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Reaktionen auf Janet Yellen : „Amerikanische Zinsen könnten bei Überhitzung steigen“

  • Aktualisiert am

Joe Biden und Janet Yellen planen Amerikas Zukunft. Bild: AP

Manchen Ökonomen meinen, die jüngsten Signale aus Washington seien ein Grund zum Aufhorchen. Deutet sich der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik an?

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          Die niedrigen Zinsen in den Vereinigten Staaten sind nicht in Stein gemeißelt. Das machte Finanzministerin Janet Yellen mit ihren jüngsten Äußerungen deutlich, wonach der geldpolitische Schlüsselsatz moderat angehoben werden könnte, sollte die Wirtschaft durch die Schubkraft der Billionen-Hilfen von Staat und Notenbank Überhitzungstendenzen zeigen. Zwar ist Yellen nicht mehr Notenbankpräsidentin. Doch ihre Worte haben durchaus Gewicht und werden an den Märkten sehr genau registriert: „Der Geist ist jetzt erst einmal aus der Flasche,“ meint NordLB-Fachmann Tobias Basse.

          Yellen hatte am Dienstag völlig überraschend in Bemerkungen für eine Online-Veranstaltung des Magazins „The Atlantic“ von einer möglicherweise notwendigen Zinsanhebung gesprochen. Es gehe dabei um „sehr moderate Erhöhungen.“ Später ruderte sie wieder etwas zurück. Sie gehe nicht davon aus, dass die Inflation ein Problem für die US-Konjunktur darstellen werde, sagte sie dem „Wall Street Journal“. Zu ihren früheren Äußerungen zu den Zinsen merkte sie an, weder sage sie höhere Zinsen voraus, noch empfehle sie eine Anhebung.

          Für Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner sind die Äußerungen der Finanzministerin, die von 2014 bis 2018 die Fed leitete, auf jeden Fall ein Grund aufzuhorchen: „Es deutet daraufhin, dass sich in den Reihen der Administration einige Gedanken machen, ob es nicht doch zu Inflationsrisiken kommt, aufgrund der gesamten Maßnahmen, die verabschiedet werden.“ Die Wirtschaft erhole sich deutlich schneller als noch vor einem halben Jahr gedacht: „Und da ist noch viel Öl ins Feuer gegossen worden mit den Fiskalprogrammen, die verabschiedet wurden und die Wirtschaft weiter anheizen.“

          Seit den Fed-Projektionen zu Konjunktur und Zinsen im März sind Weidensteiner zufolge relativ gute Wirtschaftsdaten hereingekommen. Falls der Arbeitsmarktbericht am Freitag wieder sehr stark werde, könne es vielleicht sein, dass die Fed ihre Wirtschaftsprojektionen noch mal anhebe. Dann könnten auch die als Zinsprojektionen der Währungshüter bekannten sogenannten „dot plots“ ein wenig in Bewegung geraten, meint der USA-Experte. „Ich glaube aber nicht, dass die Fed ein übergroßes Interesse daran hat, eine Diskussion vom Zaun zu brechen, dass der Ausstieg nahe kommt.“

          Aktuell liegt in den Vereinigten Staaten der Schlüsselsatz zur Versorgung der Wirtschaft mit Geld noch in der Spanne von null bis 0,25 Prozent. Zudem erwerben die Währungshüter um Notenbankchef Jerome Powell monatlich Wertpapiere im Volumen von 120 Milliarden Dollar. In ihren jüngsten Zinsprojektionen waren die Währungshüter im Mittel davon ausgegangen, dass der Leitzins noch bis Ende 2023 konstant bleibt. Die nächste Zinssitzung der Fed findet am 15. und 16. Juni statt.

          Ausstiegsdebatte wird kommen

          Aus Sicht von NordLB-Analyst Basse war es zu erwarten, dass man nach der letzten Zinssitzung angesichts der Dynamik der amerikanischen Wirtschaft in irgendeiner Form damit beginnen würde, Signale auszusenden, die in Richtung höherer Zinsen gehen. „Überraschend war aber, dass Frau Yellen in ihrer neuen Position als erste den Staffelstab in die Hand nimmt, da sie eigentlich als Emittentin von amerikanischen Staatsanleihen kein Interesse an diesem Zinsanstieg haben dürfte“, erläuterte er. Es sei eher zu erwarten gewesen, dass einer der regionalen Fed-Vertreter vorgeschickt werde, um zu testen, wie der Markt reagiere. „Das wäre der elegantere Weg gewesen“, meint der Fachmann.

          Die Fed knüpft das Ende ihrer Krisenpolitik bislang daran, dass substanzielle weitere Fortschritte auf dem Weg zu Vollbeschäftigung und Preisstabilität erreicht sind. Und dann dürften zunächst einmal die umfangreichen Anleihenkäufe der Notenbank abgeschmolzen werden. Weidensteiner verweist darauf, dass Notenbankchef Powell ein ums andere Mal betont habe, dass ein oder zwei starke Zahlen nicht ausreichten: Sie wollten eine ganze Reihe guter Wirtschaftsdaten sehen. Doch wenn sich der Trend zu einer durchgreifenden Konjunkturerholung fortsetze, wird dem Experten zufolge die Diskussion um eine weniger lockere Geldpolitik Fahrt aufnehmen: „Ob die Fed das will oder nicht.“

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