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Nordkorea : Kim Jong-uns Hacker erbeuten 2 Milliarden Dollar

Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un: Ein teures Raketenprogramm muss finanziert werden. Bild: AP

Nach einem vertraulichen UN-Bericht finanziert Nordkorea sein Raketenprogramm mit Hilfe von Hackern. Angriffsziele sind Banken und Bitcoin-Börsen.

          Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un hat am Dienstag abermals Raketentests durchgeführt. Es ist der vierte Test binnen zwei Wochen gewesen, was nicht nur in Südkorea mit Sorge verfolgt wird. Nun zeigt ein vertraulicher Bericht der Vereinten Nationen (UN), wie Nordkoreas Machthaber die Sanktionen umgeht, um sein Atomraketenprogramm zu finanzieren: über Hackerangriffe auf Banken und auf Börsen für Kryptowerte wie Bitcoin.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In dem UN-Bericht, den die Nachrichtenagentur Reuters eingesehen hat,  wird die Beute Nordkoreas aus Cyber-Überfällen auf 2 Milliarden Dollar geschätzt. Angesichts einer wirtschaftlichen Jahresleistung von 20 Milliarden Dollar ist das eine enorme Summe. Die Cyber-Angriffe beschreiben die Autoren als „weit gestreut und zunehmend raffinierter“.

          In den vergangenen Jahren nahmen Nordkoreas Hacker verstärkt die Börsen für Bitcoin und andere Kryptowerte unter Beschuss. Das Internet soll nicht nur für die Angriffe verwendet werden, sondern auch zum Waschen der gestohlenen Gelder. Trotz der intensiven Kontakte zwischen Amerikas Präsident Donald Trump und Kim Jong-un vermuten amerikanische Behörden schon seit langem Nordkorea hinter einigen der folgenreichsten Hackerangriffe der vergangenen Jahre.

          Klage gegen Hacker

          Im September 2018 erhoben die Vereinigten Staaten erstmals Klage gegen einen Nordkoreaner, der im Auftrag des Regimes an diesen Cyberattacken beteiligt gewesen sein soll. Dazu soll auch die Verbreitung des Schadprogramms „Wannacry 2.0“ gehören, das im Frühjahr 2017 weltweit Computersysteme von Unternehmen und Institutionen lahmlegte.

          Der Hacker im Auftrag Pjöngjangs heißt Park Jin-hyok. Das FBI fahndet nach ihm unter der Rubrik „meist gesucht“. Park Jin-hyok soll auch am Angriff auf Tausende Computer von Sony Pictures im Jahr 2014 beteiligt gewesen sein, mit dem mutmaßlich die Ausstrahlung eines Satirefilms über Kim Jong-un verhindert werden sollte, sowie am größten virtuellen Bankraub der Geschichte, bei dem 81 Millionen Dollar von der Zentralbank Bangladeschs entwendet wurden.

          In dem UN-Bericht wird als Urheber der Cyber-Angriffe der nordkoreanische Geheimdienst RGB genannt. Auch die Einheit des von den Vereinigten Staaten angeklagten Hackers soll dem RGB unterstellt gewesen sein.  

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