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Vermögen : Daumenregeln fürs Portemonnaie

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Ein Liquiditätspolster gehört zu jedem Haushaltsplan Bild: dpa

Keine Frage, Geld ausgeben macht viel Spaß. Aber mit einem Notgroschen lässt's sich besser leben, meinen Experten.

          2 Min.

          Den wenigsten ist es vergönnt, einen Millionär oder eine Millionärin zu heiraten oder von zu Hause bereits so viel Geld mitzubekommen, dass sie ihr komplettes Einkommen verprassen können. Gefangen zwischen dem „Carpe Diem“ des Konsums und der von vielen Finanzinstituten kolportierten Armut im Alter stehen Anleger vor der Aufgabe, das Einkommen sinnvoll zu verteilen.

          Experten sind sich einig, dass es kein allgemeingültiges Rezept gibt. Denn eine junge Familie braucht eben eine andere Vorsorge als der Single. Dennoch gibt es einige Daumenregeln. „Als erstes ist der Kassensturz empfehlenswert“, meint Beate Kirchner, Finanzjuristin von der Verbraucher-Zentrale in Hessen. Ein Notgroschen sollte jeder im Rücken haben, damit die kaputte Waschmaschine nicht gleich den nächsten Urlaub gefährdet.

          Dreifaches Nettogehalt als Polster

          „Als Faustregel der Liquidität gilt das dreifache Nettogehalt“, sagt Sandra Sonntag, Pressesprecherin bei der Deutschen Bank 24. Die BHF-Bank rät ihren Kunden, etwa fünf bis 15 Prozent des Vermögens in liquiden Positionen zu halten. „Aber im Prinzip sind ja heute sämtlichen Wertpapiere schnell liquidierbar. Selbst beim Aktienverkauf ist zwei Tage später das Geld auf dem Konto“, sagt Kai Franke, Anlagestratege Privatkunden bei der BHF-Bank. Nur besteht da die Gefahr, dass der Wagen vielleicht gerade dann nicht mehr fährt, wenn die Börse im Keller ist.

          Neben dem Notgroschen rät die Verbraucher-Zentrale dazu, dass die wichtigsten Risiken abgesichert sein sollte. „Dazu zählt die Berufsunfähigkeit und bei Familien der Todesfall“, so Kirchner. Dabei sollte genau geprüft werden, was den Hinterbliebenen zum Leben bleibt. Und zwar muss sowohl der Tod des Hauptverdieners als auch des Kinderbetreuers finanziell abgesichert sein. Wenig vorbeugen könne man gegen Arbeitslosigkeit. „Gegen manchen Risiken kann man sich einfach nicht absichern“, sagt Kirchner.

          Auf die Risikoneigung kommt's an

          Wie viel letztlich im Monat zum Vermögensaufbau beiseite gelegt werden soll, vermögen die Experten nicht zu sagen. „Soviel wie möglich, aber das hängt natürlich vom Lebensstandard ab“, so Kai Franke von der BHF-Bank. Grundregel für den Vermögensaufbau sei jedoch, dass „je mehr Zeit, desto mehr Risiko kann ich mir leisten“. Aber wie viel Risiko die Anleger eingehen, hänge wiederum von der Neigung ab.

          „Wer nicht ruhig schlafen kann, wenn die Börse nach unten geht, der sollte besser die Finger von Aktien lassen“, sagt Franke. Auch wer Verluste aussitzt, weil er die Realisierung nicht ertragen könnte, sei mit Aktien falsch bedient. Gewinne zu früh realisieren und Verluste aussitzen ist die beste Möglichkeit, systematisch Vermögen zu vernichten. Franke hält daher auch nichts von der Regel, wonach die Aktienquote im Depot 100 minus Lebensalter sein dürfte.

          Rendite gibt's nur für Risiko

          Die Deutsche Bank orientiert sich bei der Anlageberatung an den Faktoren Einkommen, Liquiditätsbedarf und Risikobereitschaft. Dabei gilt immer: Je mehr Risiko, desto höher die Rendite. Wichtig ist, dass jeder einmal über die unangenehmen Dinge Alter, Krankheit und Arbeitslosigkeit nachgedacht hat, meint Kirchner von der Verbaucher-Zentrale.

          Die Vorsorge sollte aber nicht übertrieben werden und Anleger sollten nicht in eine Riester-Hysterie nach dem Motto - was ich jetzt ausgebe, fehlt mir im Alter - verfallen. „Man kann natürlich nicht mehr ins Theater gehen und auf's Essen gehen verzichten“, sagt Kirchner, „aber dann macht das Leben ja auch keinen Spaß mehr.“

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