https://www.faz.net/aktuell/finanzen/unitedhealth-aktionaere-lieben-diese-langweiler-aktie-18337173.html

Scherbaums Börse : UnitedHealth: Aktionäre lieben diese Langweiler-Aktie

  • -Aktualisiert am

Aktie im Blick: Campus von UnitedHealth im amerikanischen Minnetonka. Bild: AP

Krankenversicherung ist in den Vereinigten Staaten Privatsache. Einer der größten Anbieter im Gesundheitswesen ist UnitedHealth. Das Unternehmen erfreut sich dabei nicht nur bei seinen Kunden großer Beliebtheit, sondern auch bei seinen Aktionären.

          3 Min.

          Der MSCI World Index versucht die Entwicklung der Aktienmärkte in 23 sogenannten entwickelten Märkten abzubilden. Wenig überraschend, dass dabei die Vereinigten Staaten den Ton angeben. Ebenso wenig überraschend dürfte der Umstand sein, dass der iPhone-Konzern Apple mit einem Börsenwert von mehr als 2,5 Billionen Dollar zuletzt das größte Indexgewicht darstellte. Unter den Top Ten waren weitere amerikanische Konzerne wie Microsoft, Amazon, der Elektroautobauer Tesla oder die Google-Muttergesellschaft Alphabet zu finden. Mit der UnitedHealth Group Inc. war aber auch ein bei deutschen Anlegern weniger bekanntes Unternehmen vertreten.

          Langfristanleger konnten gute Renditen einfahren

          Der Versicherungs- und Gesundheitskonzern aus Minnetonka im Bundesstaat Minnesota sorgte zuletzt auch aus anderen Gründen an den Börsen für positive Nachrichten. Während die Aktienmärkte aufgrund steigender Leitzinsen, einer drohenden Rezession, der Unsicherheiten durch den Krieg in der Ukraine sowie der Lieferkettenprobleme schwächeln und beispielsweise der deutsche Dax seit Jahresbeginn rund 20 Prozent an Wert eingebüßt hat, liegt die UnitedHealth-Aktie für 2022 bisher sogar mit 2 Prozent im Plus. Dies klingt so gar nicht nach viel, ist angesichts der Marktgegebenheiten aber alles andere als selbstverständlich.

          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg. : Bild: Christoph Scherbaum

          Auch ein Blick auf den Langfrist-Chart dürfte Investoren erfreuen, den das UnitedHealth-Papier hat sich hervorragend entwickelt. Auf Zehnjahressicht legte der Kurs im Schnitt um 25 Prozent jährlich zu. Im Vergleich dazu fällt die Kursrendite des amerikanischen Börsenindex Dow Jones, in dem die Aktie gelistet ist, mit durchschnittlich 9 Prozent pro Jahr geradezu mickrig aus.

          Breites Produktportfolio in 150 Ländern

          UnitedHealth konzentriert sich auf Prämieneinnahmen im Zuge der Abdeckung verschiedener Risiken im Bereich der Krankenversicherung. Darüber hinaus werden weitere Produkte und Dienstleistungen im Gesundheitsbereich angeboten. Das Unternehmen ist in die beiden Bereiche Healthcare und Optum aufgeteilt, das Hauptgeschäft mit einem Umsatzanteil von knapp 80 Prozent wird aber im Versicherungssegment UnitedHealthcare. Dieses besteht aus den vier Bereichen Employer & Individual, Medicare & Retirement, Community & State sowie UnitedHealthcare Global. Bei letzteren werden medizinische und zahnmedizinische Leistungen für 7,7 Millionen Menschen in mehr als 150 Ländern weltweit angeboten.

          Bei Optum geht es derweil unter anderem um Dienstleistungen rund um eine medizinische Versorgung durch lokale Ärztegruppen oder ambulante Pflegedienste. Hinzu kommen Dienstleistungen in Bezug auf Daten, Analysen, Forschung, Beratung, Technologie und Managed-Services-Lösungen für Krankenhäuser, Ärzte, Gesundheitspläne, Regierungen und Life-Science-Unternehmen. Im Bereich Optum Rx sind schließlich verschiedene Apothekendienstleistungen zusammengefasst. Dabei nimmt die Bedeutung der Bereiche abseits des traditionellen Versicherungsgeschäfts zu.

          Amerikas Gesundheitssektor bleibt das Kerngeschäft

          Insbesondere in Amerika werden die steigenden Kosten der Gesundheitsversorgung deutlich. Mit seinen auf Daten und neuen Technologien basierenden Dienstleistungen will UnitedHealth dazu beitragen, dass die Kosten im Gesundheitssektor sinken. Eine Aufgabe, an der sich Generationen abarbeiten dürften und sich Unternehmen wie UnitedHealth daher einer hohen Nachfrage erfreuen sollten. Wie einträglich dieses Geschäft schon heute ist, zeigte sich unter anderem an den Zahlen zum zweiten Quartal, als der Konzern ein Umsatzplus im Vorjahresvergleich um 13 Prozent auf 80,3 Milliarden Dollar sowie prozentual zweistellige Zuwächse in beiden Sparten verbuchen konnte.

          Seitens der Charttechnik zeigt die Aktie Anlegern derzeit spannende Signale auf. Nach dem coronabedingten Rückschlag im März 2020 auf 188 Dollar startete die Aktie eine Kurs-Rallye, in der sich der Kurs innerhalb von zwei Jahren rund verdreifachte. Ein Rekordhoch im April 2022 bei 533 Dollar war das Ergebnis. Nachdem im Juni kurzfristig ein Rücksetzer auf 450 Dollar folgte, konnten sich die Notierungen inzwischen zeitweise wieder auf rund 510 Dollar nach oben arbeiten. Damit steht jetzt wieder das jüngste Allzeithoch im Fokus. Wird dieser Kurswiderstand überwunden, würde das ein neues, starkes Kaufsignal bedeuten. Das nächste Kursziel stellt sich dann auf die runde 600er-Marke.

          Spannende Charttechnik und solide Dividende

          Was die weitere Kursentwicklung anbelangt, sind auch Analystenhäuser mehrheitlich optimistisch gestimmt. Während nur zwei Branchenexperten die UnitedHealth-Aktie mit „reduzieren“ bewerten und drei zum „halten“ raten, sprechen sechs Analysten die Empfehlung „aufstocken“ aus, und 15 Experten raten zum Kauf. Zur letztgenannten Gruppe gehört beispielsweise Deutsche Bank Securities. Hier wurde Anfang September die bisherige Kaufempfehlung bestätigt, wobei das Kursziel von 556 auf 569 Dollar angehoben wurde. Noch zuversichtlicher ist zum Beispiel Mizuho Securities. Auch hier gibt es ein Kauf-Rating mit einem neuen Kursziel von 600 Dollar (zuvor: 550 Dollar).

          Auch für Dividenden-Fans ist UnitedHealth Group interessant. Seit inzwischen 22 Jahren gab es hier keine Senkung der Ausschüttung, und seit zwölf Jahren wurde die Dividende jährlich ohne Unterbrechung angehoben. Wegen der starken Kursentwicklung errechnet sich für Neuaktionäre zwar aktuell nur eine Dividendenrendite von 1,2 Prozent, für Langfristanleger ist das aber nur eine Momentaufnahme. Wer die Aktie beispielsweise vor zehn Jahren erwarb, kommt durch die jährlichen Dividendensteigerungen heute auf eine persönliche Dividendenrendite von 11,4 Prozent.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein pensionierter Sportlehrer leitet den Kurs „Fit im Alter“ im Gesundheitskiosk Hamburg-Billstedt.

          Streit um Gesundheitksioske : Einmal gesund werden, bitte

          Karl Lauterbach will, dass bundesweit Hunderte Gesundheitskioske entstehen. Ihr Nutzen ist umstritten, viele Kassen wollen das Geld lieber anders ausgeben. Ein Modellprojekt bangt schon um seine Zukunft.
          Stahlproduktion in Duisburg

          Wirtschaftslage in Deutschland : Wie schlimm wird die Rezession?

          Die deutsche Wirtschaft kommt trotz Energiekrise ohne katastrophale Schäden durch die kommenden Monate, versprechen Forscher. Doch in den Unternehmen geht die Angst um.
          Verena Hubertz, 34, ist stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag.

          Verena Hubertz : Plötzlich mächtig

          Gerade hat Verena Hubertz ein Start-up gegründet. Nun ist sie die wichtigste Wirtschaftspolitikerin der Kanzlerpartei. Eine Karriere mit Giga-Geschwindigkeit.

          2:0 gegen Mexiko : Argentinien wendet vorzeitiges Aus ab

          Superstar Lionel Messi führt Argentinien zum dringend benötigten Sieg über Mexiko. Der Superstar macht für die „Albiceleste“ den Unterschied. Weltklasse ist aber nur die Stimmung auf den Rängen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.