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Ungarn : Druck auf Forint dürfte anhalten

Ungarns Wirtschaftsminister Matolcsy Bild: REUTERS

Ungarn hat den IWF, den es vor wenigen Tagen noch abfällig bedachte, um Hilfe gebeten. Vorsorglich, wie es heißt. Ungarische Anlagen sollte man derzeit wohl eher skeptisch betrachten.

          Sehr umstritten ist die derzeitige ungarische Fidesz-Regierung. Nicht nur ihre Verfassungsänderungen, ihre Medien- und Minderheitenpolitik werden kritisch beäugt, sondern auch ihre Wirtschaftspolitik wurde zuletzt mit immer mehr Skepsis beäugt. Im vergangenen Jahr startete die Regierung mutig, überwarf sich mit dem Internationalen Währungsfonds, brummte ausländischen Konzernen Sondersteuern auf und führte eine Steuerreform durch, die das Wachstum fördern und darüber eine Sanierung des Staatshaushaltes ermöglichen sollte. Man pflegte demonstrativ Freundschaft mit China, um seine Unabhängigkeit zu demonstrieren.

          Ungarn bittet die „Institution mit drei Buchstaben“ um Hilfe

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Davon scheint nunmehr nicht mehr viel übrig zu sein. Noch vor vier Tagen hatte Wirtschaftsminister György Matolcsy im Parlament beteuert, Verhandlungen mit dem IWF seien ausgeschlossen, denn „diese Institution mit drei Buchstaben„ sei gegen jede Maßnahme, die die Ungarn aus der Bankenfalle retten würde. Am Sonntag bat das Land nun den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die EU-Kommission vorsorglich um finanzielle Unterstützung, nachdem das Land schon am Donnerstag überraschend angekündigt hatte, sich um Hilfen zu bemühen.

          Beobachter gehen davon aus, dass Ungarn einen weiteren Verfall seiner Kreditwürdigkeit verhindern könnte, sollte es in den Genuss neuer Hilfen kommen. Ungarn droht akut eine Herabstufung auf Ramsch-Status. Fitch hatte den Ausblick für das Rating von „BBB-„, mithin die schwächste Note für Emittenten von nicht-spekulativen Anleihen auf negativ gesenkt, Standard&Poor’s machten mit einem sogenannten „Credit Watch Negative“ deutlich, dass Ungarn genau auf die Abstufung zusteuert.

          Forint auf tiefstem Niveau

          Die Rating-Agenturen folgten damit nur den Sorgen der Märkte, die die unkonventionellen, aber vor allem wenig erfolgreichen Maßnahmen der Regierung Orbán immer mehr Misstrauen entgegenbrachten. Schon im August begann die Landeswährung Forint deutlich abzuwerten und fiel erst in diesem Monat auf ein Allzeittief von 315,85 Forint für den Euro – trotz der Krise der Gemeinschaftswährung. Erst die Aussichten auf Hilfen führten wieder zu einer leichten Erholung. Das formelle Hilfsersuchen aber lässt den Forint am Montag wieder abwerten.

          Die Renditen ungarischer Anleihen sind seit August ebenfalls drastisch gestiegen. Rentierte die im Februar 2013 fällige, mit 4,5 Prozent verzinste Euro-Anleihe Anfang August noch mit 3,52 Prozent, wird sie jetzt mit 6,9 Prozent fast doppelt so hoch gehandelt.

          „Die Regierung steht nicht unter besonderem zeitlichen Druck, eine Kreditvereinbarung zu erreichen“, hieß es in einem Kommentar der Citibank. Sie setze womöglich darauf, dass schon allein die Ankündigung von Gesprächen mit dem IWF etwas Ruhe in den Markt bringe. „Wir erwarten langwierige Verhandlungen und eine erhöhte Volatilität am Markt“, schlussfolgerten die Analysten der Citibank.

          Regierung wehrt sich gegen Sparmaßnahmen

          Die Probleme sind mit der Verhandlungsaufnahme nicht vom Tisch. Völlig offen ist, welche Art von Zusammenarbeit mit dem IWF in Frage kommt. Experten halten ein Stand-by-Abkommen für denkbar, oder ein so genanntes Precautionary Agreement, bei dem das Geld nur im äußersten Notfall abgerufen wird. In beiden Fällen müssten es sich die Regierenden Ungarns gefallen lassen, dass alle drei Monate eine IWF-Delegation die Staatsfinanzen unter die Lupe nimmt und schmerzhafte Spar-Forderungen stellt.

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