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Vegetarisches Fast Food : Wollen wir wirklich Hamburger aus dem Labor?

Nestlé präsentiert den vegetarischen „Incredible Burger“ auf der Grüne Woche im Januar 2019 in Berlin. Bild: EPA

McDonald’s und die Konkurrenz testen Burger auf Pflanzenbasis. Das wichtigste Argument der Anbieter ist die Annahme, dass pflanzliche Nahrung besser sei als Fleisch. Dabei steckt in dem vegetarischen Fast Food viel Chemie.

          Die Aktien der kalifornischen Firma Beyond Meat sind seit dem 1. Mai an der Börse zu handeln. Das Debüt hat eine Jagd nach dem Wertpapier ausgelöst. Fleisch, das wie Fleisch schmeckt, wie Fleisch aussieht  und einen vergleichbare Textur hat, aber in Wahrheit kein Fleisch ist: Das verspricht einen gewaltigen Markt. Das Unternehmen Beyond Meat ist gerade zehn Jahre alt und erzielte voriges Jahr einen Umsatz von 88 Millionen Dollar bei knapp 30 Millionen Dollar Verlust. Das tut der Erfolgsstory keinen Abbruch: Die Börse bewertet Beyond Meat aktuell mit vier Milliarden Dollar.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Burger auf Pflanzenbasis sind die wichtigsten Produkte der Firma, die in rund 15.000 Supermärkten in den Vereinigten Staaten zu haben sind. Das Management legt Wert darauf, dass die pflanzlichen Burger an der Fleischtheke verkauft werden und nicht von Regalen mit Vegetarier-Produkten.

          Beyond Meat ist nicht allein: Tyson, einer der größten Fleischkonzerne in den Vereinigten Staaten testet ebenfalls Fake-Fleischprodukte auf pflanzlicher Basis, und will im Sommer dieses Jahres erste Produkte auf den Markt bringen. Burger King bieten Fake-Burger der jungen Firma Impossible Burger in 7200 Schnellrestaurants an, die Fast-Food-Kette Carl’s macht dasselbe in 1000 Niederlassungen. Und McDonald’s testet ausgerechnet in Deutschland den Big Vegan TS, die Bratlinge stammen von Nestlé. Die Firma hat selbst Ambitionen in dem Markt.

          Pflanzlich ist nicht immer gleich gesund

          Es ist ein echter Hype um die Burger auf pflanzlicher Basis ausgebrochen. Die Firma Impossible Burger konnte zeitweise der Nachfrage nicht standhalten und musste Gastwirte vertrösten – zumindest nach eigenen Angaben. Neben Vegetariern gehören Kunden zur Zielgruppe, die dem Tierwohl und dem Umweltschutz hohe Priorität beimessen. Das wichtigste Argument der Anbieter aber ist die Behauptung, die pflanzliche Variante sei gesünder als das echte Hackfleisch. Pflanzliche Lebensmittel sind besser als Fleisch, lautet die schlichte Vorstellung, die einen großen Ernährungstrend kennzeichnet.

          Allerdings könnte dem Pflanzen-Burger ein anderer Ernährungstrend in die Quere kommen: Konsumenten versuchen sich von weiterverarbeiteter Nahrung abzuwenden. Hier haben die Fake-Burger-Produzenten weniger gute Argumente: Ihre Listen der Inhaltsstoffe sind lang und nur für Lebensmittelchemikern gut zu verstehen. Das ist wiederum keine Wunder. Sie waren es ja auch, die die Fake-Burger im Labor entwickelt haben – für 80 Millionen Dollar im Fall des Impossible Burgers. Ausgerechnet Soja liefert dem Burger das Protein. Beim Beyond Burger kommt das Protein von Erbsen. Es ist häufig in veganen Produkten anzutreffendes Protein, das aber von Wissenschaftler zunehmend mit allergischen Schocks bei Kindern in Zusammenhang gebracht wird.

          Fleisch dagegen erfährt langsam eine Rehabilitierung durch Teile der Wissenschaft und als wichtiger Bestandteil der zunehmend beliebten Keto-Diät, die vor allem Zucker und Kohlehydrate meidet. Die Inhaltsstoffliste eines Steaks kann zudem kurz und knapp gehalten werden: Da muss nur Rindfleisch stehen.

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