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Rede des Fed-Chefs : Amerikas Notenbank ändert in der Krise ihre Geldpolitik

Fed-Präsident Jerome Powell Bild: AP

In einer Grundsatzrede verkündet der Chef der amerikanischen Notenbank eine Neuausrichtung der Federal Reserve. Künftig will Jerome Powell mehr Inflation zulassen. Ein stärkeres Gewicht bekommt auch die Verfolgung eines andere Ziels.

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          Der Chef der Federal Reserve, Jerome Powell, hat eine Neuausrichtung der Geldpolitik verkündet. In seiner mit Spannung erwarteten Grundsatzrede im Rahmen des Jackson Hole-Symposiums kündigte er ein neues Inflationsziel an: Statt mit geldpolitischen Werkzeugen beständig zu versuchen, die Inflationszielmarke von zwei Prozent zu erreichen, will die Fed vorübergehend eine höhere Inflation gestatten, wenn zuvor die Zielmarke von zwei Prozent unterschritten wurde.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Zwei Prozent Inflation bleiben demzufolge zwar die Zielmarke, gelten jetzt aber als Durchschnittswert über einen längeren Zeitraum. Powell stellte klar, dass die Fed sich nicht an einer mathematischen Formel orientieren werde, um das Ziel zu erreichen. Stattdessen folge die Notenbank einer flexiblen Form der in Fachkreisen „average inflation targeting“  genannten Geldpolitik.

          Ein stärkeres Gewicht in der künftigen Geldpolitik bekommt Powell zufolge auch die Verfolgung des Ziels „Maximale Beschäftigung“. Früher habe es manchmal als angemessen gegolten, die Geldpolitik zu straffen, wenn der Arbeitsmarkt heiß zu laufen drohte. Damit wollte die Fed eine drohende Inflation abwenden. In Zukunft wollen die Zentralbanker ein hohes Beschäftigungsniveau, das maximale Erwartungen übertrifft, ohne Intervention laufen lassen – es sei denn, Zeichen für wachsende Inflation tauchten plötzlich auf. Wenn dagegen die Beschäftigung unter dem angestrebten Maximalniveau liegt, wird die Fed nach Powells Angaben aktiv versuchen, mit ihren geldpolitischen Werkzeugen dagegen zu steuern.

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          Die Entscheidung  zur Änderung der Geldpolitik ist laut Powell einmütig gefallen. Sie ist das Ergebnis eines anderthalb Jahre währenden Prüfungsverfahrens, an dem sich Forscher, Zentralbanker und die Öffentlichkeit beteiligt haben. Ausgelöst wurde das Verfahren, um die Geldpolitik an jüngere, gleichwohl fundamentale Entwicklungen in der Volkswirtschaft anzupassen. Dazu gehören laut Powell die schrumpfenden Wachstumsraten in Industrieländern, die geringen Inflationstendenzen trotz eines nahezu vollbeschäftigten Arbeitsmarktes und die positiven Wirkungen heiß laufender Arbeitsmärkte für arme und gesellschaftlich abgehängte Teile der Bevölkerung.

          Zentral war aber für die Fed offenbar die Erkenntnis, dass der natürliche Zins sich gefährlich der Nulllinie nähert und damit den Spielraum für die Geldpolitik einzuschränken drohte.

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          Powells Rede war von den  Finanzmärkten mit besonderer Spannung erwartet worden. Das diesjährige Jackson Hole-Symposium findet nicht wie gewöhnlich in einem Hotelresort in Wyoming statt, sondern virtuell. Es steht unter dem Motto: “Navigating the decade ahead: Implications for Monetary policy”. 

          Zur zweitägigen Konferenz, die komplett auf Youtube übertragen wird, kommen Zentralbanker, Forscher, Finanzmarktakteure und Medienvertreter virtuell zusammen. Auf der Agenda stehen Grundsatzfragen wie die schrumpfenden Wachstumsraten und die niedrigen Zinsen.         

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