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Umfrage unter Sparern : Jeder sechste Bankkunde soll Negativzins zahlen

Immer öfter Negativzins: EC-Karten mit Markenzeichen von Postbank, Commerzbank, Sparkassen und Volksbanken Bild: dpa

Negativzinsen werden laut einer Umfrage zu einem Massen-Phänomen. Bemerkenswert: Immer weniger glauben, die Kosten durch Bargeldabhebung oder Bankwechsel vermeiden zu können.

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          Immer mehr Bankkunden wird von ihrer Bank nahegelegt, eine Vereinbarung über ein Verwahrentgelt zu unterschreiben – gleichzeitig nimmt die Akzeptanz dafür in der Bevölkerung offenbar ab. Das geht aus einer Studie hervor, die das Beratungsunternehmen Investors Marketing erstellt hat und die der F.A.Z. vorab vorliegt. In der Umfrage sagten 16,8 Prozent der Befragten, dass sie entweder bereits Negativzinsen zahlten, oder dass ihre Bank ihnen das zumindest nahegelegt habe. Das ist also etwa jeder sechste Bankkunde. Zuletzt hatten unter anderem die Commerzbank und die Postbank ihre Negativzins-Regelungen verschärft.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Immerhin 1,9 Prozent sagten, dass sie schon ein „Verwahrentgelt“, eine „Guthabengebühr“ oder „Negativzinsen“ für ihr Erspartes an ihre Bank entrichteten. Weitere 14,9 Prozent gaben an, die Bank sei mit diesem Thema schon auf sie zugekommen, sie zahlten aktuell aber noch nicht. Weitere 30 Prozent gehen davon aus, dass dies in den nächsten sechs Monaten passiert.

          Viele fügen sich offenbar

          Verändert hat sich mit der Zeit offenbar, wie Bankkunden auf die Ankündigungen von Negativzinsen reagieren. Sagten noch vor zwei Jahren 36 Prozent, sie würden in dem Fall ihr Geld einfach bar abheben, so sind es jetzt nur noch 26 Prozent. Möglicherweise hat das damit zu tun, dass dieser Fall nun wahrscheinlicher geworden ist und manchen Leute die Sache mit dem Bargeld doch etwas unheimlich ist.

          Vor zwei Jahren hatten auch noch 52 Prozent angekündigt, im Falle der Einführung von Negativzinsen die Bank zu wechseln. Jetzt waren es nur noch 45 Prozent. Möglicherweise sinkt die Hoffnung, den Negativzinsen durch einen Bankwechsel auf Dauer entgehen zu können.

          Jedenfalls sagen jetzt mehr Bankkunden als früher, sie seien bereit, als Reaktion auf die Einführung von Negativzinsen Wertpapiere zu kaufen. Dieser Anteil hat sich auf 40 Prozent ungefähr verdoppelt. Je nach Lebensalter gab es dabei Unterschiede: Mehr als 50 Prozent der Befragten zwischen 18 und 29 Jahren sagten, sie wären in dem Fall zu einem Wertpapier-Engagement bereit. In den anderen Altersgruppen lag dieser Wert deutlich niedriger. Gestiegen ist auch die Zahl der Bankkunden, die einen Teil des Geldes in Sachwerte wie Immobilien, Gold und Kunst investieren wollen – das sind jetzt knapp 38 Prozent. Das Geld ausgeben für hochwertige Konsumgüter wie Autos wollen 13,3 Prozent. Nur 7,8 Prozent wollten Versicherungsprodukte als Alternative zur Bankeinlage.

          Die Akzeptanz der Negativzinsen ist dabei gesunken: Die Zustimmung zu der Aussage „Ich finde es nachvollziehbar, dass Banken und Sparkasse Negativzinsen auch an Privatkunden weitergeben“ fiel von 67,5 auf 59,8 Prozent. Die Durchsetzung von Negativzinsen dürfte in der Breite der Bevölkerung in den nächsten zwölf Monaten nur wenig Akzeptanz finden, meinte Oliver Mihm, Chef von Investors Marketing. Für die Banken komme es dabei darauf an, alle Kunden konsequent auf das Sparen in Wertpapieren anzusprechen.

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