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Laut Umfrage : Banken wollen Immobilienkredite strenger prüfen

Kredite für den Bau eines Eigenheims dürften laut einer Umfrage bald schwerer zu bekommen sein. Bild: dpa

Auch Privatkunden werden die neue Vorsicht der Kreditinstitute zu spüren bekommen. Viele Geldhäuser wollen restriktiver Kredite vergeben und Gebühren erhöhen.

          3 Min.

          Wer große Pläne hat, sollte sich mit deren Finanzierung beeilen. Zwar lässt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank bis auf Weiteres keine steigenden Zinsen erwarten. Doch es mehren sich die Anzeichen, dass die Banken bei der Vergabe von Krediten vorsichtiger werden. Schon in der vorigen Woche hatte die F.A.Z. berichtet, dass das für Unternehmenskredite gilt. Doch auch bei Immobilien- und Ratenkrediten erwarten viele Banken in den nächsten Monaten eine striktere Vergabepraxis, wie aus einer am Montag vorgelegten Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY hervorgeht.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          120 Banken und 30 junge Finanzunternehmen (Fintechs) haben die Prüfer dazu befragt. Immerhin 27 Prozent von ihnen erwarten, dass die Konditionen für Immobilien- und Ratenkredite nach oben gesetzt werden. 34 Prozent von ihnen erwarten das für Firmenkredite. Gut die Hälfte der Befragten rechnen damit, dass die Banken in der Kreditvergabe an Unternehmen im nächsten halben Jahr restriktiver werden. In der vorangegangenen Umfrage im April 2018 hatten diese Erwartung gerade einmal 6 Prozent der Teilnehmer geäußert.

          Hintergrund sind die wachsenden Konjunktursorgen. Wegen der schon sehr lange andauernden glänzenden Konjunktur in Deutschland, mussten die Banken über Jahre so gut wie keine Risikovorsorge für den möglichen Ausfall von Krediten mehr zurücklegen. Viele Unternehmenskunden mussten zuletzt keine Sicherheiten mehr unterlegen, Immobilienkäufe, die zu 100 Prozent auf Pump finanziert wurden, sind keine Seltenheit mehr. Doch so langsam scheint in den Banken das Risikobewusstsein wieder zu wachsen – und sei es nur, weil die Bankenaufsicht von Bafin und Bundesbank das Thema inzwischen wieder ernster nimmt. Hatten im April 2018 zwei Drittel der Befragten angegeben, sie erwarteten eine Verbesserung der Wirtschaftslage in Deutschland, so gaben in der aktuellen Umfrage ebenso viele Teilnehmer an, dass sie eine Eintrübung der Lage erwarten.

          Autobranche kommt schwerer an Kredite

          Vor allem Branchen, deren Geschäft stark von der konjunkturellen Lage abhängt, kommen schon jetzt schwerer an Kredite, wie Kai Frömert, Geschäftsführer der auf Unternehmensfinanzierung spezialisierten Investmentbank FCF gegenüber der F.A.Z. sagte. Am Montag gab nun auch das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank bekannt, dass sie in einigen Segmenten Kreditengagements intensiver prüfen werde. „Das verarbeitende Gewerbe spürt die Eintrübung im internationalen Umfeld bereits deutlich. Das betrifft unter anderem die Automobilproduktion, den Maschinenbau, die Chemie- und Pharma-Branche”, sagte Uwe Berghaus, Firmenkundenvorstand der DZ Bank, gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.

          Die Landesbank Baden-Württemberg und die Hamburg Commercial Bank hatten sich zuletzt ebenfalls vorsichtiger gezeigt. Einheitlich ist das Bild aber noch nicht. Die Commerzbank will weiter expansiv Kredite vergeben, dabei aber freilich ihre Vergabestandards einhalten, wie ein Sprecher am Montag auf Anfrage der F.A.Z. sagte. Die Deutsche Bank plant laut einem Sprecher derzeit ebenfalls nicht, ihre Kredite in konjunkturabhängigen Sektoren zu verringern.

          Alles in allem bewerten die von EY befragten Banken ihre aktuelle Geschäftslage noch positiv. Der Ausblick auf die nächsten zwölf Monate hat sich gegenüber der Umfrage im Frühjahr 2018 aber deutlich verschlechtert. So rechnen mit 9 Prozent nicht einmal mehr halb so viele Befragte mit einer sehr positiven Geschäftsentwicklung. Ein Viertel geht davon aus, dass sich ihre Geschäftslage verschlechtert, nach 7 Prozent im Jahr 2018.

          Neben der schwächer werdenden Konjunktur ist es vor allem die fortwährende Niedrigzinsphase, die den Banken Sorgen bereitet. Bekanntermaßen sind viele Institute dazu übergegangen, den Druck der EZB in Form von höheren Gebühren an ihre Kunden weiterzureichen. Vor allem die Kosten rund um das Girokonto, aber auch für Überweisungen sind hier beliebte Stellschrauben. Allerdings gibt es offenbar noch immer eine Vielzahl von Kreditinstituten, die solche Zusatzkosten für die Kunden noch vermeiden kann. So gaben in der Umfrage immerhin 84 Prozent der Teilnehmer an, dass sie die Gebühren für ihre Privatkunden in diesem Jahr nicht erhöht hätten und auch keine solche Maßnahmen planten.

          Um den Kostendruck zu verringern, planen weiterhin viele Institute den Abbau von Stellen. Besonders prominent machen das gerade die Deutsche Bank und die Commerzbank, die jeweils mehrere Tausend Stellen streichen wollen. Laut der Umfrage wird vor allem in den Filialen und anderen Abteilungen mit Kundenkontakt reduziert. Auf der anderen Seite wird aber im Risikomanagement, der IT und anderen zentralen Bereichen auch eingestellt. Schon seit Jahren versuchen vor allem die Volksbanken, durch Zusammenschlüsse besser mit der Regulierung und anderen Herausforderungen klarzukommen. Auf großer Ebene konnten sich Deutsche Bank und Commerzbank zuletzt allerdings nicht zu einer Fusion durchringen. Dennoch rechnet ein Drittel der Befragten mit einer erheblichen Konsolidierung in den nächsten drei Jahren.

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