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Sorge wegen Lira-Kursverfall : Türkische Notenbank hebt Leitzinsen deutlich an

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Immer weniger wert: die türkische Lira Bild: dpa

Ankara überrascht die Märkte mit einer Kehrtwende in der Geldpolitik: Der Abwärtsdruck auf die türkische Währung und deren Rekordtiefs zwingen dazu.

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          Die türkische Zentralbank hat eine Trendwende in ihrer Geldpolitik eingeleitet. Sie hat ihren Leitzins überraschend und deutlich angehoben. Der Leitzins steige um 2,0 Prozentpunkte auf 10,25 Prozent, teilte die Notenbank am Donnerstag in Ankara mit. Volkswirte hatten mit einem unveränderten Niveau von 8,25 Prozent gerechnet. Die Finanzmärkte reagierten deutlich.

          Die türkische Lira stand zuletzt unter starkem Abwärtsdruck und war auf Rekordtiefstände zu Dollar und Euro gefallen. Die Jahresinflationsrate lag im August dagegen bei fast 12 Prozent. Die Inflation wurde durch den Währungsverfall noch verstärkt. Eine Zinserhöhung war also eigentlich überfällig.

          Die Notenbank steht jedoch laut Beobachtern unter erheblichen Druck des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, der niedrige Zinsen zur Stützung der Konjunktur verlangt. Die aktuelle Entscheidung der Notenbank kommt daher für Beobachter überraschend. Die Zentralbank hat aber zuletzt die tatsächlichen Refinanzierungskosten für die Banken erhöht, in dem sie die Liquiditätsversorgung über günstigere Fazilitäten einschränkte. Damit wollte man offenbar eine offizielle Zinserhöhung umgehen.

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          Die Zinserhöhung markiert eine Trendwende in der Geldpolitik. Im September 2019 hatte die Notenbank mit Zinssenkungen begonnen. Zuvor hatte der Leitzins noch bei 19,75 Prozent gelegen. Dann hat Murat Uysal die Führung der Notenbank übernommen und sie auf Zinssenkungskurs gebracht. Sein Vorgänger war von Präsident Erdogan gefeuert worden, da er nicht wie von Erdogan gewünscht die Zinsen gesenkt hatte.

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          In diesem Jahr hat die türkische Währung gegenüber dem Dollar bereits 23 Prozent an Wert eingebüßt. Eine hohe Inflation und geschröpfte Devisenreserven der Zentralbank setzen der Landeswährung momentan zu. Dazu kommt die steigende Nachfrage der Türken nach harten Devisen angesichts des Währungsverfalls. Nur drei von 17 befragten Volkswirten hatten mit einer Zinserhöhung gerechnet. Die Lira zog nach dem Beschluss zum Dollar auf 7,56 an von zuvor rund 7,71. Das war der stärkste Tagesanstieg seit rund einem Monat.

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