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Made in Space : Eine Fabrik im Weltraum

Blick auf den Mond Bild: AP

Die Vereinigten Staaten wollen zurück zum Mond. Dabei sollen private Unternehmen helfen. Ein Partner der Raumfahrtbehörde Nasa ist auf 3D-Druck im All spezialisiert.

          An diesem Wochenende feiert Amerika den fünfzigsten Jahrestag der Mondlandung. Am 21. Juli 1969 betrat Neil Armstrong im Rahmen der Apollo 11-Mission als erster Mensch den Mond. Bis 1972 haben die Amerikaner insgesamt zwölf Astronauten zum Mond gebracht. Diese glorreichen Zeiten der amerikanischen Raumfahrt sind heute freilich eine entfernte Erinnerung. Seit dem Ende des Spaceshuttle-Programms im Jahr 2011 führt die Raumfahrtbehörde Nasa nicht einmal mehr bemannte Missionen ins Weltall durch. Wenn die Amerikaner Astronauten ins All bringen wollen, müssen sie heute Plätze in russischen Sojus-Maschinen buchen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das soll sich aber ändern. Mit Hilfe privater Unternehmen wie Space X wollen die Amerikaner bald wieder Astronauten in den Weltraum befördern. Auch eine Rückkehr zum Mond ist in Vorbereitung und wird seit kurzem verstärkt forciert. Präsident Donald Trump hat die Nasa angewiesen, ihre Arbeit an Missionen zum Mond zu beschleunigen. Statt wie zuvor geplant bis 2028 soll die Nasa nun schon 2024 Astronauten zum Mond bringen, darunter soll dann auch erstmals eine Frau sein. Dies wäre das letzte volle Jahr in einer zweiten Amtszeit von Trump, falls er wiedergewählt wird. Bis 2028 solle es dann „eine nachhaltige menschliche Präsenz“ auf dem Mond geben. Das Mondprojekt trägt den Namen „Artemis“, nach der Mondgöttin und Zwillingsschwester von Apollo in der griechischen Mythologie. Und die Erkenntnisse, die auf dem Mond gewonnen werden, sollen der Nasa helfen, eines Tages Astronauten zum Mars fliegen zu lassen.

          Bündnisse mit privaten Unternehmen

          Auch bei diesen Plänen für Missionen zum Mond und zum Mars setzen die Amerikaner auf die Hilfe privater Unternehmen. Und sie beschränken sich bei der Suche nach Partnern nicht auf prominente Branchenadressen wie etwa Space X. Es gibt in Amerika eine rege Start-Up-Szene von jungen Unternehmen, die ambitionierte Weltraumprojekte verfolgen, und die Nasa hat sich mit einer ganzen Reihe von ihnen verbündet. Vor wenigen Tagen vergab sie zum Beispiel einen Auftrag im Wert von mehr als 70 Millionen Dollar an Made in Space, ein 2010 gegründetes Unternehmen aus dem kalifornischen Silicon Valley. Made in Space hat sich darauf spezialisiert, großvolumige Ausrüstung und Bauteile für den Weltraum direkt im All per 3D-Druck zu produzieren, also Dinge, die wegen ihrer Größe nicht so leicht ins All befördert werden können. Das Unternehmen entwickelt ein kleines Raumschiff mit dem Namen „Archinaut One“, das wie eine Fabrik im Weltall arbeiten soll. Das Abkommen mit der Nasa sieht vor, Archinaut One in einer erdnahen Umlaufbahn mit 3D-Druck selbständig zwei große Solaranlagen fertigen zu lassen, die Strom für einen Satelliten liefern sollen. Diese Konstruktionen sollen in der Lage sein, fünf Mal so viel Strom zu erzeugen wie traditionelle Solaranlagen im Weltraum. Archinaut One soll mit einer Rakete von Neuseeland aus ins All gebracht werden, die Mission soll frühestens 2022 starten.

          Jim Reuter aus der Nasa-Führung beschrieb Produktionstechnologie für den Weltraum, wie sie Made in Space anbietet, als „transformierend“ und einen „Game Changer“. Sie könne eine wichtige Rolle für die Mond- und Mars-Projekte Amerikas spielen. Dabei sind die Solaranlagen in der nun geschlossenen Vereinbarung aus Sicht der Nasa offenbar nur eine von vielen denkbaren Einsatzmöglichkeiten. Nach ihren Angaben könnte es die Technologie zum Beispiel auch erlauben, Kommunikationsantennen oder große Weltraumteleskope zu fertigen. Sie könnte auch Aufgaben erledigen, für die bislang Astronauten benötigt werden, und das mit diesen Arbeiten verbundene Risiko eliminieren. Made in Space hat nach Angaben der Nasa seine Technologie schon in einem Betrieb der Behörde in Kalifornien, in dem weltraumähnliche Bedingungen nachgestellt sind, erprobt und größere Strukturen gefertigt. Außerdem sind 3D-Drucker von Made in Space in der Raumstation ISS im Einsatz und produzieren dort Bauteile und Werkzeuge.

          Made in Space stellt sich eine Zukunft vor, in der Leben und Arbeiten im Weltraum zum Alltag gehören. Eine ganz ähnliche Vision hat auch das Unternehmen Blue Origin, ein Nebenprojekt von Jeff Bezos, dem Gründer des Online-Händlers Amazon.com. Blue Origin spricht sogar von einer Zukunft, in der „Millionen von Menschen“ im All leben und arbeiten. Das Unternehmen hat auch konkrete Pläne für Mondmissionen und ließ erst kürzlich mit einem ambitionierten Vorhaben aufhorchen. Es stellte eine Landefähre vor, die Frachten und irgendwann auch Menschen zum Mond bringen soll. Bezos dienste sich dabei der amerikanischen Regierung als möglicher Partner an und sagte, Blue Origin könne ihr bei der geplanten Rückkehr zum Mond helfen. „Es ist Zeit, auf den Mond zurückzukehren, und dieses Mal, um zu bleiben.“

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