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Wie weiter nach Skandal? : CSU-Politiker wirbt dafür, „Wirecard zu erhalten“

Überlebt Wirecard den Bilanzskandal? Bild: EPA

Überlebt der deutsche Zahlungsabwickler Wirecard den Bilanzskandal? Nachdem sich erste private Kaufinteressenten gemeldet haben, reagiert nun auch die Politik. Frühere Fehler dürften nicht wiederholt werden.

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          In der CSU werden erste Stimmen laut, die sich dafür stark machen, den im Zuge eines Bilanzskandals in die Insolvenz gerutschten Zahlungsabwickler Wirecard zu erhalten. „Wir sollten prüfen, ob es bei Wirecard eine Möglichkeit gibt, das Unternehmen zu erhalten“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, Hans Michelbach, der F.A.Z.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Man müsse über eine Weiterführung und Auffanglösung nachdenken. Es dürfe nicht derselbe Fehler gemacht werden wie bei der Hypovereinsbank, mahnte der Finanzpolitiker. Das einst bayerische Institut ist nunmehr Teil der italienischen Großbank Unicredit.

          Harsche Kritik an der Bafin

          Um den Bilanzskandal rund um Wirecard aufzuklären, bringt die Opposition im Bundestag derweil einen Untersuchungsausschuss ins Spiel. Entsprechend äußerten sich Politiker von FDP und Linkspartei, während die Grünen eine Aktuelle Stunde im Bundestag zum Bilanzskandal des Finanzdienstleisters beantragt haben.

          CSU-Politiker Hans Michelbach möchte Wirecard erhalten.

          Der FDP-Politiker Frank Schäffler nannte die Vorgänge um Wirecard skandalös: Offenbar habe die dem Finanzministerium unterstellte Bundesanstalt für Finanzaufsicht (Bafin) immer wieder Probleme, wenn es um komplexe Themen des Finanzstandortes gehe.

          Schäffler, der selbst im Bafin-Verwaltungsrat sitzt, habe einen Bericht des Verwaltungsratsvorsitzenden, des Finanzstaatssekretär Jörg Kukies, angefordert. Er sagte: „Auch ein Untersuchungsausschuss des Bundestages ist denkbar, um die Hintergründe aufzuklären.“

          Nach Ansicht der Grünen-Politikerin Britta Haßelmann sind die Minister für Finanzen und Wirtschaft, Olaf Scholz (SPD) und Peter Altmaier (CDU), dafür verantwortlich, das Handeln der ihnen unterstellten Behörden dem Parlament und der Öffentlichkeit zu erklären. „So ist es etwa völlig unverständlich, wie angesichts der Vorwürfe, die Wirecard schon länger begleitet haben, die Bafin nicht früher selbst aktiv wurde“, sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin.

          WIRECARD

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          Haßelmann ergänzte: „Klar ist: Nach einer umfassenden Fehleranalyse braucht es einen Neustart der Bafin, damit die Aufsicht des digitalen Finanzmarktes gelingen kann.“ Es dränge sich der Eindruck auf, dass es entweder am Aufklärungswillen mangelte oder dass das passende Personal gar nicht vorhanden sei.

          Wirecard hatte Insolvenz beantragt, nachdem Barmittel in Höhe von 1,9 Milliarden Euro, die angeblich auf asiatischen Bankkonten lagen, nicht auffindbar waren. Am Mittwoch wird Bafin-Präsident Felix Hufeld vor dem Finanzausschuss des Bundestags erwartet. Linkspartei-Fraktionsvize Fabio De Masi forderte, dass bei der Finanzaufsicht kein Stein auf dem anderen bleiben dürfe.

          Unabhängig von der Frage, ob die Politik Wirecard hilft oder nicht, waren in der vergangenen Woche nach Informationen der F.A.Z. erste kommerzielle Kaufinteressenten auf den Plan getreten – Privatinvestoren und Private-Equity-Fonds, aber auch der Konkurrent Worldline. Der französische Zahlungsverkehrsdienstleister hatte schon zu Beginn dieses Jahres in Frankreich seinen Wettbewerber Ingenico für fast acht Milliarden Euro gekauft. Die beiden französischen Unternehmen sind durch den Zusammenschluss zum größten Anbieter in Europa aufgestiegen.

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