https://www.faz.net/-gv6-7ikoq

Verfehlte Anlagepolitik : Die Nobel-Stiftung will nach Spenden suchen

In der Konzerthalle von Stockholm: Statue von Alfred Nobel Bild: AFP

Die Kapitalanlagen der Nobelstiftung waren zuletzt wenig erfolgreich. Nun wird selbst am Festbankett gespart. Statt auf Hedgefonds hätte die Stiftung besser auf die Erkenntnisse des Nobelpreisträgers Gene Famas gesetzt.

          Eine der wichtigsten Lehren Gene Famas lautet: Wenn Aktienmärkte sehr schnell Informationen verarbeiten, darf sich ein Anleger nicht viel davon versprechen, wenn er einen Vermögensverwalter beauftragt, der besser abschneiden will als der Aktienmarkt. Stattdessen ist es sehr viel sinnvoller, einen billigen Fonds zu kaufen, der die Entwicklung eines repräsentativen Aktienindex abbildet. Hätte sich die ruhmreiche Nobel-Stiftung in den vergangenen Jahren an dieser Lehre ausgerichtet, müsste sie jetzt nicht um Spenden bitten. Zu diesem Ergebnis kommt eine interessante Untersuchung der Nachrichtenagentur Bloomberg.

          Fama ist einer der drei diesjährigen Träger des Nobel-Gedenkpreises für Wirtschaftswissenschaften, der allerdings nicht von der Nobel-Stiftung, sondern von der Schwedischen Reichsbank finanziert wird. Anstatt an Fama orientierte sich die Anlagepolitik der Nobel-Stiftung in den vergangenen Jahren an einem anderen, lange Zeit sehr erfolgreichen Vorbild. Das von dem amerikanischen Ökonomen und Anlageexperten David Swensen erfundene Stiftungsmodell sieht vor, einen Teil des Anlagevermögens nicht nur traditionell in Anleihen und Aktien, sondern auch in sogenannte alternative Anlagen wie Beteiligungskapital, Immobilien und Hedgefonds zu investieren. Auch die Nobel-Stiftung investierte in Hedgefonds. Sehr erfolgreich war sie damit aber nicht, ebenso wenig wie mit anderen Anlagen.

          Der schwedische Industrielle Alfred Nobel hatte im Jahre 1895 ein Testament verfasst, in dem er den größten Teil seines Vermögens in eine Stiftung transferierte, die jährliche Preise für Leistungen vergeben soll, die der Menschheit Nutzen stiften. Das Stiftungsvermögen macht heute gut 3 Milliarden schwedische Kronen aus, umgerechnet rund 300 Millionen Euro. Das Vermögen sollte in sichere Anlagen investiert und die Preise aus den Erträgen der Stiftung finanziert werden. In der Zwischenzeit wurden die Anlagevorschriften gelockert.

          Auch am Festbankett wird gespart

          Seit den neunziger Jahren werde das Vermögen gemäß den Erkenntnissen moderner Theorien verwaltet, heißt es im Jahresbericht der Stiftung für 2012. Man investierte mehr außerhalb Schwedens und in bisher nicht gebräuchlichen Anlageklassen. Für die neunziger Jahre ergab sich dank dieser Anlagepolitik eine jährliche Rendite von 8,6 Prozent. Die Preisgelder stiegen in diesem Zeitraum von 6 Millionen Kronen im Jahre 1991 je Kategorie auf 10 Millionen Kronen im Jahre 2001. Preise werden vergeben in den Disziplinen Medizin, Chemie, Physik, Literatur und Frieden.

          Die vergangene Dekade war allerdings sehr schwierig für die Stiftung. Über diesen Zeitraum errechnet sich nur noch eine jährliche Rendite von 1,1 Prozent. Die Stiftung nennt die starken Schwankungen am Aktienmarkt sowie Währungsverluste auf Auslandsanlagen als Gründe für das schwache Ergebnis. Berechnungen von Bloomberg zeigen, dass eine Anlage in einem simplen Fonds auf schwedische Aktien ebenso wie der Kauf schwedischer Anleihen über die vergangene Dekade bessere Ergebnisse gezeigt hätten.

          Als Folge der ausgebliebenen Zuwächse im Stiftungsvermögen wurde im vergangenen Jahr das Preisgeld auf nur noch 8 Millionen Kronen je Kategorie gesenkt. Das Stiftungsvermögen von 3,1 Milliarden Kronen war im vergangenen Jahr zu 51 Prozent in Aktien, 16 Prozent in Anleihen und 33 Prozent in alternativen Anlagen investiert.

          Die Stiftung möchte in den kommenden Jahren die Preisgelder wieder erhöhen, allerdings will sie nicht alleine auf bessere Anlageergebnisse vertrauen. Daher hat sie zum einen begonnen, ihre Kosten zu senken, zum Beispiel die Ausgaben für das Bankett zu Ehren der Preisträger. Außerdem erwägt sie, in den kommenden Jahren Spendengelder einzuwerben, auch wenn sie aktuell hierfür noch keine konkreten Pläne hat.

          Weitere Themen

          Volksbank sperrt Zahlungen an N26

          Nach Betrugsfällen : Volksbank sperrt Zahlungen an N26

          Nutzen Betrüger Sicherheitslücken bei Finanz-Start-ups aus, um Geld von Bankkonten zu ergaunern? Einige Volksbanken haben dazu eine klare Meinung – und gehen lieber auf Nummer sicher.

          Topmeldungen

          Grünen-Chef Robert Habeck

          Kanzlerfrage : Habeck hängt Kramp-Karrenbauer ab

          Der Grünen-Chef würde bei einer Direktwahl des Bundeskanzlers laut einer Umfrage doppelt so viele Stimmen erhalten wie seine Amtskollegin bei der CDU. Mit Friedrich Merz als Kandidat sähe die Lage anders aus.
          Smartphone-App der Bank N-26

          Nach Betrugsfällen : Volksbank sperrt Zahlungen an N26

          Nutzen Betrüger Sicherheitslücken bei Finanz-Start-ups aus, um Geld von Bankkonten zu ergaunern? Einige Volksbanken haben dazu eine klare Meinung – und gehen lieber auf Nummer sicher.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.