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Börsenwoche : Was steckt hinter den Warnrufen der Allianz?

Allianz-Chef Oliver Bäte Bild: EPA

Der Chef des größten deutschen Versicherers warnt vor Übertreibungen an den Märkten und kritisiert die hohen Bewertungen in der Technologiebranche und der Autoindustrie.

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          Mit dramatischen Warnungen hat sich der Vorstandsvorsitzende der Allianz, Oliver Bäte, in dieser Woche zu Wort gemeldet. „Alle Warnlampen im Risikomanagement leuchten rot“, sagte der Chef des größten deutschen Versicherers am Donnerstag auf einer Konferenz der Ratingagentur Standard & Poor’s. Er kritisierte unter anderem die Bewertungen in der Technologiebranche und der Autoindustrie als „irrationale Übertreibung“, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hinzu käme, dass die Regulierer in der Corona-Krise die Zügel für die Banken gelockert hätten. Sie seien schlechter mit Kapital ausgestattet und in Krisen viel verwundbarer als die Versicherungsbranche. Kurzum: „Das Finanzsystem wird nicht sicherer, es wird wieder gefährlicher.“

          Gut gebrüllt, Kassandra. Doch an den Finanzmärkten will von solchen Warnrufen bislang kaum jemand etwas wissen. Die Aktienmärkte steigen und steigen. Der Kurs von Apple etwa hat allein in dieser Woche schon wieder 8 Prozent zugelegt, Facebook 5 Prozent. Für Tesla ging es mit einigen Rücksetzern innerhalb eines Monats um knapp 30 Prozent nach oben, um nur einmal auf einige der schier endlos steigenden Kursraketen zu schauen. Ob sie inzwischen völlig überteuert sind oder angesichts ihrer vielseitigen digitalen Angebote auf einem weltumspannenden Markt auch weiterhin Wachstumsgaranten sind, darüber gehen die Meinungen an den Märkten schon seit Längerem weit auseinander.

          Tesla

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          KGV von Volkswagen bei 6,6

          Um Auto-Werte – von Tesla einmal abgesehen – hört man derlei Diskussionen eher selten. Schaut man sich die großen deutschen Auto-Konzerne an, so wirken sie zumindest nach klassischen Bewertungsmustern nicht überteuert. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von Volkswagen etwa liegt bei moderaten 6,6. Der Durchschnitt für alle Dax-Werte liegt normalerweise so bei 11. Die meisten Analysten würden VW sogar einen weit höheren Kurs zutrauen als die aktuellen 180 Euro. Die Deutsche Bank setzt ihr Kursziel bei 270 Euro, die UBS sogar bei 300 Euro. Bei Daimler sieht das Bild ähnlich aus. Auch hier liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis gerade einmal bei 6. Trotz eines schon sehr guten Laufs halten etwa die Analysten von der Berenberg Bank einen weiteren Kursaufschlag von knapp 30 Prozent für angebracht.

          All das sollte aber die Warnungen des Allianz-Chefs nicht schmälern. Sein Konzern muss 2,5 Billionen Euro an Kapitalmärkten anlegen. Wie es um die internationalen Finanzmärkte bestellt ist, wissen wohl nur wenige so gut wie er.

          VOLKSWAGEN VZ

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