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Ukrainekrieg : „Russland wird der große Verlierer sein“

Verzockt sich: Aus Sicht der Spieltheorie ist das Vorgehen Wladimir Putins „stümperhaft“. Bild: dpa

Der Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz erklärt den Ukrainekrieg spieltheoretisch. Russland gehe stümperhaft vor. Doch all das macht die Perspektiven nicht erbaulicher.

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          Der russische Überfall auf die Ukraine stellt manche Beobachter vor Rätsel. Eine bisweilen gehörte Erklärung ist, der russische Präsident Wladimir Putin sei wahnsinnig geworden. Ernst Konrad, leitender Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz, sieht das anders. Er erklärt den Konflikt lieber mithilfe der Spieltheorie. Diese betrachtet soziale Entscheidungssituationen wie ein Spiel ohne Rundenbegrenzung. Dabei ist Kooperation eine gute Strategie, eine gewinnbringendere aber letztlich Erpressung, falls auch immer wieder Kooperation angeboten wird.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Russland bietet immer wieder Kooperation an, etwa wenn Gaslieferungen an große Länder nicht eingestellt oder Anleihen am Ende doch in harter Währung bedient werden“, erläutert Konrad. Voraussetzung einer solchen Strategie seien glaubhafte Drohungen. Ein sofortiges deutsches Gasembargo etwa sei dies nicht, ein auf Monate angelegtes Unabhängigwerden von russischen Lieferungen schon.

          Moskaus Vorgehen sei in dieser Hinsicht stümperhaft. Man habe Drohungen ausgestoßen, sie aber nicht wahr gemacht, so dass diese zunehmend unglaubwürdiger wirkten. „Die Möglichkeit, einem Feind die Stirn zu bieten, beruht immer darauf, wie sehr man sich selbst binden kann“, zitiert Konrad den amerikanischen Ökonom Thomas Schelling. Insofern sei die Strategie der USA, Russland in einen Abnutzungskampf zu verwickeln, in dem die Ukraine nur möglichst lange durchhalten soll, zwar zynisch, aber erfolgversprechend.

          Zusammenbruch „auf Sicht“

          „Russland wird der große Verlierer sein, selbst wenn es einen militärischen Erfolg erringen kann“, ist Konrad überzeugt. Er könne sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Russland wie Nordkorea sich vor allem bemerkbar machen wolle. Wirtschaftlich blute das Land schon lange aus, weil Gewinne aus dem Rohstoffgeschäft weitgehend im Ausland investiert wurden. Nun beschleunige der Krieg eher den Wandel zu grünen Energien, der Russland ohnehin zum Verlierer mache. „Auf Sicht“ rechnet Konrad mit einem abermaligen Zusammenbruch der russischen Wirtschaft.

          Im aktuellen Konflikt aber, so glaubt Konrad, werde am Ende doch der Kompromiss einer Teilung der Ukraine stehen. Putin werde sich mit einem begrenzten Erfolg am Ende zufrieden geben. „Putin hat eine gewisse Rationalität, auch wenn diese eine Mischung aus KGB-Sozialisierung und dem völkischen Geschwurbel ist, das man schon bei Dostojewski nachlesen kann.“

          Gewöhnungseffekt wird Aktien helfen

          Die Perspektiven für Anleger, die Konrad zeichnet, sind wenig erbaulich. „Die kommenden sechs Monate werden eher schwierig. Das Ziel muss sein, möglichst ohne Verwerfungen durch die Situation zu kommen.“ Die Inflation werde hartnäckig hoch bleiben, weil zum einen weiter Aufwärtsdruck auf die Energiepreise herrschen werde und zum anderen massive öffentliche Investitionen keinen Raum für eine Haushaltskonsolidierung ließen. Für liquide Anlagen stünden insgesamt ein bis drei magere Jahre bevor.

          Mit Anleihen werde kein Geld zu verdienen sein, für Aktien die Situation etwas besser. Das Gewinnwachstum in den Vereinigten Staaten sei noch okay, auch wenn die Konjunktur nachlassen werde. Mit dem Fortschreiten des Gewöhnungseffektes gebe es an der Börse bei weiter erhöhter Volatilität auf steigende Aktienkurse. Zur Absicherung empfiehlt Konrad Gold, das einen gewissen Schutz vor der Inflation biete. „Aber man muss sich bewusst sein, dass Gold in erster Linie als Absicherung dient und nicht so sehr Ertragsbringer ist.“

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