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Nachhaltigkeitsziele : Ermittlung gegen DWS wegen Verdacht auf Etikettenschwindel

Im Visier amerikanischer Behörden: die DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank Bild: Reuters

Die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank soll ihre nachhaltigen Anlagen überhöht ausgewiesen haben. Der Aktienkurs bricht um mehr als 10 Prozent ein.

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          Die amerikanische Börsenaufsicht SEC ermittelt einem Medienbericht zufolge gegen die Deutsche-Bank-Fondsgesellschaft DWS wegen des Verdachts auf Greenwashing. Die Aufseher prüfen, ob der Vermögensverwalter den Umfang seiner nachhaltigen Anlagen überhöht ausgewiesen und Beurteilungskriterien für nachhaltige Investments vernachlässigt hat. Die Grünfärberei kommt einem Etikettenschwindel gleich. Über die Ermittlungen berichtete zuerst das Wall Street Journal unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Die Ermittlungen der SEC und der Bundesstaatsanwaltschaft in Brooklyn befänden sich in einem frühen Stadium.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Aktienkurs der Fondsgesellschaft brach an den deutschen Börsen um fast 14 Prozent ein. Auch der Titel der Deutschen Bank verbilligte sich um mehr als 2 Prozent. Die DWS lehnte einen Kommentar zu dem Bericht ab. Hintergrund der Untersuchungen sind dem Wall Street Journal zufolge Vorwürfe von Desiree Fixler, der früheren Chefin der DWS-Abteilung für Nachhaltigkeit. Diese sei der Ansicht, Investitionen auf Basis von Nachhaltigkeitskriterien seien überbewertet worden. Fixler hatte diese Vorwürfe schon Wochen früher gegenüber dem „Wall Street Journal“ erhoben. Sie war im September 2020 zur DWS gekommen, musste aber nach der Probezeit wieder gehen.

          DWS GROUP GMBH+CO.KGAA ON

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          Im Mittelpunkt steht das Vermögen der DWS, das nach den Nachhaltigkeitskriterien für Umwelt (Environment), soziale Entwicklung (social) und gute Unternehmensführung (Governance) – nach den englischen Begriffen mit ESG abgekürzt – angelegt wird. In ihrem Geschäftsbericht 2020 hat die DWS 460 Milliarden Euro und damit mehr als die Hälfte des verwalteten Vermögens unter der Kategorie „ESG-Integration“ ausgewiesen. Doch handelt es sich dabei nur um Fondsvermögen, das auf die Nachhaltigkeit anhand von ESG-Daten geprüft wird, aber nicht unbedingt ESG-Kriterien erfüllt. Das verwaltete Vermögen mit ESG-Ansatz gab die DWS mit 76 Milliarden Euro an.

          Der Unterschied zwischen „ESG-Integration“ und „ESG-Ansatz“ wird im Geschäftsbericht erläutert, auch wenn nicht jeder Bilanzleser die Darstellung als transparent empfinden wird. Die DWS hatte nach der ersten Attacke Fixlers darauf verwiesen, dass eine unabhängige Drittfirma die Vorwürfe gründlich untersucht habe. „Der daraus resultierende Bericht besagt, dass keiner ihrer Vorwürfe auf der Grundlage von Fakten, einschließlich Greenwashing, erhoben wurde“, teilte die DWS Anfang August mit. Es ist davon auszugehen, dass Fixler die im „Wall Street Journal“ erhobenen Vorwürfe nun auch den US-Behörden gemeldet hat.

          Die Deutsche Bank und die DWS haben sich sehr stark der Nachhaltigkeit verschrieben und bauen das Geschäft deutlich aus. Immer mehr Anleger, institutionelle wie private, legen ihr Geld nach ESG-Kriterien an. Zum Teil werden große Kapitalsammelstellen wie Versicherer oder Pensionsfonds auch dazu gezwungen. Jedoch sind die ESG-Standards noch vage. Damit hat sich auch die DWS verteidigt: Die Standards und Normen seien noch nicht ausgereift und entwickelten sich noch.

          Allerdings arbeiten die Aufseher und die EU-Kommisssion an verbindlichen ESG-Kriterien. So plant die deutsche Finanzaufsicht BaFin eine Richtlinie für nachhaltige Anlagevermögen. Demnach soll eine Anlage nur dann als nachhaltig gelten, wenn die dahinterstehenden Vermögenswerte wesentlich zur Erreichung von Umweltzielen oder zur sozialen Entwicklung beitragen. Das bedeutet eine Mindestinvestitionsquote von 75 Prozent in nachhaltigen Anlagen. Dem deutschen Fondsverband BVI ist die Hürde zu hoch, weil diese mangels geeigneter Anlagen kaum zu nehmen sei. Um Etikettenschwindel – sogenanntes Greenwashing – zu verhindern, fordern Verbraucherschützer einheitliche Standards und Leitlinien für „grüne“ Investments.

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