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Verkauf von T-Mobile USA : T-Aktie profitiert von Sondererlösen

  • Aktualisiert am

Telekom verkauft amerikanisches Mobilfunkgeschäft Bild: dapd

Mit dem Verkauf von T-Mobile USA kann die Deutsche Telekom auf einen Schlag ihre Schulden massiv reduzieren und sich operativ konsolidieren. Die Papiere sind aufgrund der starken Marktstellung für einkommensorientierte Anleger interessant.

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          Mit Kursgewinnen von bis zu 15,9 Prozent auf 10,915 Euro reagiert am Montag die Aktie der Deutsche Telekom auf die Mitteilung vom Sonntagabend, T-Mobile USA für 39 Milliarden Dollar an den Wettbewerber AT&T veräußert zu haben. Die Konditionen des Verkaufs werden vom Markt als vorteilhaft aufgenommen.

          Tatsächlich hat die Deutsche Telekom nach eigenen Angaben die Absicht, mit dem Verkaufserlös die Schulden, die sich zuletzt auf knapp 32 Milliarden Euro belaufen hatten, zu reduzieren und in großem Stil eigene Aktien zurückkaufen. Die vereinbarte Barzahlung in Höhe von 25 Milliarden Dollar werden sie dazu in die Lage versetzen.

          Deutliche Reduktion der Schulden

          Ein Anteil von rund acht Prozent im Wert von 14 Milliarden Dollar AT&T lässt eine Option auf eine weitere Teilnahme an der Entwicklung des amerikanischen Telekommunikationsmarktes offen, auch wenn der amerikanische Partner das Recht hat, den Baranteil um bis zu 4,2 Milliarden Dollar zu erhöhen und die Aktienkomponente entsprechend zu verringern.

          Nach dem Vollzug der Transaktion, welche noch der Zustimmung des amerikanischen Justizministeriums und der amerikanischen Regulierungsbehörde FCC bedarf, will die Telekom mit dem Erlös ihre Verbindlichkeiten um rund 13 Milliarden Euro reduzieren. Weitere etwa fünf Milliarden Euro sollen in den Rückkauf eigener Aktien gesteckt werden, zusätzlich zu den 3,4 Milliarden Euro, welche für die Jahre 2010 bis 2012 jährlich an Ausschüttungen durch eine Mindestdividende und Aktienrückkäufe in Aussicht gestellt wurden.

          Mit diesem Deal erlöst die Deutsche Telekom zwar deutlich weniger, als sie früher in den Vereinigten Staaten investiert hatte. Für das Gewesene jedoch gibt der Kaufmann nichts, interessant ist nur der Blick nach vorne. Der geht nun von einer soliden finanziellen Basis sowie einer überaus robusten Marktstellung in Europa aus und hält alle Optionen offen, um sich durch entsprechende Investitionen für das künftig wohl explodierende Datenvolumen wappnen zu können. Die Mobilfunkbetreiber führen allerorten Netze der nächsten Generation (4G) ein.

          Kursgewinne der aktuellen Art, die alleine auf den Verkaufs- und Sondererlöseffekt zurückzuführen sind, dürften künftig jedoch kaum noch erwartet werden. Denn auch wenn die Datenvolumina künftig stark wachsen werden, werden die Gewinnwachstumsmöglichkeiten der Telekommunikationsunternehmen begrenzt bleiben.

          Investitionsbedarf gegen beschränktes Preispotenzial

          Schließlich müssen sie auf der einen Seite stark investieren. Auf der anderen Seite jedoch können sie die Preise nicht beliebig erhöhen, da sonst die Nachfrage auf die Budgetgrenzen der Verbraucher stoßen würde. Wachstum ist praktisch nur durch die Einführung neuer Dienste für die Wirtschaft (beispielsweise Kooperation mit Versorgern bei der Online-Verbrauchserfassung von Strom und Wasser ) möglich. Die Einführung jedoch braucht Zeit.

          Da die Nachfrage nach Telekommunikationsdienstleistungen überaus robust bleiben wird, können Unternehmen die Deutsche Telekom bei solidem Management überaus robuste Cashflows erzielen und ihren Anteilseignern interessante Erträge ausschütten. In diesem Sinne sind und bleiben die Aktien der Deutschen Telekom für alle Anleger interessant, die daran und nicht an allzu stark steigenden Kursen interessiert sind. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 14 und 13 auf Basis der Gewinnschätzungen und einer Dividendenrendite von 6,4 Prozent (Ausschüttung von 70 Cent je Aktie am 13. Mai) sind sie weiterhin reizvoll bewertet.

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