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Hohe Teuerung : Ungarns Zentralbank erhöht Leitzins um 185 Basispunkte

Die ungarische Notenbank vollführte am Dienstag einen ungewöhnlich großen Zinsschritt. Bild: REUTERS

Der Leitzinssatz der ungarischen Notenbank ist der höchste der Visegrad-Staaten. Damit soll dem Verfall des ungarischen Forint Einhalt geboten und die Inflation im Land beschränkt werden.

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          In Ungarn versucht die Notenbank das Gespenst der Inflation mit großen Anstrengungen zu vertreiben. Am Dienstag hat der Monetärrat (Magyar Nemzeti Bank MNB) den Leitzinssatz überraschend um 185 Basispunkte auf 7,75 Prozent angehoben. Das ist deutlich mehr als von Beobachtern erwartet und nunmehr der höchste Leitzins in der Region der Visegrad-Länder (Polen, Tschechische Republik, Slowakei und Ungarn).

          Michaela Seiser
          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Auch alle anderen Zinssätze wurden in Ungarn um 135 Basispunkte angehoben. Darauf reagierte der Markt an der Währungsfront mit Erleichterung. Für einen Euro mussten am Nachmittag weniger als 400 Forint bezahlt werden. Die Nationalwährung kam in den zurückliegenden Monaten verstärkt unter Druck. Zu Wochenbeginn erhöhte sich der Wechselkurs gegenüber dem Euro auf ein neues Allzeittief von 404 Forint. Die Preisteuerung dürfte in diesem Jahr trotz der von der nationalkonservativen Regierung verordneten Preisobergrenzen von Grundnahrungsmitteln und Treibstoffen zweistellig ausfallen.

          Dagegen hatten die Geldpolitiker nun ein Signal gesetzt. Denn der HUF wäre unter sofortigen Abwärtsdruck geraten könnte, falls die MNB die Erwartungen einfach ignoriert und die Zinsen lediglich um 0,5 Prozentpunkte angehoben hätte. Auch sind die fundamentalen Rahmenbedingungen ungünstig. Schließlich gibt es kräftige Lohnsteigerungen zur Bewältigung der höheren Lebenshaltungskosten. Dadurch wird eine Lohn-Preis-Spirale in Gang gesetzt.

          Seit sich die Inflation zu Beginn des letzten Jahres beschleunigen begann, führten die zentral- und osteuropäischen Zentralbanken eine aus absoluter Sicht passable geldpolitische Straffung durch, findet die Commerzbank. Doch seien die Realzinsen teilweise inzwischen negativer als zu Beginn des Straffungszyklus, weist Tatha Ghose auf die Schwierigkeiten hin, auf einen normalen Pfad zurückzufinden. Der schwache Forint zwingt die MNB zu einer rasanten Beschleunigung des Zinskarusells. Dabei ist die Kerninflation ungeachtet der Preisstopp-Maßnahmen bereits im europäischen Spitzenfeld angelangt, weil zu viel Inflation importiert wird.

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