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Umfrage zu Corona-Folgen : Viele junge Leute können ihre Miete kaum zahlen

Wohnungsbesichtigung: Die Miete ist der größte Ausgabeposten vieler Haushalte Bild: dpa

Für die meisten Deutschen ist die wirtschaftliche Krise nicht existenzbedrohend. Doch Arbeitslosigkeit oder geringere Verdienste machen sich vor allem für Jüngere finanziell bemerkbar.

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          Das Coronavirus und die dadurch ausgelöste wirtschaftliche Krise haben für viele Deutsche negative finanzielle Folgen. Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit oder der Ausfall von wichtigen Einnahmen belastet so manches Haushaltsbudget und schafft viele Sorgen. Doch in echte Zahlungsschwierigkeiten sind bisher wohl nur vergleichsweise wenige Menschen geraten. Dies jedenfalls ergibt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos zur finanziellen Situation der Deutschen und ihrem Konsumverhalten, die im Auftrag der ING Bank im Mai durchgeführt wurde. „Die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise scheinen für einen Großteil der Deutschen zum Glück noch nicht existenzbedrohend zu sein“, sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Deutschland. Es bleibe aber abzuwarten, ob der wirtschaftliche Schaden in den kommenden Monaten noch größer werde und in welchem Ausmaß die Konjunkturpakete der Bundesregierung zündeten.

          Notgroschen angebrochen

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Obwohl die Pandemie negativen Einfluss auf die eigenen Finanzen habe, befände sich ein Großteil der Deutschen laut eigener Aussage nicht in Zahlungsschwierigkeiten, sagen die Fachleute der ING. Fast jeder fünfte Befragte hätte allerdings angeben, deswegen seinen Notgroschen angebrochen zu haben. Und etwa jeder Siebte hätte gesagt, neue beziehungsweise zusätzliche Kredite aufgenommen haben zu müssen. Mit der Zahlung der Miete oder der Raten zum Beispiel für die Baufinanzierung in Verzug geraten sind wegen der Corona-Krise eigenen Angaben zufolge 14 Prozent der Befragten. Viele Vermieter haben sich aber auch hilfsbereit und großzügig gezeigt und verminderte oder zumindest verzögerte Mietzahlungen akzeptiert. Zum Teil haben sie auch ganz darauf verzichtet.

          Wenn es um den Konsum geht, dann üben sich viele Bundesbürger derzeit aber lieber doch im Verzicht – nicht nur aus rein finanziellen Gründen oder Unsicherheit über die Zukunft. Denn nicht wenige Menschen halten die Maskenpflicht oder die Sorge vor Ansteckung davon ab, einfach mal wieder Bummeln zu gehen. Und wenn man abends nicht mehr so oft ausgeht, dann lohnt sich auch der Kauf des neuen Kleides oder des schicken Anzugs weniger. Solcherlei spüren vor allem Bekleidungsindustrie und Luxushersteller.

          Laut der Umfrage zeigen sich viele Bundesbürger aber vor allem zurückhaltend, wenn es um größere Anschaffungen geht. 43 Prozent der Befragten gaben an, diese lieber erst einmal aufschieben zu wollen. Ein Drittel will dagegen nicht verzichten. Im Durchschnitt jeweils rund jeder Zweite geht davon aus, für Nahrungsmittel, Gesundheit, Mobilfunk-Internet-Fernsehen, Kleidung sowie Kosmetik und Freizeitaktivitäten nahezu ähnlich viel auszugeben wie zuvor. Nur für die Versorgung des eigenen Haushalts mit Energie und Wasser rechnet fast die Hälfte der Befragten mit Mehrkosten. Von geringeren Ausgaben gehen viele dagegen für Restaurantbesuche (48 Prozent) und Urlaub (56 Prozent) aus.

          Es gibt jedoch deutliche Unterschiede. So zeigt die Umfrage, dass jüngere Menschen von der aktuellen Situation stärker betroffen sind als ältere und offenbar am ehesten in finanziellen Schwierigkeiten geraten. Ein naheliegender Grund könnte sein, dass Anleger in jungen Jahren oft weniger Geld auf der hohen Kante haben. Laut der Analyse hat ein Drittel der 25 bis 34 Jahre alten Befragten nach eigenen Angaben Schwierigkeiten, die Miete zu zahlen. In den Gruppen 35 bis 44 Jahre und 45 bis 54 Jahre beträgt der Anteil derer, die über Zahlungsschwierigkeiten berichten, jeweils nur 13 Prozent. Dieser Trend zeige sich laut ING auch mit Blick auf die Kreditaufnahme.

          Durch Corona haben jedoch viele Menschen plötzlich viel mehr Zeit zum Nachdenken – auch über die eigenen Finanzen. Laut der Umfrage beschäftigen sich im Durchschnitt 43 Prozent der Bundesbürger daher nun intensiver mit der eigenen finanziellen Situation. Frauen interessiert das Thema demnach etwas stärker als Männer. Durchschnittlich vier von zehn Bundesbürgern sind mit der bisherigen Bewältigung der Krise zufrieden und gleichzeitig zuversichtlich, dass sie bald überwunden sei. Nur rund 20 Prozent sehen dies laut Umfrage anders.

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