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Amerika gegen China : Kursverluste für Chiphersteller – Infineon minus 6 Prozent

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Die Anleger verkauften nun auch Infineon-Titel. Bild: dpa

Der Streit zwischen den größten Volkswirtschaften der Welt belastete die Börse. Besonders eine Ankündigung aus Amerika erschreckt die Anleger.

          Sorgen vor den Folgen des andauernden Wirtschaftsstreits zwischen Amerika und China lasteten zum Wochenschluss auf der Stimmung der Anleger und führten zu Kursverlusten auf breiter Front. Besonders das Vorgehen der Regierung in Washington gegen chinesische Technik-Unternehmen besorgt zunehmen, der amerikanische Chiphersteller Broadcom kündigte nun weniger Geschäft an. „Wenn ein Großkonzern einen deutlichen Nachfragerückgang wegen des Zollstreits und der Huawei-Sanktionen meldet, drückt das auf die Stimmung“, sagte Händler Mark Taylor vom Londoner Investmenthaus Mirabaud Securities.

          In Deutschland verloren die Titel des Halbleiterherstellers Infineon infolgedessen beinahe 6 Prozent an Wert und markierten den niedrigsten Stand seit beinahe drei Jahren. Die Aktienkurse von Dialog Semiconductor und Siltronic gaben jeweils 2,5 Prozent nach, Titel von AMS notierten 4,8 Prozent schwächer, der Kurs der STMicroelectronics-Anteile fiel um 2,8 Prozent. Der kalifornische Hersteller befürchtet wegen der Restriktionen gegen den chinesischen Huawei-Konzern einen Nachfrage-Einbruch.

          „Die protektionistische Politik der Vereinigten Staaten zeigt sich immer deutlicher in der weltwirtschaftlichen Entwicklung“, fasste DZ-Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier zusammen. Der Dax verlor im Tagesverlauf 0,7 Prozent auf 12.085 Punkte, der Euro Stoxx 50 gab ein halbes Prozent auf 3374 Zähler nach.

          In den Fokus der Anleger rückt zusehends auch der Streit mit Iran. „Aus der noch relativ entspannten Haltung der Anleger kann nach den jüngsten Angriffen auf Tanker im Golf von Oman schnell Unsicherheit und Nervosität werden“, sagte Marktexperte Milan Cutkovic vom Handelshaus AxiTrader. Die wegen des Konflikts zuletzt stark gestiegenen Ölpreise gingen am Freitag etwas zurück – die führende Nordseesorte Brent notierte 0,5 Prozent schwächer bei 61 Dollar das Fass.

          Angesichts der zunehmenden geopolitischen Risiken griffen Investoren verstärkt zu Anleihen. Im Gegenzug markierten die Renditen europäischer Staatstitel mehrjährige Tiefststände. Die Verzinsung der zehnjährigen Bundesanleihen fiel um anderthalb Basispunkte auf minus 0,261 Prozent. Die spanischen Papiere rentierten erstmals unter 0,5 Prozent.

          Die zunehmende Lockerungsbereitschaft der Notenbanken drückt ebenfalls auf die Verzinsung von Anleihen. Amerikas Notenbankpräsident Jerome Powell hatte jüngst eine „angemessene Reaktion“ auf Auswirkungen des Handelsstreits angekündigt und damit die Tür für eine Zinssenkung aufgestoßen.

          Auch wenn die Finanzmärkte für die am Mittwoch anstehende geldpolitische Entscheidung noch keinen solchen Schritt erwarten, dürften die Währungshüter in Washington doch zumindest die Weichen in diese Richtung stellen. Voriges Jahr hatte die Fed wegen der brummenden Wirtschaft den geldpolitischen Schlüsselsatz vier Mal angehoben, zuletzt im Dezember auf die Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent.

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