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Übernahmen : Deutsche Unternehmen bei Übernahmen zurückhaltend

An insgesamt 255 Transaktionen als Berater beteiligt: Für Banken wie Goldman Sachs sind Übernahmen die Königsdisziplin Bild: REUTERS

In diesem Quartal gab es erstmals mehr Firmenübernahmen, in denen Unternehmen aus Schwellenländern als Käufer oder Ziel auftraten als europäische. Deutsche Unternehmen tauchen unter den zehn größten Transaktionen nicht auf. Auch in anderen Sparten fällt der deutsche Markt zurück.

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          Der Aufschwung im Investmentbanking geht am deutschen Kapitalmarkt vorbei. Das dritte Quartal 2010 war mit auf der Welt bekannt gegebenen Unternehmenskäufen und Übernahmen im Wert von 599 Milliarden Dollar das stärkste Quartal seit dem dritten Quartal 2008, in dem die Insolvenz von Lehman Brothers die Kapitalmärkte in eine schwere Krise stürzte. Der deutsche und mit ihm der europäische Investmentbanking-Markt liegt nach Daten von Thomson Reuters dagegen nach wie vor danieder und erlebt gerade das schwächste dritte Quartal seit dem Jahr 2003. Erstmals gab es in diesem Quartal mehr Transaktionen, in denen Unternehmen aus Schwellenländern als Käufer oder Ziel einer Übernahme auftraten als europäische.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für Banken ist die Beratung bei Unternehmenskäufen und Übernahmen die Königsdisziplin des Investmentbankings. Denn hier können sie die höchsten Gebühren verlangen. Die Investmentbank Goldman Sachs hat sich in diesem Jahr in der Liste der führenden Beratungshäuser von Rang zwei auf Rang eins geschoben vor JP Morgan und Morgan Stanley. Goldman Sachs ist an insgesamt 255 Transaktionen als Berater tätig. Unter anderem berät Goldman Sachs die kanadische Minengesellschaft Potash, für die BHP Billiton mit 43 Milliarden Dollar das höchste Übernahmeangebot in diesem Jahr ausgesprochen hat.

          Zwei von zehn Aufkäufern sind aus Schwellenländern

          Bei den zehn größten grenzüberschreitenden Transaktionen, die das sechste Quartal in Folge zunahmen und nun im dritten Quartal insgesamt 288 Milliarden Dollar umfassten, kommen von den Übernahmezielen mit Zain (Nigeria), Brasilcel (Brasilien), Lihir Gold (Papua Neu Guinea) und Femsa-Ber (Mexiko) vier aus Schwellenländern. Auch unter den Aufkäufern sind zwei von zehn aus Schwellenländern, nämlich Bharti (Indien) und Cheung Kong (Hongkong). Deutsche Unternehmen dagegen tauchen weder als Käufer noch als Übernahmeziel unter den zehn größten Transaktionen auf.

          Bild: F.A.Z.

          Die größte Unternehmenstransaktion mit deutscher Beteiligung, die im dritten Quartal bekanntgegeben wurde, ist die Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank im Gesamtwert von 4,9 Milliarden Dollar. Darauf folgt das von Hochtief als feindlich eingestufte Übernahmeangebot des spanischen Baukonzerns ACS für 3,7 Milliarden Dollar. Auch auf dem deutschen Markt für Unternehmenskäufe ist Goldman Sachs der führende Berater, gefolgt von der Deutschen Bank und der Bank of America, die einen großen Sprung von Rang 17 schaffte. Insgesamt wurden für deutsche Unternehmen im dritten Quartal aber nur Übernahmeangebote im Wert von 12,8 Milliarden Dollar abgegeben. Das ist der niedrigste Wert seit 2003 und ein Rückgang zum Vorjahresquartal von 65 Prozent. In ganz Europa war der Rückgang mit 5 Prozent auf ein Transaktionsvolumen von insgesamt 151 Milliarden Dollar deutlich kleiner.

          Deutsche Bank im Anleiheemissionsgeschäft führend

          Auch in anderen Sparten des Investmentbankings fällt der deutsche Markt gegenüber Europa und anderen Teilen der Welt zurück. So sanken die Eigenkapitalerhöhungen deutscher Unternehmen im dritten Quartal auf das niedrigste Volumen seit dem Jahr 2004. In diesem nach dem Markt für Unternehmenskäufe und Übernahmen lukrativsten Investmentbankingbereich ist in Deutschland in diesem Jahr bisher JP Morgan führend.

          Im weniger margenträchtigen Anleiheemissionsgeschäft ist die Deutsche Bank führend, wenn ein deutsches Unternehmen oder der Bund eine Anleihe begibt. Auch in diesem Segment ging im dritten Quartal das Volumen deutlich zurück. Es sank auf 65 Milliarden Dollar – so wenig wie zuletzt im dritten Quartal des Jahres 2003.

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