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Amerikanische Notenbank : Endlich steigen die Zinsen

Amerikanische Notenbank: Die letzte Zinserhöhung im Juni 2006 ist fast zehn Jahre her. Bild: dpa

Die amerikanische Notenbank will heute Abend die Leitzinsen erhöhen. Zum ersten Mal seit zehn Jahren. Eine Zeitenwende.

          Seit zwei Jahren wird darüber diskutiert, jetzt soll es endlich geschehen: Alle Anzeichen deuten auf eine Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank in der kommenden Woche hin. Heute Abend deutscher Zeit sollen wir es erfahren. Es ist ein historischer Einschnitt. Er weckt große Ängste – auf der ganzen Welt.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Denn noch nie waren die Leitzinsen so niedrig gewesen. Auf 0 bis 0,25 Prozent hat die Fed die Leitzinsen heruntergeschraubt. Damit haben sich alle bequem eingerichtet, nicht nur in Amerika, überall sind die Zinsen rekordniedrig: Hausbesitzer wie Konsumenten erfreuen sich an billigen Krediten, Finanzminister könnten sich nichts Schöneres vorstellen. Und auch die Aktienmärkte jubeln seit Jahren über fast verschenktes Geld.

          Denn die niedrigen Zinsen lockten auch so lange wie nie zuvor. Die letzte Zinserhöhung im Juni 2006 ist fast zehn Jahre her. Eine ganze Generation von jungen Händlern in den Handelssälen der Banken weiß gar nicht mehr, was bei steigenden Zinsen an den Märkten passiert. Das macht nervös. Die Erinnerungen an frühere Zinswenden beunruhigen. „Zwischen 1960 und 1980 beendeten sie sehr häufig abrupt einen Börsenaufschwung, da damals die Notenbanken in einem Umfeld hoher Inflation eine sehr erratische Notenbankpolitik verfolgten“, sagt Andreas Hürkamp, Chefaktienstratege der Commerzbank. „Nach der ersten Zinserhöhung stiegen die Zinsen damals regelmäßig schnell und stark nach oben.“

          Aber auch danach brachten Zinswenden die Börsen immer durcheinander, gefreut hat sich keiner. Das ist auch nicht überraschend, schließlich verteuern sich zum einen mit höheren Zinsen die Kredite, die Unternehmen für ihre Investitionen aufnehmen. Das schmälert die Gewinne. Zum anderen werden die künftigen Ergebnisse mit einem höheren Zinssatz auf die Gegenwart abgezinst und fallen dadurch niedriger aus. Beides reduziert das Kurspotential der Aktien. Auch diesmal haben die Anleger wieder diese Angst vor steigenden Zinsen.

          Aber ist sie wirklich berechtigt? Endet womöglich mit der Zinswende der lange Aufschwung an den Aktienmärkten? Zunächst einmal besteht kein Zweifel mehr daran, dass die Zinsen kommende Woche angehoben werden. Im September war das schon einmal erwartet worden, doch die Abschwächung in China ließ die Fed zögern. Diesmal sind keine Störmanöver in Sicht. Die Lage in China hat sich nicht weiter verschlechtert, die amerikanische Wirtschaft läuft gut, wie der jüngste Arbeitsmarktbericht Anfang Dezember unterstrich. Ihn hat die Fed besonders im Blick. Zudem hat Fed-Präsidentin Janet Yellen in den vergangenen Wochen immer deutlicher eine Zinserhöhung angekündigt. Sie kann gar nicht anders, als die Zinsen zu erhöhen. Andernfalls würde sie sich völlig unglaubwürdig machen. Die Märkte sehen es genauso. Sie erwarten derzeit eine Anhebung mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent. Höher war diese Zahl 2015 noch nie.

          Angenommen wird mehrheitlich eine Erhöhung des Zinskorridors von 0 bis 0,25 auf 0,25 bis 0,5 Prozent. Dieses Niveau ist immer noch äußerst wenig im Vergleich zu den 5 Prozent bei der bisher letzten Erhöhung 2006, den 10 Prozent Anfang der neunziger Jahre oder den 20 Prozent in den achtziger Jahren.

          Für Gold ist eine Zinserhöhung keine gute Nachricht

          Die Anhebung hat Folgen für alle Geldanlagen. Der Dollar profitiert von steigenden Zinsen, das würde den Euro, der in den vergangenen Tagen zugelegt hat, wieder etwas schwächen. Für Gold ist eine Zinserhöhung keine gute Nachricht. Es verliert dadurch an Wert, weil die Alternative „Anleihe“ ein wenig attraktiver wird. Auch Schwellenländer jubeln nicht, vor allem die mit hohem Leistungsbilanzdefizit, denn sie brauchen ausländisches, auch amerikanisches Kapital, um sich zu finanzieren. Gibt es aber in Amerika wieder mehr Zinsen zu verdienen, wird Geld aus den Schwellenländern in Richtung Übersee abgezogen.

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