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Übernahmen : Fremdfinanzierte Übernahmen kommen wieder in Mode

  • -Aktualisiert am

Fallende Kurse können dazu führen, dass Firmen unterbewertet sind. Dann werden sie allerdings plötzlich interessant als Übernahmeziel.

          3 Min.

          Im Moment herrscht bei Firmenübernahmen relative Ruhe. Aber wie lange noch? Die Marktteilnehmer verhalten sich vorsichtig. Unternehmen, die fremdfinanzierte Übernahmen durchführen, könnten schon bald wieder auf der Suche nach geeigneten Kandidaten sein.

          Die treibenden Kräfte in diesem Geschäft haben in den letzten Jahren Rekordsummen angehäuft. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Venture Economics haben LBO-Firmen (Leveraged-Buy-Out) im Jahr 2000 insgesamt 63,3 Milliarden Dollar verdient. Dieses Geld müssen sie nun investieren.

          „Die Börsen sind derzeit außerordentlich attraktiv“, so Scott Sperling, Geschäftsführer einer in Boston ansässigen LBO-Firma. „Es gibt sehr viele Unternehmen mit guten Wachstumschancen, deren Aktienkurse stark verloren haben. Die Manager sind damit keineswegs zufrieden. Sie sehen vielfach nur noch zwei Möglichkeiten, nämlich die Aufgabe ihrer Börsenzulassung oder den Verkauf von Tochtergesellschaften oder Unternehmensteilen.“

          Nervöse Geldgeber

          Wenn die Jagd beginnt, wird sie allerdings anders ablaufen als in den zügellosen achtziger Jahren. Die hohe Zahl ausstehender Junk Bonds und eine abkühlende Konjunktur haben die Investoren unruhig gemacht und verhindern so die Emission neuer Schuldverschreibungen. Dies stellt ein Hindernis für Firmen dar, die fremdfinanzierte Übernahmen durchführen, da sie die Unternehmen mit Hilfe der Schuldverschreibungen aufkaufen.

          Nach Expertenangaben sind Banken mittlerweile immer öfter bereit, Firmenübernahmen zu finanzieren, da die Börsen die Talsohle erreicht zu haben scheinen. Übernahmekandidaten sind zahlreich vorhanden. „Die Zahl der an der Börse notierten Aktiengesellschaften, die ihre Börsenzulassung wieder aufgeben wollen, wird dieses Jahr deutlich steigen, möglicherweise sogar um 100 Prozent“, erläutert Unternehmensberater Lloyd Greif.

          Aber die großen Geldgeber für fremdfinanzierte Firmenübernahmen drohten sich zurückzuziehen, als sich viele ihrer Investitionen als Fehlschläge erwiesen. Sie möchten zu erprobten Übernahmestrategien zurückkehren. Investitionen in den Bereichen Fertigung, Konsumgüter, Nahrungsmittel, Finanzdienstleistungen und andere werden bevorzugt. Imbrogno erklärt: „Während die Technologie- und Telekommunikationswerte in schwindelerregende Höhen gestiegen sind, blieben die Aktienkurse von Unternehmen der sogenannten „Old Economy“ auf einem sehr niedrigen Niveau“. Wenn sich die Unternehmensgewinne verringern, bleiben nur noch fremdfinanzierte Firmenübernahmen oder Fusionen, um die Aktienkurse in die Höhe zu treiben.

          Eine andere lukrative Investitionsmöglichkeit sind kleine Unternehmen, mit denen sich die großen Investmentbanken nicht befassen. „Diese Firmen eignen sich hervorragend für fremdfinanzierte Übernahmen, um sie von der Börse wegzubringen“, erklärt Chris Redmond von A.G. Edwards Capital. Nach seiner Einschätzung gibt es etwa 300 kleinere Firmen, die in diesem Zusammenhang momentan von Interesse sind.

          Retter in der Not

          Eine andere Möglichkeit besteht darin, abgestoßene Firmenteile aufzukaufen. Alec Gores, Chef einer LBO-Firma in Privatbesitz, berichtet, dass seine Firma hohe Gewinne mit dem Kauf von nicht zum Kerngeschäft zählenden, verlustbringenden Tochterunternehmen von großen Technologiefirmen erzielt hat. So haben sie zum Beispiel Ende September The Learning Company von Mattel gekauft und den schwächelnden Hersteller von Verbrauchersoftware in weniger als sechs Monaten wieder zu einem profitablen Geschäft gemacht. Dazu wurden nicht zum Kerngeschäft gehörende Geschäftsbereiche ausgegliedert, die Betriebskosten gesenkt und Prozesse zentralisiert.

          Experten auf diesem Gebiet behaupten, dass eine fremdfinanzierte Übernahme oft ein Segen für die Aktionäre ist. Sam Fox, Vorsitzender einer Risikokapital-Gesellschaft, die sich darauf spezialisiert hat, kleine Fertigungs- und Industrieunternehmen zu kaufen, strebt immer wieder Abschlüsse an, bei denen Unternehmen ihre Börsenzulassung aufgeben. Ziel ist es, mit den übernommenen Firmen eng zusammen zu arbeiten - und zwar ohne die Probleme, die eine Börsennotierung mit sich bringt.

          „Mittel freisetzen“

          „Wenn eine Aktiengesellschaft ihre Anteile zurückkauft, bringt dies den Aktionären einen wirklichen Vorteil. Sind Anteilseigner an ein unterbewertetes Unternehmen gebunden, ist die Aktie in den meisten Fällen beinahe unverkäuflich. Wenn wir ihnen ein Angebot machen, werden die finanziellen Mittel des Unternehmens wieder freigesetzt, und die Aktionäre können ihre Anteile verkaufen.“

          Für Unternehmen, die fremdfinanzierte Firmenübernahmen durchführen, sind die Bedingungen heute schwieriger als in den Tagen der glorreichen Übernahmen der achtziger Jahre. Diesmal werden die Gewinne wahrscheinlich niedriger ausfallen. Aber es herrscht sowieso die Ruhe vor dem Sturm, und es wird nicht mehr lange dauern, bis er losbricht.

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