https://www.faz.net/-gv6-agvg3

Vegane Lebensmittel : Pflanzliches für die Börse

Jan Bredack, Gründer von Veganz Bild: Andreas Pein

Vegane Lebensmittel sind bei den Kunden beliebt. Der Anbieter Veganz will damit nun auch Anleger erfreuen.

          2 Min.

          Vegane Alternativen für Milch, Fleisch oder Käse sind in Supermärkten hierzulande längst etabliert, am deutschen Finanzmarkt haben sie bisher nur eine Nebenrolle gespielt. Das könnte sich bald ändern, denn nun will der erste Anbieter für pflanzliche Lebensmittel das Börsenparkett in Deutschland betreten. Das Berliner Unternehmen Veganz strebt eine Erstnotiz im Freiverkehr der Frankfurter Börse an, wie das Veganz am Mittwoch mitteilte. Das Gesamtvolumen soll voraussichtlich 50 Millionen Euro betragen, wobei der Verkauf neuer Aktien rund 35 Millionen einbringen soll. Das Geld soll unter anderem in den Ausbau der eigenen Produktion fließen. Wann der Börsengang erfolgen soll, steht noch nicht fest.

          Stefanie Diemand
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Erster zu sein, ist Veganz-Gründer Jan Bredack gewohnt: Gegründet im Jahr 2011, war Veganz das erste Unternehmen, das in Deutschland vegane Lebensmittel über eine breite Produktpalette populär machte. Gestartet als veganer Supermarkt in Berlin, fokussiert sich das Unternehmen heute vor allem auf die rund 120 Produkte im Sortiment, die es inzwischen über Edeka, Rewe, aber auch in den Discountern von Aldi und Lidl vertreibt.

          Wenig Glamour, aber solide Käufergruppe

          Warum strebt das ehemalige Start-up nun an die Börse? „Wir haben uns klar für die Börse zur Wachstumsfinanzierung entschieden“, sagt Bredack der F.A.Z., der derzeit 26,3 Prozent der Anteile von Veganz hält. „Es wird von mir auch keinen Exit geben“, sagt er. Um das zu verdeutlichen, habe er zugestimmt, seine Aktien über eine Sperrfrist mindestens drei Jahre zu halten. Schon der Schritt in den Discounter sei vor rund zwei Jahren ein großer Schritt für das Lebensmittelunternehmen gewesen, um mehr Kunden zu erreichen. „Nun sollen unsere Fans auch mit dem Börsengang die Möglichkeit haben, am Unternehmen teilzuhaben.“

          Neben diesen Anhängern dürfte Bredack aber auch das Beispiel anderer Anbieter veganer Produkte im Sinn haben. So sorgte in diesem Jahr der Börsengang von Oatly an der New Yorker Börse für Furore: Der schwedische Hafermilch-Hersteller erreichte an der Nasdaq einen Börsenwert von 10 Milliarden Dollar bei einem Preis pro Aktie von 17 Dollar. Am ersten Handelstag stieg die Aktie beinahe 30 Prozent auf 22 Dollar, heute notiert sie jedoch deutlich darunter. Auch Beyond Meat wagte sich mit Fleischalternativen schon an die Börse. Mit Veganz würde sich nun ein deutsches Unternehmen einreihen, sagt Marktanalyst Konstantin Oldenburger vom Handelshaus CMC. „Zwar mit weniger Glamour, dafür aber mit einer soliden deutschen Käufergruppe.“

          Dass Veganz noch kein Oatly ist, weiß auch Bredack: „Wir sind Player in einem Nischenmarkt, der aber rasant wächst.“ Das Potential für vegane Lebensmittel sei jedoch riesig: Immer mehr Menschen haben während der Pandemie auf ihre Ernährung geachtet, sagt auch Benjamin Morach, Partner der Unternehmensberatung BCG. „Das hat auch im Bereich der pflanzlichen Proteine zu einer deutlichen Beschleunigung geführt.“ Eine Studie der Unternehmensberatung geht davon aus, dass der Markt rund 290 Milliarden Dollar groß werden könnte.

          Bredack sieht für sein Unternehmen vor allem in einem Segment das größte Wachstumspotential: dem veganen Käse. „Der Markt für Käse ist größer als der für Wurst“, sagt er. Und bisher seien die Alternativen für konventionellen Käse noch nicht gut genug. Aus diesem Grund will Veganz mit den Erlösen aus dem Börsengang in Brandenburg die größte Produktionsstätte für Käsealternativen in Europa bauen. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen schon eine Produktionsstätte für Weichkäsealternativen errichtet.

          Wie erfolgreich Anbieter wie Veganz letztlich sein werden, ist für Marktbeobachter trotz aller Euphorie noch nicht ausgemacht. Längst haben auch Konzerne wie Nestlé oder Unilever den veganen Markt für sich entdeckt. „Der starke Wettbewerb in diesem Segment dürfte in Zukunft anhalten und es kleineren Unternehmen schwer machen, die bisherigen hohen Wachstumsraten zu halten“, sagt jedenfalls Marktanalyst Oldenburger. „Aufgrund seiner Spezialisierung könnte Veganz allerdings durch seine Größe und die damit verbundene Flexibilität und Innovationsfreude einen Vorteil gegenüber den großen Lebensmittelherstellern haben.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Julian Reichelt

          Der Fall Julian Reichelt : Mut, nicht Hochmut

          Der „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt ist seinen Job los. Bei seinem Betragen ist das nur angemessen. Springer-Chef Döpfner hält ihn indes für einen „Rebellen“. Das ist der falsche Begriff.
          Für ihr seit 2014 laufendes Projekt „100Jährige“ lichtet  die Fotografin Katharina Alt, selbst Jahrgang 1980,   hundertjährige oder noch ältere Menschen ab, vor allem in München.   Die ehemalige Schauspielerin Agnes Seuss posiert  hier lachend in Weiß, sie wurde  am 22. Juni 1915 geboren.

          Psychologie des Alters : Hundert und glücklich

          Immer mehr Menschen werden älter als 100 Jahre. Was Hundertjährige glücklich macht, wie sie die Pandemie erlebten und warum es sich lohnen kann, auf einer Insel zu leben, erzählt die Alterspsychologin Daniela Jopp.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.