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Passende Scheine : Der unberechenbare Geldautomat

Hoffentlich richtig gemischt: Kunden beim Geldabheben in der Frankfurter Sparkasse Bild: Kerstin Papon

Manchmal kommt ein einziger 100-Euro-Schein aus dem Gerät, dann wieder ein ganzer Stapel Fünfer. Viele Bankkunden ärgert das. Dabei kann man die Geldausgabe beeinflussen.

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          Die Überraschung ist gelegentlich groß. Welcher Bankkunde kennt ihn nicht, diesen Moment, wenn sich das Ausgabefach des Geldautomaten öffnet und dort nicht das liegt, was man sich eigentlich erhofft hat. Die 200 Euro gibt es in zwei nagelneuen, knitterfreien 100-Euro-Scheinen. Ob sich damit in der Eisdiele um die Ecke gleich tatsächlich ein Eis kaufen lässt? Oder man hält plötzlich einen ganzen Stapel von 5-Euro-Scheinen in Händen, mit dem man ebenso wenig anfangen kann. Denn dieses Mal geht es um einen höheren Betrag. Die verärgerten Reaktionen im Geschäft oder Restaurant sind absehbar.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Muss das denn sein, fragen sich viele. Nicht immer, ist die Antwort. Hinter dem alltäglichen, einfachen Vorgang des Geldabhebens steckt gleichwohl ein ausgeklügeltes System, in dem Algorithmen eine wichtige Rolle spielen. Es geht um die Versorgung mit Bargeld, die Geschäftspolitik der Bank, aber auch um Sicherheit, Standorte sowie Verfügbarkeit und bisweilen in der Tat um den Wunsch des Kunden.

          In Deutschland gibt es rund 60.000 Geldautomaten. Das größte Netz bietet die Sparkassengruppe mit etwa 25.000 Geräten, gefolgt von den Volks- und Raiffeisenbanken mit 19.000 Automaten. Bargeld erhält man inzwischen zudem an vielen Supermarktkassen oder Shell-Tankstellen, auch hier nicht immer so wie gewünscht. Die erste Geld ausgebende Maschine wurde im Jahr 1967 von der Barclays Bank in London in Betrieb genommen. Hierzulande gab es den ersten Geldautomaten ein Jahr später bei der Kreissparkasse Tübingen. Inzwischen sind sie vor allem in den Städten häufig zu finden – in Banken, Einkaufszentren oder auch an belebten Orten wie Bahnhöfen.

          „Doch es hat lange gedauert, bis sie zahlreicher geworden sind“, sagt Thorsten Weidemann, Leiter des Produktmanagements von Wincor Nixdorf. In Deutschland stammen zwei von drei Automaten von diesem Geldautomatenhersteller, der derzeit von dem amerikanischen Konkurrenten Diebold übernommen wird.

          Gut geschütztes Inneres

          Das Innere der Geldautomaten ist gut geschützt. Hier befinden sich mehrere Geldkassetten. Die meisten Automaten in Deutschland verfügen über vier Kassetten. Theoretisch können sie also vier verschiedene Geldscheine beinhalten. Geldautomaten mit zusätzlicher Einzahlfunktion haben fünf oder sechs Geldkassetten. „Ein Fach wird für nicht wieder auszahlbares Geld verwendet“, sagt Weidemann.

          Dabei gilt: Je aufwendiger der Geldautomat ist, desto teurer wird es für die Bank oder Sparkasse. Weidemann nennt Preise von 12.000 bis zu 25.000 Euro, die ein Automat kostet. Auch der Wunsch nach höherer Sicherheit schlägt freilich zu Buche, und dies nicht nur nach den zahlreichen Sprengungen durch Kriminelle. Je sicherer die Tresore im Inneren des Automaten sind, desto mehr kostet er in der Regel. Auch zusätzliche Anwendungen wie das Drucken von Kontoauszügen oder das Aufladen von Karten treiben die Kosten. Gleichwohl zeigten sich die deutschen Institute – anders als die Geldhäuser im Ausland – hier bislang eher zurückhaltend, sagt Weidemann. In der Regel müsse ein Gerät nach sieben oder acht Jahren wieder ausgetauscht werden.

          Haushaltsmischung

          Damit die Bargeldversorgung immer gewährleistet ist, müssen die Geldautomaten regelmäßig aufgefüllt werden. Dies geschieht laut Weidemann einmal wöchentlich bis hin zu einmal im Monat, je nach Standort und Nutzung des Automaten. Das Befüllen erfolgt über Sicherheitsunternehmen wie Prosegur oder Kötter Security oder die Banken selbst. Die Geräte geben Auskunft über ihren Befüllungsstand. Allein die Banken bestimmen, welche Scheine vorrätig sein sollen und wie die Abhebung im Detail vonstattengeht. Die Banken geben also auch vor, wann nach der Eingabe der Giro- oder Kreditkarte die Geheimnummer eingetippt werden muss oder ob die Stückelung der Geldscheine grundsätzlich gewählt werden kann. Die Hersteller der Geldautomaten setzen die Vorgaben technisch um.

          Welche Scheine bekommt man in der Regel ausgezahlt? Weidemann spricht von Haushaltsmischungen: „Hebt ein Kunde zum Beispiel 100 Euro ab, dann erhält er typischerweise jeweils einen Fünfziger und einen Zwanziger und zudem zwei 10-Euro-Scheine und zwei 5-Euro-Scheine. Höhere Beträge würden meist durch 50-Euro-Scheine aufgefüllt. Häufig werden zwischen 100 und 200 Euro abgehoben.

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