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Vermögensverwalter : Pictet will Rendite und Mildtätigkeit vereinen

Pictet geht neue Wege in der Vermögensverwaltung. Bild: Reuters

Der Vermögensverwalter Pictet möchte Wohlhabenden eine neue Sicht auf ihr Portfolio eröffnen. Gewinne und Philanthropie sollen zukünftig nicht mehr im Gegensatz zueinander stehen.

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          Wer Geld für den guten Zweck gibt, darf gemeinhin keine Gewinne erwarten. Dieses Narrativ möchten Rosa Sangiorgio und Christoph Courth ändern. Als Head of ESG und Head of Philanthropy Services bei der Schweizer Vermögensverwaltung Pictet wollen sie vermitteln, dass sich Rendite und Mildtätigkeit nicht gegenseitig ausschließen. Basierend auf einem Weißbuch, erklärten die beiden während einer Onlineveranstaltung ihre Vision für die zukünftige Verquickung des verantwortungsvollen Investierens und des philanthropischen Engagements. In den Köpfen vieler, die sich für gute Zwecke einsetzen möchten, bedeutet die Finanzierung dieser Zwecke noch, einen Teil des Vermögens vom Portfolio abzuzweigen und Gewinne, falls es sie gibt, wieder der Wohltätigkeit zuzuführen. Der Rest des Investment-Portfolios dient hingegen der reinen Gewinnmaximierung, ohne auf reale Auswirkungen der Anlagen zu achten.

          Gregor Brunner
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für Sangiorgio und Courth treffen sich die Welten der Geldanlage und der Förderung von umweltfreundlichen (Environment), sozial förderlichen (Social) und Zwecken der guten Unternehmensführung (Governance) – in der Finanzsprache kurz als ESG bezeichnet – im Impact Investing. Hierbei soll Geld in Produkten und Unternehmen angelegt werden, die einerseits profitabel sind, aber sich andererseits auch für beispielsweise die Eindämmung der Effekte des Klimawandels oder die Finanzierung von Bildungsarbeit in Entwicklungsländern einsetzen.

          Dass sich ein Investment in solche Unternehmen durchaus lohnen kann, unterfütterten die Sprecher von Pictet mit aggregierten Daten aus mehr als 2000 empirischen Studien. Diesen zufolge wirkt sich die Beachtung einzelner ESG-Kriterien in rund 55 bis 60 Prozent der Fälle positiv auf die Erträge eines Unternehmens aus. Der Anteil der Unternehmen, die mehreren Kriterien gleichzeitig Beachtung schenken und positive Auswirkungen verzeichnen, liegt hingegen nur bei rund 35 Prozent.

          Die geringere Auswirkung bei Unternehmen mit verwässertem Fokus passt vielleicht auch zu dem Ansatz, dass durch die präsentierten Konzepte hauptsächlich Individuen angesprochen werden sollen, die zu ihrem Portfolio auch Stiftungen, eigene Unternehmen und andere Ressourcen zählen. Diese Ressourcen sollten – anstatt auf zu viele Probleme gleichzeitig verteilt zu werden – gebündelt sowie unter besonnener Führung und an handfesten Daten orientiert in eine Stoßrichtung gelenkt werden. Pictet blendet dabei das Risiko des Totalverlusts nicht aus. Vielmehr baut der Vermögensverwalter darauf, dass sich viele Philanthropen diesem Ansatz anschließen werden und so gemeinsam bei verteilter Last gewillt sind, Startfinanzierungen bereitzustellen, die nicht zwingend in Erfolg münden. Mit deren Hilfe sollen sich aber aus einer Masse von anfänglichen Ideen profitable wie nachhaltige Konzepte herausbilden, bei denen über die Vermögensverwaltung Anschlussfinanzierung und weitere Unterstützung bereitgestellt werden können, die nun auch die Rentabilität beachten.

          Ziel soll letztendlich sein, das gesamte Portfolio als Möglichkeit der positiven Einflussnahme zu sehen, auch über Generationen hinweg. Sangiorgio und Courth gaben zu bedenken, dass in den nächsten 25 Jahren 16 Billionen Dollar an eine Generation weitergegeben werden, die zu 79 Prozent glaubt, die Lösung von gesellschaftlichen und Umwelt-Problemen sei wichtiger als die Ansammlung von Reichtum. Diese neue Generation würde mit Vermögen zielorientierter umgehen wollen und müssen – bestenfalls in Zusammenarbeit mit dem Vermögensverwalter ihres Vertrauens.

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