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Vermögen : Der Club der deutschen Millionäre wächst

  • -Aktualisiert am

Deutschland gilt als fünftreichste Nation der Welt Bild: dpa

Nach der Analyse der Boston Consulting Group liegt Deutschland im internationen Vergleich auf Rang sieben. Gründe für den Zuwachs an Vermögen sind ein besseres Wirtschaftswachstum und haussierende Aktienmärkte.

          In Deutschland gibt es immer mehr Reiche. Nach Angaben der Unternehmensberatung Boston Consulting Group ist die Zahl der deutschen Haushalte, die über ein Vermögen von mehr als einer Million amerikanische Dollar (775.000 Euro) in Form von Bargeld, Wertpapieren oder Investmentfonds verfügen, im vergangenen Jahr um 9,1 Prozent gestiegen.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Mit insgesamt 362.000 Millionärshaushalten rangiert Deutschland damit im internationalen Vergleich auf dem siebten Rang. Angeführt wird diese Liste von den Vereinigten Staaten, Japan und China. In diesen Ländern gibt es jeweils mehr als eine Million Dollarmillionäre. Unter den europäischen Ländern nimmt Deutschland den dritten Rang hinter Großbritannien und der Schweiz ein. Im Vergleich superreicher Haushalte mit einem Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen Dollar liegt Deutschland mit 680 sogar auf Platz vier hinter den Vereinigten Staaten, Großbritannien und China.

          Fünftreichste Nation der Welt

          Das gesamte Vermögen der deutschen Privatanleger schätzen die Unternehmensberater für das vergangene Jahr auf 6,7 Billionen Dollar - ein Plus von 6,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Deutschland gilt nach diesen Maßstäben als die fünftreichste Nation der Welt - hinter den Vereinigten Staaten, Japan, China und Großbritannien, doch noch vor Frankreich und Italien.

          Diese Ergebnisse relativieren möglicherweise eine im April veröffentlichte Studie der Europäischen Zentralbank, nach der das Nettovermögen der deutschen Haushalte niedriger ist als in jedem anderen Land des Euroraums. Der Medianwert der Vermögen in Deutschland - eine Hälfte der Haushalte hat mehr, die andere weniger - betrug laut der EZB-Studie vor zwei Jahren 51400 Euro. Im gesamten Euroraum lag der Vermögensmedian dagegen bei 109000 Euro. In der auf einer Umfrage beruhenden EZB-Studie gingen allerdings auch Vermögenswerte wie Immobilien ein, die nicht in die Erhebung von Boston Consulting einfließen.

          Der Anteil der Dollarmillionäre an den Gesamthaushalten ist in Deutschland mit 0,9 Prozent allerdings an internationalen Maßstäben gemessen gering. Die höchste Millionärsdichte weist das Emirat Qatar mit einem Anteil von 14,3 Prozent an den gesamten Haushalten auf. An zweiter Stelle folgt mit 11,6 Prozent die Schweiz vor Kuweit (11,5 Prozent), Hongkong (9,4) und dem Stadtstaat Singapur (8,2) in Südostasien. Die Vereinigten Staaten liegen mit einer Millionärsdichte von 4,9 Prozent auf Rang 6. Bei der Dichte der Superreichen führt Hongkong vor der Schweiz und Österreich.

          Insgesamt sei das weltweite Finanzvermögen im vergangenen Jahr um 7,8 Prozent auf 135,5 Billionen Dollar angeschwollen, berichtet die BCG - stärker als in den beiden Jahren zuvor. Vergleichsweise schneller wuchsen die Vermögen in aufstrebenden Regionen wie Asien (ohne Berücksichtigung von Japan) oder Lateinamerika. Die Privatvermögen in der „alten Welt“, wie die Autoren der Studie die Regionen Nordamerika, Westeuropa und Japan nennen, sind um knapp 6 Prozent gestiegen. Die Vermögen in der „neuen Welt“ (Asien, Osteuropa, Lateinamerika, Naher Osten und Afrika) kletterten mit einem Plus von knapp 13 Prozent mehr als doppelt so stark.

          Wachsen und Sparen

          Triebfedern des schnelleren Wachstums waren das vergleichsweise deutlich stärkere Wirtschaftswachstum und eine höhere Sparquote. Weltweit sorgten aber vor allem die haussierenden Aktienmärkte für Wachstum. „Anders als 2011 war die starke Erholung der Aktienmärkte in den meisten Ländern der wesentliche Treiber für den weltweiten Anstieg der Privatvermögen“, hieß es in der Studie. Der amerikanische Aktienindex S&P 500 war um mehr als 13 Prozent gestiegen. Der japanische Aktienindex Nikkei-225 hatte um knapp 23 Prozent und das europäische Marktbarometer Euro Stoxx 50 um knapp 14 Prozent zugelegt. Gestützt wurde diese Entwicklung von einer lockeren Geldpolitik der Notenbanken in den jeweiligen Regionen.

          Die Boston Consulting Group rechnet auch für die kommenden fünf Jahre mit einem weiteren Wachstum der Vermögen auf der Welt um durchschnittlich 4,8 Prozent im Jahr. Für die „neue Welt“ prognostizieren die Berater ein anhaltend stärkeres Wachstum von rund 10,5 Prozent jährlich, bedingt vom stärkeren Wirtschaftswachstum sowie von den davon begünstigten höheren Sparquoten der Anleger. Für die schon weiter entwickelten Industrieländer der „alten Welt“ dürfte sich das Wachstum nur auf 2,1 Prozent im Jahr belaufen, heißt es in der Studie weiter.

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