermögensverwalter hängt in erster Linie vom Marktumfeld ab. Wenn der Markt runter geht, dann ist nicht zu erwarten, dass das Depot nach oben geht. Also ich muss das immer in Relation zum Markt sehen. Dann muss ich sehen, welche Einstellung habe ich selber. Was habe ich mit dem Vermögensverwalter vereinbart. Weiß er, dass ich auch aggressiv bin, dass ich in Haussezeiten bereit bin, größere Risiken einzugehen. Dann habe ich größere Gewinnchancen aber auch größere Risiken. Im letzten Jahr sind die Kunden schlechter gefahren, die eine aggressive Haltung hatten. Wer sich in den Standardwerten weiterbewegte, hatte eine deutlich bessere Performance als der, der sich den neuen Technologien zuwandte. Ganz allgemein lässt sich aber sagen, dass wie in der Vergangenheit langfristig auch weiterhin zehn Prozent jährlich drin sein sollten.

          Wann sollte man hellhörig werden?

          Renditeversprechungen darf man nicht machen. Wenn ein Vermögensverwalter Renditeversprechungen abgibt, würde ich ihn als unseriös einstufen. Ich kann nur sagen, dass sich über einen langen Zeitraum von vielleicht 50 Jahren gezeigt hat, dass eine Aktienanlage im Durchschnitt zehn bis elf Prozent an Wertsteigerung gebracht hat. Da sind aber auch Jahre dabei, mit 20 Prozent Minus oder 30 Prozent Plus. Ich kann aber nicht sagen, wenn Du Dein Geld heute anlegst, hast Du eine Rendite von zehn Prozent. Renditeversprechungen kann ich nur machen bei Papieren, wo diese Rendite auch entsprechend drauf steht. Wir hatten 1997 bei unserem Fonds eine Wertsteigerung von 84 Prozent und waren damit bester Fonds. Daraufhin haben wir eine Menge Mittelzuflüsse bekommen, weil die Leute dachten, das kann man in die Zukunft fortrechnen. Aber das Jahr darauf lagen wir wieder unter dem Durchschnitt.

          Wenn man über dem Durchschnitt war, kommt man auch häufig wieder unter den Durchschnitt. Ein Erfolg in einem Jahr ist keine Garantie für die Zukunft. Je länger der Zeitraum ist, umso besser kann man es vergleichen. Aber man kann so vielleicht Fonds miteinander vergleichen, nicht aber individuell betreute Depots, weil hinter jedem Depot ein Mensch steht, der ein anderes Verhältnis zu seinem Geld hat als der andere. Meine Kunden sind ja alle unterschiedlich. Deshalb muss die Handlungsweise auch für jeden Kunden anders sein.

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